Chawinga-Schwestern führen Malawi ins Wafcon-Finale

Kurzüberblick
Malawi setzt seinen Traumlauf bei der Frauen-Afrika-Meisterschaft fort: Die Chawinga-Schwestern erzielen drei Tore beim 3:1-Sieg gegen Algerien und führen ihr Team erstmals ins Finale. Dort wartet der Sieger aus Marokko gegen Kamerun.
Die Chawinga-Schwestern aus Malawi haben erneut ihre Klasse unter Beweis gestellt und ihr Team ins Finale der Frauen-Afrika-Meisterschaft (Wafcon) geführt. Beim 3:1-Sieg gegen Algerien in Rabat erzielten Tabitha und Temwa Chawinga gemeinsam alle drei Treffer für die Scorchers, die damit ihr Märchen bei diesem Turnier fortschreiben.
Malawi, das als krasser Außenseiter und niedrigstplatziertes Team in Marokko antrat, feierte bei seiner Wafcon-Premiere bereits Siege gegen die Schwergewichte Nigeria und Ghana. Nun ließen die Südfrikanerinnen auch Algerien hinter sich und stehen erstmals im Endspiel.
Das Ergebnis spiegelt jedoch nur bedingt den Verlauf einer hektischen und offenen Partie wider, die von zwei Platzverweisen nach VAR-Eingriffen in der ersten Halbzeit und zahlreichen vergebenen Torchancen auf beiden Seiten geprägt war.
VAR-Entscheidungen und ein Traumtor
Bereits in der ersten Halbzeit musste Algeriens Verteidigerin Morgane Belkhiter nach einem Foul an Tabitha Chawinga mit Rot vom Platz. Kurz darauf erzielte die ältere der beiden Schwestern in der 33. Minute die Führung: Nach einer Ecke von Asimenye Simwaka, die erst vor zwei Wochen bei den Commonwealth Games in Glasgow über 200 und 400 Meter in den Halbfinals gelaufen war, drehte sich Tabitha Chawinga geschickt und vollführte einen akrobatischen Fallrückzieher. Der Ball prallte von der Latte auf den Boden und trudelte mit viel Rückwärtsdrall über die Linie – ein Treffer, der in Erinnerung bleiben wird.
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erhöhte Temwa Chawinga auf 2:0, als sie Algeriens Torhüterin Chloé N'Gazi umspielte und einschob. Kurz darauf sah jedoch auch Malawis Mittelfeldspielerin Rose Kadzere nach einer weiteren VAR-Überprüfung die Rote Karte, weil sie mit gestrecktem Bein und hoher Sohle gegen Marine Dafeur getreten hatte – eine unnötige Aktion im gegnerischen Strafraum.
Algerien kämpft, aber Chawinga entscheidet
In der zweiten Halbzeit kamen beide Teams zu guten Gelegenheiten, doch zunächst vergaben Melissa Bethi und Temwa Chawinga jeweils große Chancen. In der 60. Minute gelang Ikram Adjabi der Anschlusstreffer, als sie eine tiefe Freistoßflanke von Dafeur volley ins Tor verwandelte. Malawi wackelte, doch Tabitha Chawinga stellte mit ihrem zweiten Treffer die Weichen endgültig auf Sieg: Sie drang fast unbedrängt in den Strafraum ein und schob den Ball aus kurzer Distanz ins Netz.
Mit diesem Sieg steht Malawi im Finale am Sonntag (19:00 Uhr GMT) gegen den Sieger der Partie zwischen Gastgeber Marokko und Kamerun. Die Scorchers könnten als vierte Nation den Wafcon-Titel gewinnen und eine der größten Überraschungen in der Geschichte des Wettbewerbs perfekt machen.
Ein Beweis für das Wachstum des Frauenfußballs in Afrika
Der Erfolg Malawis bei dem auf 16 Teams erweiterten Turnier zeigt, dass der Frauenfußball in Afrika über die traditionellen Großmächte hinauswächst. Abgesehen von der ersten Auflage 1998 ist Malawi das erste Debütantenteam, das das Finale erreicht. Bereits durch den Einzug ins Halbfinale hatte sich die Mannschaft für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Brasilien qualifiziert – nun winkt sogar der Titel.
Die Chawinga-Schwestern erfüllen damit alle Erwartungen, die vor dem Turnier an sie gestellt wurden. Tabitha gewann mit Olympique Lyon erneut die französische Meisterschaft, Temwa wurde mit Kansas City Current zum zweiten Mal Torschützenkönigin und wertvollste Spielerin der NWSL. Gemeinsam haben sie acht der zwölf Tore Malawis erzielt – fünf von Temwa, drei von Tabitha – und beeindrucken mit Tempo, Kraft und Stellungsspiel, das gegnerische Abwehrreihen vor große Probleme stellt.
Malawi, das in der Weltrangliste nur auf Platz 153 liegt, hat das Turnier im Sturm erobert. Eine letzte Hürde bleibt, doch in dieser Verfassung scheint für die Chawinga-Schwestern im Finale jeder Gegner schlagbar.
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