2030 im Visier: Zehn Teams auf dem Weg zur WM-Rückkehr

Kurzüberblick
Nach der ersten 48-Team-WM 2026 richten zehn traditionsreiche Nationen, die zuletzt fehlten, ihren Blick auf die WM 2030. Darunter ehemalige Champions und Finalisten, die ihre Qualifikationsprobleme überwinden wollen.
Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 war die bislang größte und inklusivste Ausgabe des Turniers – die erste mit 48 Teilnehmern. Dennoch mussten einige namhafte Nationen von der Ferne zusehen. Darunter befinden sich ehemalige Weltmeister und Finalisten sowie weitere Stammgäste des Turniers, die nun alles daran setzen werden, bei der WM 2030 wieder dabei zu sein. Die FIFA wirft einen Blick auf zehn Länder mit reicher WM-Tradition, die entschlossen sind, ihre jüngsten Rückschläge abzuschütteln und so schnell wie möglich auf die größte Bühne des Fußballs zurückzukehren.
Europäische Schwergewichte mit jüngsten Qualifikationsproblemen
Italien: Vierfacher Weltmeister in der Krise
Die Azzurri liegen mit vier Titeln gemeinsam an zweiter Stelle der ewigen WM-Rangliste, haben aber bemerkenswerterweise die letzten drei Turniere verpasst – eine beispiellose Serie für eine Nation, die an 18 der 20 vorherigen Ausgaben teilgenommen hatte. Obwohl Italien in der Qualifikation für die WM 2026 hinter Norwegen landete, war man zuversichtlich, sich über die Play-offs zu qualifizieren. Doch nach einem souveränen Halbfinaleinzug scheiterte die Mannschaft von Gennaro Gattuso im Finale der Play-offs im Elfmeterschießen an Bosnien und Herzegowina. Somit haben die Gastgeber von 1934 und 1990 seit dem Ausscheiden in der Gruppenphase 2014 nicht mehr am obersten Tisch des internationalen Fußballs gespeist. Die zweifachen Europameister wollen nun beweisen, dass sie aus dem unbestreitbaren individuellen Talent wieder eine geschlossene Mannschaft formen können, um ihre Qualifikationsprobleme endgültig zu überwinden.
Dänemark: Knapp an der Rückkehr vorbei
Die Dänen gaben ihr WM-Debüt erst 1986, sind seitdem aber relativ regelmäßig dabei – insgesamt sechsmal, mit einem Viertelfinaleinzug 1998. De Rød-Hvide waren nur einen Wimpernschlag von der Teilnahme an der WM 2026 entfernt: Zunächst vergaben sie die Chance auf die direkte Qualifikation durch eine Niederlage gegen Schottland im letzten Gruppenspiel (trotz eines Unentschiedens bis neun Minuten vor Schluss), dann scheiterten sie im Play-off-Finale im Elfmeterschießen an Tschechien. Dies kam erschwerend zum enttäuschenden Abschneiden bei der WM 2022 in Katar hinzu, wo die UEFA-Europameister von 1992 bereits in der Vorrunde ausschieden. Gelingt es Brian Riemer jedoch, aus einem hochkarätigen Kader – insbesondere in Drucksituationen – das Beste herauszuholen, stehen die Chancen auf eine sofortige Rückkehr auf die Weltbühne günstig.
Polen: Abschied von der Lewandowski-Ära?
Die Polen haben an neun Weltmeisterschaften teilgenommen und zweimal Bronze geholt (1974 und 1982). Die Orły erreichten vor vier Jahren erstmals seit 1986 wieder die K.o.-Runde, konnten diesen Erfolg jedoch nicht bestätigen. Auf dem Weg zur WM 2026 scheiterten sie im Play-off-Finale mit 2:3 an Schweden, nachdem sie in der Gruppe G hinter den Niederlanden den zweiten Platz belegt hatten. Mit Blick auf 2030 steht möglicherweise ein grundlegender Umbau an, denn die Ära von Superstar Robert Lewandowski neigt sich altersbedingt dem Ende zu (er wird 2026 38 Jahre alt). Das Land verfügt jedoch über vielversprechende Jahrgänge in mehreren Altersklassen, sodass sich eine Reihe von Kandidaten anbietet, nicht nur die großen Fußstapfen des Stürmers zu füllen, sondern auch auf anderen Positionen zu überzeugen.
Ungarn: Längste WM-Abstinenz aller Genannten
Die Magyaren sind historische WM-Größen mit neun Teilnahmen und zwei Finalteilnahmen. Doch seit ihrem letzten Auftritt 1986 sind die Silbermedaillengewinner von 1938 und 1954 derzeit in der längsten Abstinenz vom höchsten Niveau des Weltfußballs aller Teams auf dieser Liste. Besonders bitter war das Aus in der Qualifikation für 2026: Die Ungarn waren auf Play-off-Kurs, bevor sie am letzten Spieltag zu Hause gegen Irland eine dramatische Niederlage hinnehmen mussten. Dennoch können die Fans des Landes, das Größen wie Ferenc Puskás hervorbrachte, Mut aus den Auftritten bei Europameisterschaften schöpfen, wo die Mannschaft drei Turniere in Folge bestritt und sich behauptete. Die nächste Herausforderung besteht darin, diese Konstanz auch auf dem Weg zum größten Wettbewerb zu zeigen.
Rumänien: Hagi soll die Rückkehr einleiten
Die Tricolorii blicken auf sieben WM-Teilnahmen zurück, darunter ein unvergesslicher Viertelfinaleinzug 1994. Eine goldene Generation um Gheorghe Hagi, Gheorghe Popescu und Florin Răducioiu begeisterte damals die Fußballwelt. Seitdem war Rumänien jedoch nur noch einmal bei einer WM dabei (1998). Auf dem Weg zur WM 2026 belegte das Team den dritten Gruppenplatz, erhielt aber über die UEFA Nations League eine zweite Chance. Im Play-off-Halbfinale scheiterte es jedoch mit 0:1 in der Türkei. Trotz dieser Enttäuschung zeigen sich in den letzten Jahren positive Ansätze, und die Hoffnung ruht auf dem legendären Hagi, der zum zweiten Mal das Traineramt übernommen hat. Er soll die richtige Mischung aus Kadertiefe und Angriffskraft finden, um das Land zurück auf die große Bühne zu führen.
Afrikanische Giganten mit unerfülltem Potenzial
Nigeria: Riesiges Potenzial, aber fehlende Stabilität
Die Super Eagles erreichten bei sechs WM-Teilnahmen dreimal das Achtelfinale (1994, 1998, 2014), fehlten aber bei den letzten beiden Turnieren. Die dreifachen Afrikameister wurden in der CAF-Qualifikation für die WM 2026 Zweiter hinter Südafrika, was für die zweite Runde reichte. Nach einem 4:1-Sieg nach Verlängerung gegen Gabon scheiterte die Mannschaft von Eric Chelle im entscheidenden Spiel im Elfmeterschießen an der DR Kongo (1:1 n.V.). Dennoch ist das Potenzial angesichts der riesigen Fußballproduktion des Landes enorm. Die Qualifikation für 2030 wird daher weniger von der Fähigkeit als von der Stabilität einer robusten Struktur abhängen, die zuverlässige Leistungen ermöglicht.
Kamerun: Rückkehr zur alten Beständigkeit?
Kamerun gehört zu den erfahrensten afrikanischen Nationen bei Weltmeisterschaften – acht Teilnahmen sind ein CAF-Rekord. Die Löwen sind stolz darauf, 1990 als erstes afrikanisches Land das Viertelfinale erreicht zu haben. In der Qualifikation für die WM 2026 mussten sich die fünfmaligen Afrikameister in Gruppe D mit Platz zwei hinter Kap Verde begnügen und verloren im Play-off mit 0:1 gegen die DR Kongo. Dies war ein herber Rückschlag für ein Team, das nach dem verpassten Turnier 2018 mit der Teilnahme 2022 wieder auf Kurs zu sein schien. Mit der Jahrhundert-WM 2030 vor Augen wird Kamerun darauf brennen, die alte Zuverlässigkeit zurückzugewinnen. Wie beim Nachbarn Nigeria mangelt es nicht an Talent, doch die Mannschaft schwankt in letzter Zeit stark, was den Aufbau einer soliden Basis erschwert.
Südamerikanische Traditionsmannschaften im Umbruch
Chile: Neuanfang nach dem Tiefpunkt
Chile hat an neun Weltmeisterschaften teilgenommen und 1962 als Gastgeber Bronze geholt. Eine glanzvolle Generation um Alexis Sánchez, Arturo Vidal und Claudio Bravo erreichte 2010 und 2014 das Achtelfinale, doch seitdem ist das Team in der Versenkung verschwunden. Nicht nur verpasste Chile die letzten drei Turniere, sondern es belegte in der CONMEBOL-Qualifikation für die WM 2026 mit nur zwei Siegen aus 18 Spielen den letzten Platz. La Roja hofft, dass dies der Tiefpunkt war und ein Generationenwechsel dabei hilft, sich mit voller Wucht zurückzumelden und sich für die WM 2030 zu qualifizieren.
Peru: Offensive neu aufstellen
Peru erreichte bei fünf WM-Teilnahmen zweimal die Top Acht (Viertelfinale 1970, zweite Gruppenphase 1978). Die Rückkehr 2018 nach 36 Jahren Abstinenz wurde gefeiert, doch seitdem blieb man zweimal erfolglos. In der jüngsten Qualifikation landeten die Inkas mit nur zwei Siegen und sechs Toren in 18 Spielen auf Platz neun von zehn. Es überrascht nicht, dass die Verjüngung im Angriff eine der Prioritäten für die WM 2030 sein wird. Peru muss sich von mehreren langjährigen Stützen verabschieden, um wieder in der Offensive zu glänzen – ohne jedoch die kollektive Ausrichtung und defensive Organisation zu opfern, die den vorherigen Aufschwung prägten und seit jeher das Markenzeichen des Teams sind.
Nordamerika: Costa Rica will an alte Erfolge anknüpfen
Costa Rica: Neue Generation nach verpasster Chance
Die Mittelamerikaner waren seit ihrem beeindruckenden Debüt 1990 bei den meisten Weltmeisterschaften dabei. Der Höhepunkt war 2014, als sie ungeschlagen die Gruppe mit Uruguay, Italien und England gewannen, im Achtelfinale Griechenland im Elfmeterschießen besiegten und erst im Viertelfinale nach einem torlosen Unentschieden gegen die Niederlande im Elfmeterschießen ausschieden. Ironischerweise war es ein weiteres torloses Unentschieden – diesmal zu Hause gegen Honduras –, das den Costa-Ricanern in der finalen Runde der Concacaf-Qualifikation für die WM 2026 den Todesstoß versetzte. Mit sieben Punkten belegte man den dritten Gruppenplatz und verpasste sogar die interkontinentalen Play-offs. Los Ticos wollen nun eine neue Generation hervorbringen und ihrem Ruf als eine der führenden Kräfte der Region gerecht werden – schließlich waren sie bei fünf der letzten sieben Weltmeisterschaften dabei.
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