Warum Pochettinos fließendes US-Mittelfeld triumphiert

Kurzüberblick
Mauricio Pochettinos US-Nationalmannschaft überrascht bei der Weltmeisterschaft mit einem flexiblen Mittelfeld, das starre Formationen aufbricht. Die taktische Freiheit der Spieler ermöglicht es, gegnerische Zonenverteidigung zu umgehen und Torchancen zu kreieren.
In den vergangenen Spielzeiten setzten viele Teams, die den Ball dominieren wollten, auf starre Formationen. Eine weit verbreitete Grundordnung im Ballbesitz war das 3-2-2-3-System mit einer Box im Mittelfeld – Mannschaften wie Manchester City, Chelsea und Arsenal zogen dafür einen Außenverteidiger ins Mittelfeld. Bei dieser Weltmeisterschaft sind die Teams jedoch bereit, diese strikte Struktur neu zu interpretieren und einen fließenderen Ansatz am Ball zu wählen. Eines der besten Beispiele dafür ist Mauricio Pochettinos US-Nationalmannschaft.
Die flexible Grundordnung der USA
Es war schwierig, die Formation zu bestimmen, die die USA bei ihrem beeindruckenden 4:1-Sieg gegen Paraguay am vergangenen Samstag verwendeten. Auf dem Papier hätte man ein 4-2-3-1-System mit Sergino Dest als Rechtsaußen vermuten können. Doch sobald die USA in Ballbesitz waren, sah es eher wie eine Dreierkette aus – eine durchaus gängige Taktik. Der rechte Außenverteidiger Alex Freeman bildete zusammen mit den Innenverteidigern Chris Richards und Tim Ream eine Dreierabwehrkette, vor der sich der zentrale Mittelfeldspieler Tyler Adams positionierte. Linksverteidiger Antonee Robinson rückte auf und spiegelte Dests offensive Rolle auf der anderen Seite wider – beide hielten die Seitenlinien. Folarin Balogun blieb als Stürmer ganz vorne. Linksaußen Christian Pulisic zog von der Außenbahn ins Zentrum und nahm eine zentrale Position neben den Mittelfeldspielern Malik Tillman und Weston McKennie ein.
Abweichung von traditionellen Positionssystemen
Bei vielen Trainern, die ein traditionelles Positionssystem verwenden, hätten Adams und Tillman wahrscheinlich an der Basis der Mittelfeldbox gestanden – mit Pulisic auf der linken offensiven Mittelfeldposition und McKennie rechts. Der Ansatz der USA war jedoch anders. Stattdessen sahen wir ein System, in dem nur bestimmte Spieler damit beauftragt waren, ihre Position zu halten. Dazu gehörten die drei Innenverteidiger, die beiden Außenverteidiger und der Stürmer. Die vier Spieler, die die „Box“ der USA bildeten – Adams, Tillman, McKennie und Pulisic – durften freier zwischen den Positionen rotieren, sich nahe beieinander bewegen und auf derselben Seite des Spielfelds agieren. Darüber hinaus gab es eine gewisse Flexibilität zwischen Pulisic und Robinson, die gelegentlich die Rollen tauschten: Einer agierte als roaminer zentraler Spieler, der andere als starrer Linksaußen.
Auswirkungen auf die gegnerische Verteidigung
Dieser Ansatz bereitete Paraguay Probleme, das in einer Zonenverteidigung agierte – die Spieler waren dafür zuständig, bestimmte Räume zu verteidigen, anstatt einzelne Gegenspieler zu decken. Die freie Bewegung der US-Mittelfeldspieler ermöglichte es ihnen, in Bereiche des Spielfelds vorzudringen, die zwischen den von Paraguay zu verteidigenden Zonen lagen. Dies führte dazu, dass diese Spieler oft ungedeckt waren und Zeit sowie Raum am Ball hatten. Indem sie sich im Zentrum des Spielfelds nahe beieinander aufstellten, erzielten die USA einen weiteren Vorteil: Kurze Passkombinationen auf engem Raum lockten Paraguay an den Ball heran, und in Kombination mit klugen Bewegungen ohne Ball, um das Spielfeld zu weiten, gelang es den USA, ihren Stürmer mit wenigen Gegenspielern in seiner Nähe zu finden. Pochettinos Mannschaft spielte gezielt Steilpässe in die Tiefe, sobald Paraguays Pressing angelockt war – und der schnelle Balogun nutzte diese Chancen zu Toren.
Ausblick und taktische Anpassungsfähigkeit
Es war beeindruckend zu sehen, wie eine Mannschaft in einer Art und Weise spielte, die nicht den typischen Formen und Mustern auf Vereinsebene folgte. Gegen stärkere Gegner könnten sie zu einem definierteren Positionsansatz zurückkehren. Doch die Taktik, die sie anwendeten, maximierte die Qualitäten ihrer Spieler – die Angriffsläufe von Balogun, die Dribbelstärke von Pulisic, die Laufbereitschaft von McKennie und Adams sowie die Schnelligkeit von Robinson oder Dest. Am Freitag (20:00 Uhr BST) treffen die USA in der Gruppe D auf Australien und wollen ihren guten Start in die Weltmeisterschaft fortsetzen.
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