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Trump-Einmischung bei Roter Karte: Infantino bleibt unerschüttertGianni Infantino steht wegen der umstrittenen Aufhebung einer Roten Karte für US-Star Folarin Balogun in der Kritik. Trotz massiven Widerstands aus Europa und Vorwürfen politischer Einflussnahme durch Donald Trump gilt Infantinos Wiederwahl 2027 als sicher./images/de/2026/07/trump-einmischung-bei-roter-karte-infantino-bleibt-unerschuttert-db158318-800w.webpTrump-Einmischung bei Roter Karte: Infantino bleibt unerschüttert

Trump-Einmischung bei Roter Karte: Infantino bleibt unerschüttert

Aktualisiert 6 min read
Gianni Infantino im Anzug vor Fifa-Logo, daneben US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz — latest news and analysis.

Kurzüberblick

Gianni Infantino steht wegen der umstrittenen Aufhebung einer Roten Karte für US-Star Folarin Balogun in der Kritik. Trotz massiven Widerstands aus Europa und Vorwürfen politischer Einflussnahme durch Donald Trump gilt Infantinos Wiederwahl 2027 als sicher.

Gianni Infantino ist seit zehn Jahren Präsident des Weltfußballverbands Fifa. Im kommenden Jahr steht er zur Wiederwahl. Seine Amtszeit war geprägt von Kontroversen: vom Fifa-Friedenspreis über die massiv erhöhten Ticketpreise bei der Weltmeisterschaft bis hin zur Einführung der Klub-Weltmeisterschaft. Doch die beispiellose Entscheidung, die Rote Karte von Folarin Balogun für das Achtelfinale der USA gegen Belgien aufzuheben, könnte der Wendepunkt sein – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung.

Der Fall Balogun: Ein Präzedenzfall ohne Regeln

Balogun, der Star der US-amerikanischen Mannschaft, die das Turnier gemeinsam mit Kanada und Mexiko ausrichtet, hat bisher drei Tore erzielt. Nach seiner Roten Karte im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina hätte er gemäß den Fifa-Regeln, die keine Berufung gegen Platzverweise vorsehen, für das Achtelfinale gesperrt sein müssen. Doch die Fifa hob die Sperre auf – ohne zunächst eine Begründung zu liefern. Erst mehr als 24 Stunden später veröffentlichte der Verband eine 871 Wörter umfassende Stellungnahme, die kaum Aufschluss über die Beweggründe gab.

Die Aufklärung kam von unerwarteter Seite: US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe Infantino persönlich um eine Überprüfung des Falls gebeten. „Ich bin derjenige, der sie dazu gebracht hat“, sagte Trump. Er habe Infantino nicht aufgefordert, die Sperre aufzuheben, sondern lediglich um eine Prüfung gebeten. Dennoch wirft die Einmischung des US-Präsidenten Fragen auf.

Infantino wies jegliche Vorwürfe politischer Einflussnahme zurück und betonte, die Disziplinarkommission sei unabhängig. Doch die Wahrnehmung zählt ebenso wie die Fakten. Die Entscheidung kam nicht irgendeinem Team zugute, sondern dem Co-Gastgeber, angeführt von einem Präsidenten, der Infantino als seinen Freund bezeichnet und mehrfach öffentlich an seiner Seite stand. Die Aufhebung der Sperre wirkte wie eine Begnadigung durch den Präsidenten.

„Das ist unser Sport, nicht ihrer“, sagte der ehemalige Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. „Wenn Donald Trump und Gianni Infantino das wirklich unter sich ausgemacht haben, ist das Wahnsinn; es stellt alles infrage.“

Fifas Regeln zur politischen Neutralität: Gelten sie für Infantino?

Die Fifa-Statuten verbieten politische Einmischung im Fußball klar. Länder werden regelmäßig vom internationalen Spielbetrieb suspendiert, wenn sich ihre Regierungen in nationale Fußballverbände einmischen. Pakistan beispielsweise wurde innerhalb von acht Jahren dreimal suspendiert. Doch im Fall von Infantino und Trump scheinen andere Maßstäbe zu gelten.

Bereits bei der Auslosung der Weltmeisterschaft, bei der Trump mit dem erstmals verliehenen Fifa-Friedenspreis ausgezeichnet wurde, zeigte sich die enge Beziehung zwischen den beiden. Infantino sagte damals zu Trump: „Sie können, Herr Präsident, stets auf meine Unterstützung zählen, auf die Unterstützung der gesamten Fußballgemeinschaft, um Frieden zu stiften und die Welt gedeihen zu lassen.“ Die Menschenrechtsorganisation FairSquare reichte im Dezember eine Beschwerde beim Fifa-Ethikkomitee ein, weil Infantino mit der Preisverleihung gegen die Neutralitätsregeln verstoßen habe. Nachdem keine Reaktion erfolgte, forderten 50 EU-Abgeordnete im Januar erneut Maßnahmen – ebenfalls ohne Antwort.

Während des Turniers war Trump bei keinem einzigen WM-Spiel zu Gast, doch er eignete sich Baloguns Fall öffentlich an. Es war ein weiteres Beispiel dafür, dass nicht der Fußball spricht, sondern die Politik.

Kontroversen unter der Oberfläche: Vom Schiedsrichter bis zur WM-Vergabe

Der Fall Balogun reiht sich ein in eine Serie von Vorfällen, die Infantinos Amtszeit prägen. Bereits im Vorfeld der WM war der somalische Schiedsrichter Omar Artan von US-Einwanderungsbehörden abgewiesen worden. Infantino, der seit über drei Jahren keine Pressekonferenz gegeben hatte, reagierte auf Nachfragen mit den Worten: „Einfach mal chillen, entspannen.“

Hinzu kommen undurchsichtige Entscheidungen wie die kurzfristige Änderung der Anstoßzeit für das Achtelfinale England gegen Mexiko, die nach fünf Stunden wieder rückgängig gemacht wurde – begleitet von dem Versuch, den Vorgang zu vertuschen. Der Balogun-Fall folgt demselben Muster: eine Entscheidung ohne Begründung, die der Fußballwelt einfach mitgeteilt wird.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Vergabe der Weltmeisterschaften 2030 und 2034. Die WM 2030 wird auf drei Kontinenten (Afrika, Europa, Südamerika) ausgetragen, was die Vergabe für 2034 faktisch an Asien oder Ozeanien band. Ohne ernsthafte Konkurrenz erhielt Saudi-Arabien den Zuschlag – ein Land, dessen Menschenrechtsbilanz ähnlich umstritten ist wie die Katars. Der norwegische Fußballverband enthielt sich der Stimme und kritisierte, das Verfahren untergrabe „Fifas Reformen für eine gute Regierungsführung“ und stelle „das Vertrauen in die Fifa“ infrage.

Die neu geschaffene Klub-Weltmeisterschaft, ein im Sommer stattfindendes Turnier, das viele Vereine nicht wollen, stößt ebenfalls auf Widerstand. Sergio Marchi, Präsident der Spielergewerkschaft Fifpro, kritisierte, das Turnier sei „ohne Dialog, Sensibilität und Respekt“ geschaffen worden.

Selbst Infantinos Vorgänger Sepp Blatter, der nach einem Korruptionsskandal zurücktreten musste, meldete sich zu Wort: „Fußball darf niemals zum Spielplatz politischer Macht werden“, schrieb Blatter auf X.

Uefa vs. Fifa: Ein offener Machtkampf?

Die Europäische Fußball-Union Uefa hat sich deutlich positioniert. Sie bezeichnete die Balogun-Entscheidung als „beispiellos, unverständlich und ungerechtfertigt“ und warf der Fifa vor, eine „rote Linie überschritten“ zu haben. Bereits im Mai 2025 führte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin eine Gruppe europäischer Delegierter an, die während einer Pause des Fifa-Kongresses aus Protest den Saal verließen. Infantino war damals zusammen mit Trump auf einer diplomatischen Reise im Nahen Osten und erschien zwei Stunden und 17 Minuten zu spät.

Die Uefa nutzt die WM zudem für politische Sticheleien: Sie lud den abgewiesenen Schiedsrichter Artan zum Uefa-Supercup ein und betont regelmäßig, wie günstig die Tickets für die EM 2028 im Vergleich zur WM seien. Auch auf Trinkpausen und Mundschutz-Regeln will die Uefa verzichten.

Infantino selbst stammt aus der Uefa, wo er jahrelang die Auslosungen der Champions League präsentierte. Heute ist er dort zwar nicht völlig persona non grata – er sprach im Februar auf dem Uefa-Kongress –, doch die Spannungen sind offensichtlich.

Warum Infantino trotz allem unangefochten bleibt

Angesichts der vielen Kontroversen scheint Infantinos Position gefährdet. Doch das Gegenteil ist der Fall. Infantino ist bei vielen Verbänden weltweit beliebt, vor allem wegen des Fifa-Forward-Programms, das Fußballprojekte in aller Welt finanziert. Die Aufstockung der WM auf 48 Teams hat 16 zusätzlichen Nationen die Chance auf eine Teilnahme gegeben – die meisten davon aus Verbänden mit geringerer Spielstärke. Europa erhielt nur drei der zusätzlichen Plätze.

Diese WM hat gezeigt, dass Verbände wie Asien und Concacaf noch viel Aufholbedarf haben, aber Infantino hat ihnen die Hoffnung gegeben, eines Tages dabei zu sein. Länder wie Kap Verde, Curaçao, Jordanien und Usbekistan konnten ihren Traum verwirklichen. Die Kehrseite: Turniere wie die WM und die hohen Ticketpreise finanzieren diese Projekte. In diesem Jahr rechnet die Fifa mit Einnahmen von 9 Milliarden US-Dollar (rund 7,9 Milliarden Euro).

Die Uefa mag vieles an Infantino und der Fifa kritisieren, aber der europäische Fußball ist reich und kann sich selbst finanzieren. Der Rest des Fußballs ist auf Infantino und das von der Fifa generierte Geld angewiesen.

Die Fifa hat 211 Mitgliedsverbände, jeder hat eine Stimme bei der Präsidentschaftswahl. 106 Stimmen sind für den Sieg nötig. Bereits im April sicherte sich Infantino die Unterstützung des südamerikanischen Verbands Conmebol (10 Stimmen), kurz darauf folgte der afrikanische Verband Caf (54 Stimmen) und der asiatische Verband AFC (47 Stimmen). Damit hat Infantino bereits 111 Stimmen sicher – er ist nicht zu schlagen. Selbst wenn die Uefa einen Kandidaten aufstellen wollte, das Rennen ist bereits gelaufen. Infantino wurde 2019 und 2023 ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Es bedürfte schon einer außergewöhnlichen Entwicklung, um ihn 2027 herauszufordern, geschweige denn zu besiegen.

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