Asiens WM-Vertreter: Eine Bilanz und ein Ausblick

Kurzüberblick
Neun asiatische Nationen nahmen an der FIFA WM 2026 teil, doch nur Australien und Japan erreichten die K.o.-Runde.
Mit einer Rekordzahl von neun asiatischen Nationen ging die FIFA WM 2026 in die Geschichte ein – doch für die Vertreter des AFC verlief das Turnier insgesamt enttäuschend. Während Australien und Japan immerhin den Einzug in die Runde der letzten 32 schafften, wo sie jeweils knapp scheiterten, blieben fünf weitere Teams – Irak, Jordanien, Katar, Saudi-Arabien und Usbekistan – sieglos und beendeten die Gruppenphase auf dem letzten Platz. Der Iran und Südkorea verpassten als beste Gruppendritte nur knapp den Sprung in die K.o.-Runde. Ein Rückblick auf Höhen und Tiefen, aufstrebende Talente und die Perspektiven für die Zukunft.
Australien: Defensive Stabilität und junge Hoffnungsträger
Die Socceroos waren eines von nur zwei AFC-Teams, die die Gruppenphase überstanden – zum zweiten Mal in Folge. Positiv hervorzuheben ist die solide Defensivleistung: In vier Spielen kassierte Australien lediglich drei Gegentreffer. Zudem zeigten einige junge Talente ihr Potenzial: Torhüter Patrick Beach (22), Lucas Herrington (18), Mittelfeldspieler Paul Okon-Engstler (21) und Stürmer Nestory Irankunda (20) könnten langfristig das Rückgrat der Mannschaft bilden.
Allerdings offenbarte sich auch eine Schwäche: Abgesehen von einem Eigentor im Achtelfinale gegen Ägypten (Niederlage nach Verlängerung) erzielte Australien in vier Partien nur zwei Treffer. Die Suche nach einem zuverlässigen Mittelstürmer bleibt ein ungelöstes Problem. Unter Trainer Tony Popovic geht es nun zur Asienmeisterschaft, wo der zweite kontinentale Titel angepeilt wird.
Iran: Ungeschlagen, aber knapp gescheitert
Der Iran trotzte zahlreichen Widrigkeiten in der Qualifikation und bei der WM selbst und kam dem Achtelfinale so nahe wie kein anderer Gruppendritter – am Ende reichte es nur zum neunten Platz unter den Drittplatzierten, von denen sich die besten acht qualifizierten. Zusammen mit Spanien war der Iran das einzige Team, das kein Spiel verlor: 2:2 gegen Neuseeland, 0:0 gegen Belgien und ein spätes 1:1 gegen Ägypten.
Der iranische Fußballverband bestätigte, dass Trainer Amir Ghalenoei mindestens bis zur Asienmeisterschaft im Amt bleibt. Der 61-Jährige kündigte gegenüber lokalen Medien an, dass bald ein „Umbruch“ mit einer Verjüngung des Kaders beginnen werde.
Irak: Lehrreiches Debüt nach 40 Jahren
Der Irak schied bei seiner ersten WM-Teilnahme seit 40 Jahren zwar in der Gruppenphase aus, konnte aber in der wohl schwersten Gruppe zeitweise überzeugen. Nach einem vielversprechenden Start gegen Norwegen brach die Mannschaft nach der Pause ein und verlor auch gegen Frankreich und Senegal.
Trainer Graham Arnold verhandelt derzeit über eine Vertragsverlängerung mit dem irakischen Verband. Er führt neun der zwölf Gegentreffer auf „individuelle Fehler“ zurück, sieht aber auch viele positive Ansätze. Stürmer Aymen Hussein erzielte im Auftaktspiel gegen Norwegen das zweite WM-Tor der „Löwen von Mesopotamien“ überhaupt. Mit einem Kern von Spielern Mitte zwanzig sind die Aussichten für 2030 vielversprechend.
Japan: Ambitionen und erneute Enttäuschung
Trainer Hajime Moriyasu und sein Team reisten mit dem erklärten Ziel nach Nordamerika, den Pokal zu holen. Höhepunkte waren ein dramatisches Comeback gegen die Niederlande und der höchste WM-Sieg der japanischen Geschichte gegen Tunesien. Doch im Achtelfinale folgte nach einer Führung gegen Brasilien eine schwache Leistung und das Aus – zum dritten Mal in Folge in der ersten K.o.-Runde.
Laut lokalen Medien soll Moriyasu einen Vertrag bis zur nächsten Asienmeisterschaft erhalten, danach soll ein Nachfolger die Weiterentwicklung vorantreiben. Spieler wie Takehiro Tomiyasu, Takefusa Kubo und Ayase Ueda könnten auch 2030 noch Optionen sein, doch die Fülle an jungen Talenten in Japan muss besser genutzt werden, um größere Erfolge zu erzielen.
Jordanien: Debüt mit Toren, aber ohne Punkte
Jordanien verließ seine erste WM als Gruppenletzter der Gruppe J nach drei Niederlagen. Dennoch waren die Spiele gegen Österreich, Algerien und den späteren Finalisten Argentinien umkämpft. In allen drei Partien trafen die „Nashama“ – Ali Olwan erzielte das erste WM-Tor des Landes beim 1:3 gegen Österreich.
Nach dem Aus wurde bekannt, dass Trainer Jamal Sellami seinen Posten räumen muss. Einen Tag vor dem WM-Finale übernahm Badou Zaki, der als Torhüter Marokko bei der WM 1986 ins Achtelfinale geführt hatte. Seine erste Bewährungsprobe ist die Asienmeisterschaft, bei der Jordanien an den zweiten Platz von 2024 anknüpfen will.
Südkorea: Auftaktsieg, dann Ernüchterung
Alles begann vielversprechend: Hong Myung-bos Team startete mit einem 2:1-Comeback-Sieg gegen Tschechien in Guadalajara. Doch dann folgten zwei 0:1-Niederlagen gegen die Co-Gastgeber Mexiko und Südafrika – das Aus in der Gruppenphase, zum dritten Mal in den letzten vier Turnieren.
Hong trat nach dem Scheitern zurück. Mit Star Son Heung-min (34) steht Südkorea vor einem Umbruch. Die Hoffnung ruht auf Talenten wie Lee Kang-in, während das Land bei der Asienmeisterschaft und der WM 2030 wieder angreifen will.
Katar: Erster Punkt, aber erneut enttäuschend
Als erster Gastgeber der WM-Geschichte war Katar 2022 in der Gruppenphase gescheitert. In Nordamerika wollte sich der amtierende Asienmeister besser präsentieren – und holte immerhin den ersten WM-Punkt: Ein dramatischer Ausgleich in der Nachspielzeit gegen Schweiz bescherte ein 1:1. Niederlagen gegen Co-Gastgeber Kanada und Bosnien-Herzegowina verhinderten den Aufstieg. Nun bietet sich die Chance zur Wiedergutmachung bei der Asienmeisterschaft, wo Katar den dritten Titel in Folge anstrebt.
Saudi-Arabien: Nur Spanien war zu stark
Rein statistisch ist das Ausscheiden mit der einzigen Niederlage gegen den dominanten Weltmeister Spanien keine Schande. Doch nach dem historischen Sieg gegen Argentinien 2022 dürften die „Grünen Falken“ die torlosen Remis gegen Uruguay und Überraschungsteam Cabo Verde bereuen. Offensiv fehlte die Durchschlagskraft: Das einzige Tor erzielte Abdulelah Al Amri per Nachschuss im Auftaktspiel gegen Uruguay. Trainer Georgios Donis bleibt vorerst im Amt, doch ein Umbau um Talente wie Musab Al Juwayr zeichnet sich ab.
Usbekistan: Historische Tore und vielversprechende Ansätze
Die WM-Debütanten schieden nach drei Niederlagen aus, konnten aber Akzente setzen. Abbosbek Fayzullaev schrieb usbekische Fußballgeschichte, als er beim 1:3 gegen Kolumbien das erste WM-Tor des Landes erzielte. Eldor Shomurodovs Traumtor gegen die DR Kongo wurde zum „Hyundai Tor des Turniers“ der Gruppenphase gekürt. Trainer Fabio Cannavaros Team blieb seiner technisch-arbeitenden Spielweise treu, ermüdete aber im Turnierverlauf. Der 18-jährige Bekhruz Karimov und andere wissen nun, was auf Weltniveau nötig ist, und wollen in vier Jahren darauf aufbauen.
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