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Schottlands Hitzeschlacht bei der WM: So will sich das Team gegen Marokko und Brasilien wappnenSchottland steht bei der Weltmeisterschaft vor extremen Hitzebedingungen. Nach dem Auftaktsieg gegen Haiti drohen gegen Marokko und Brasilien Temperaturen über 30 Grad Celsius. Das Team hat mit Akklimatisierung, individuellen Trinkplänen und taktischen Anpassungen vorgesorgt./images/de/2026/06/schottlands-hitzeschlacht-bei-der-wm-so-will-sich-das-team-gegen-marokko-und-bra-3fbc1e27-800w.webpSchottlands Hitzeschlacht bei der WM: So will sich das Team gegen Marokko und Brasilien wappnen

Schottlands Hitzeschlacht bei der WM: So will sich das Team gegen Marokko und Brasilien wappnen

Aktualisiert 4 min read
Schottische Nationalspieler trainieren in der Hitze Floridas mit Kühltüchern und Eispackungen, während Trainer Steve Clarke in Jogginghosen zusieht.

Kurzüberblick

Schottland steht bei der Weltmeisterschaft vor extremen Hitzebedingungen. Nach dem Auftaktsieg gegen Haiti drohen gegen Marokko und Brasilien Temperaturen über 30 Grad Celsius. Das Team hat mit Akklimatisierung, individuellen Trinkplänen und taktischen Anpassungen vorgesorgt.

Die Weltmeisterschaft in Nordamerika hat bisher vor allem durch eine Besonderheit von sich reden gemacht: Hitzepausen, Eispackungen, Kühltücher und isotonische Getränke sind allgegenwärtig. Während viele Spiele in klimatisierten Stadien bei moderaten Temperaturen stattfanden, steht für die schottische Nationalmannschaft nun die große Hitzeprüfung bevor.

Steigende Temperaturen für Schottland

Der Auftaktsieg gegen Haiti in Boston wurde noch bei angenehmen 25 Grad Celsius ausgetragen. Doch wenn Steve Clarkes Team am Freitag (23:00 Uhr MEZ) im selben Stadion auf Marokko trifft, wird es deutlich wärmer: Die Prognose liegt bei etwa 27 Grad Celsius. Noch extremer wird es im letzten Gruppenspiel gegen Brasilien in Miami: Dort werden Temperaturen von über 30 Grad Celsius erwartet, und bei einer Luftfeuchtigkeit von fast 80 Prozent fühlt es sich noch heißer an.

Schottland hat sich auf diese Bedingungen vorbereitet, doch die Hitze könnte dennoch eine entscheidende Rolle spielen – selbst wenn Trainer Steve Clarke bei den Trainingseinheiten in Jogginghosen entspannt bleibt.

Vorbereitung: Akklimatisierung und individuelle Pläne

Die schottische Mannschaft reiste bereits Anfang Juni nach Fort Lauderdale, um sich so früh wie möglich an die Hitze zu gewöhnen. Sonnencreme, Sonnenbrand und Eiskübel begleiteten die Spieler bei den Trainingseinheiten vor dem letzten Testspielsieg gegen Bolivien in New York. Das Trainingslager in Charlotte, North Carolina – geografisch etwa auf halbem Weg zwischen Boston und Miami – bot mit Temperaturen von bis zu 30 Grad Celsius ideale Bedingungen zur Akklimatisierung.

Bereits vor der Abreise in die USA nutzten einige Spieler die Extremklimakammer der University of the West of Scotland, um die Bedingungen in Florida zu simulieren. Vish Unnithan, Professor für Sportwissenschaft und Trainingsphysiologie an der Universität, erklärte gegenüber BBC Scotland: „Schottland ist seit zehn oder zwölf Tagen dort, die Akklimatisierung und Anpassung an die Bedingungen dürfte recht gut verlaufen sein. Die Aufrechterhaltung der Flüssigkeitszufuhr und die Ernährungserholung sind entscheidend. Wir wissen, dass bei intensiver Belastung in der Hitze der Verbrauch an gespeicherten Kohlenhydraten deutlich schneller erfolgt. Die Ernährungswissenschaftler des schottischen Teams werden daher sicherstellen, dass die Kohlenhydratzufuhr stimmt.“

Da die Spieler unterschiedlich stark schwitzen, gibt es individuelle Programme zur Flüssigkeitszufuhr und Erholung. Verschiedene Gele und Getränke werden je nach Bedarf angeboten.

Erholungsvorteil durch kürzere Saison?

Marokko und Brasilien haben Spieler, die das Leben und Spielen in der Hitze weitaus besser gewohnt sind – ein klarer Vorteil. Doch nach einer langen Klubsaison spielt die Restmüdigkeit bei jedem Turnier eine Rolle, besonders bei brütender Hitze. Hier könnte Schottland einen Vorteil haben: Ein Blick auf die Startaufstellungen der ersten Gruppenspiele zeigt, dass die schottischen Spieler in der vergangenen Saison weniger Belastung hatten. Nur Scott McTominay, John McGinn und Lewis Ferguson hatten vor der WM die 50-Spiele-Marke erreicht (alle 53). Bei Marokko waren es sechs Spieler in der Startelf gegen Brasilien, die diese Marke überschritten. Auch Brasilien hatte drei Spieler mit mindestens 50 Einsätzen, aber die Startelf der Brasilianer kam insgesamt auf 475 Spiele in der Vorsaison, während Schottland auf 410 kam.

Allerdings ist der Grat zwischen Frische und mangelnder Spielpraxis schmal. Ben Gannon-Doak glänzte zwar beim Sieg gegen Haiti, musste aber nach 75 Minuten ausgewechselt werden – weil seine „Waden das Stadion verließen“, bevor er es tat. Dies könnte auf die begrenzte Spielzeit des Flügelspielers in dieser Saison zurückzuführen sein, der einen Großteil der Saison bei Bournemouth verletzungsbedingt verpasst hatte. Wie Clarke vor Turnierbeginn betonte, wird diese WM ein Turnier, bei dem der gesamte 26-köpfige Kader zum Einsatz kommt.

Ballbesitz als Schlüssel in der Hitze

Die Spielweise Schottlands wird ebenfalls eine Rolle spielen. Das Spiel gegen Haiti war eine nervenaufreibende Angelegenheit, bei der beide Seiten regelmäßig den Ball verloren. Schottland hatte nur 46 Prozent Ballbesitz gegen den schwächsten Gegner der Gruppe. Auch gegen Marokko und Brasilien wird der Ballbesitzanteil ähnlich niedrig sein, doch in Hitze und Luftfeuchtigkeit ist die Sorgfalt im Umgang mit dem Ball oberstes Gebot.

Graeme Souness, der Schottland bei der WM 1982 in der Hitze von Sevilla gegen Brasilien als Kapitän anführte, sagte der BBC: „Das Problem bei Hitze ist: Wenn du ständig den Ball verlierst, wird dich früher oder später jemand bestrafen. Und ich hatte das Gefühl, dass wir in der zweiten Halbzeit [gegen Haiti], als wir die Führung hielten, besser darin sein sollten. Gib den Ball nicht her. Gute Spieler tun das nicht.“

Der ehemalige schottische Stürmer Stuart McCall glaubt, dass Clarke möglicherweise einen seiner Stürmer opfern wird, um das Mittelfeld zu verstärken und mehr Kontrolle zu erlangen. „Ich könnte mir vorstellen, dass sie Lawrence Shankland rausnehmen und einen weiteren Mittelfeldspieler bringen“, sagte er BBC Scotland. „Ob das Ryan Christie oder Kenny McLean ist, der sich neben Lewis Ferguson einreihen könnte, damit Scott McTominay etwas weiter vorne als Zehner spielen kann.“

Die Trinkpausen nach 22 Minuten jeder Halbzeit waren bisher ein viel diskutiertes Thema bei der WM. Schottland wird sie nutzen, um zu verschnaufen und neue Kräfte zu sammeln. Beim Klub-Weltcup im vergangenen Sommer in den USA ließen einige Teams wie Bayern München ihre Auswechselspieler sogar in der klimatisierten Kabine, anstatt sie auf der heißen Bank sitzen zu lassen. Die Bedingungen werden also nicht nur die Vorbereitung, sondern auch das Spiel selbst beeinflussen.

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