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Englands Kampf gegen die Geschichte im Azteken-KesselEngland trifft im Achtelfinale der WM auf Mexiko im legendären Azteken-Stadion. Die Mannschaft muss nicht nur gegen die leidenschaftlichen Fans und die Höhenlage bestehen, sondern auch gegen die Last der Geschichte – von Maradonas Hand Gottes bis zu Montezumas Rache./images/de/2026/07/englands-kampf-gegen-die-geschichte-im-azteken-kessel-bf557bc5-800w.webpEnglands Kampf gegen die Geschichte im Azteken-Kessel

Englands Kampf gegen die Geschichte im Azteken-Kessel

Aktualisiert 4 min read
Das Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt bei Nacht, gefüllt mit jubelnden mexikanischen Fans in grünen Trikots, die Fahnen schwenken.

Kurzüberblick

England trifft im Achtelfinale der WM auf Mexiko im legendären Azteken-Stadion. Die Mannschaft muss nicht nur gegen die leidenschaftlichen Fans und die Höhenlage bestehen, sondern auch gegen die Last der Geschichte – von Maradonas Hand Gottes bis zu Montezumas Rache.

England wird im Achtelfinale der Weltmeisterschaft gegen Mexiko im legendären Azteken-Stadion nicht nur gegen die glühende Leidenschaft einer ganzen Nation kämpfen, sondern auch gegen die Last der Geschichte. Die Atmosphäre in Mexiko-Stadt war bereits mehr als 24 Stunden vor dem Duell am Sonntagabend (Montag 01:00 Uhr MESZ) aufgeheizt: Entlang des Paseo de la Reforma wurden riesige Bildschirme aufgestellt, Autohupen hallten über die historische Prachtstraße. Nur ein Thema bewegt die Mexikaner: das, was sich im Kessel des Azteken-Stadions abspielen wird, wenn England versucht, den mexikanischen Höhenflug zu stoppen, der das Land in einen Fieberzustand versetzt hat.

Die Kulisse: Ein Land im Ausnahmezustand

Das Spiel, das Mexiko zum Stillstand bringen wird, kann nicht schnell genug kommen. Am Samstag säumten Händler mit Fanartikeln und Souvenirs die Straßen rund um das Azteken-Stadion. Donner und Blitz erschütterten das Stadion – ein Vorgeschmack auf das, was England erwartet. Die Aufgabe ist gewaltig: Mexiko hat im Turnier noch kein Gegentor kassiert und von 88 Pflichtspielen im heimischen Stadion nur zwei verloren. England kam am Freitagabend in Mexiko an und hatte wenig Zeit, sich auf die Bedingungen einzustellen. Das Azteken-Stadion liegt auf 2.200 Metern Höhe; zuvor spielte England in den klimatisierten Arenen von Dallas und Atlanta sowie im Regen von Boston und New Jersey.

Feindselige Umgebung und Sicherheitsvorkehrungen

England betritt dieses feindliche Terrain im Wissen, dass Mexiko und besonders das Azteken-Stadion kein glücklicher Ort für die Three Lions waren. Die Mannschaft hatte gehofft, ihren Aufenthaltsort geheim zu halten, nachdem Hunderte mexikanische Fans das Quartier des vorherigen Gegners Ecuador umstellt und mit Hupen, Motorradlärm und Megafonen für Unruhe gesorgt hatten. Vergeblich: Auch vor Englands Hotel versammelten sich einheimische Anhänger, die Polizei sicherte das Gebäude massiv ab.

Tuchel genießt die besondere Atmosphäre

Trainer Thomas Tuchel zeigte sich bei seiner Pressekonferenz im Azteken-Stadion sichtlich angetan von der Stimmung: „Wir haben die Aufregung und die Emotionen der Menschen bei unserer Ankunft gesehen. Sie waren emotional, aber auch sehr, sehr respektvoll. Wir haben die Energie des Ortes sofort gespürt, die Menschen auf den Straßen. Man spürt die Vorfreude. Das ist eine andere Liga. Ich habe sofort gespürt, dass dies ein richtiges WM-Spiel wird. Wir sind an einem ikonischen Ort in einem ikonischen Stadion. Es ist die größte Bühne, und wir spüren das.“ Er fügte hinzu: „Mexiko wird uns einen Vorgeschmack auf die Intensität und die Hitze geben, und wir müssen Lösungen dafür finden. Es wird emotional sein und voller Unterstützung für die Heimmannschaft. Wir sind in einem Stadion, das eine Atmosphäre schaffen kann, die dem Heimteam zugutekommt und Momentum und Glauben erzeugt – aber wir haben sehr erfahrene Spieler.“

Historische Bürden: Maradona, Montezuma und mehr

Englands letzter Besuch im Azteken-Stadion erlangte traurige Berühmtheit, als Diego Maradonas „Hand Gottes“ Argentinien im WM-Viertelfinale in Führung brachte und er mit einem atemberaubenden Sololauf den 2:1-Sieg perfekt machte. Bereits 1970 war Mexiko Schauplatz einer unglücklichen Titelverteidigung unter Sir Alf Ramsey. Die Entscheidung der Engländer, eigenes Essen nach Mexiko zu schicken – ein Teil wurde beschlagnahmt, die Fischstäbchen kamen durch – verärgerte die gastfreundlichen Einheimischen. Mexikanische Fans favorisierten daraufhin offen Englands Gegner. Hinzu kam der berüchtigte Vorfall um Kapitän Bobby Moore, der beschuldigt wurde, in Bogotá ein Armband gestohlen zu haben – er wurde entlastet, sogar Premierminister Harold Wilson schaltete sich ein. Im Viertelfinale gegen Westdeutschland verlor England eine 2:0-Führung und schied 2:3 nach Verlängerung aus. Torhüter Gordon Banks fiel angeblich einer Magenverstimmung zum Opfer – „Montezumas Rache“ –, und sein Ersatz Peter Bonetti patzte. Verschwörungstheorien ranken sich um Banks‘ Erkrankung: absichtliche Vergiftung oder sogar ein CIA-Komplott, um Brasilien den Titel zu sichern. Die schlichtere Erklärung: Banks habe Eiswürfel in seine Getränke gegeben – was jedem Spieler wegen Verunreinigungsgefahr verboten war.

Die Gegenwart: England noch nicht überzeugend

Die Geschichte holt England nun wieder ein. Die Mannschaft um Kapitän Harry Kane, der im Achtelfinale gegen die DR Kongo den 2:1-Sieg rettete, wirkte bislang nicht vollends überzeugend – Abwehrschwächen inklusive. Mexiko hingegen zeigte gegen Ecuador seine beste Turnierleistung und gewann 2:0. In Mexiko-Stadt ist die Vorfreude allgegenwärtig. Gibran Araige Rodriguez, Reporter bei Televisa, sagte: „Es ist das wichtigste Fußballspiel im Leben Mexikos. Es ist das wichtigste Spiel in der Geschichte des Azteken-Stadions. Seit 40 Jahren hat Mexiko nicht mehr das Viertelfinale erreicht – der Traum des ganzen Landes ist es, diesmal weiterzukommen. Umso bedeutender, dass es gegen ein großes Land wie England geht. Wir sehen die Premier League und europäische Ligen, also kennen wir Harry Kane, Bukayo Saka und Jude Bellingham. Sie gehören zu den besten Spielern der Welt.“ Er fügte hinzu: „Mexiko ist zuversichtlich, aber nie überheblich – denn es ist England. Die Mannschaft ist gut, und wir haben noch kein Gegentor kassiert.“ Die Atmosphäre im Stadion werde die Begeisterung des Ecuador-Spiels noch übertreffen: „Ich habe noch nie solche verrückten Momente mit den Fans erlebt wie gegen Ecuador. Aber wenn Mexiko gegen England gewinnt, wird es noch verrückter.“

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