FA prüft Einspruch nach Roter Karte für Quansah

Kurzüberblick
Der englische Fußballverband erwägt, gegen die Rote Karte für Jarell Quansah beim WM-Sieg über Mexiko Einspruch einzulegen. Hintergrund ist die umstrittene Aufhebung einer Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun durch die FIFA, die nun eine Welle von Protesten auslösen könnte.
Der englische Fußballverband (FA) prüft rechtliche Schritte, um die Rote Karte für Nationalverteidiger Jarell Quansah anzufechten. Der 21-Jährige war beim 3:2-Sieg Englands gegen Mexiko im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in der 54. Minute des Feldes verwiesen worden. Schiedsrichter zeigte ihm wegen eines hohen Einsatzes gegen Jesús Gallardo die Rote Karte – eine Entscheidung, die als „schweres Foulspiel“ eingestuft wurde und automatisch eine Sperre von zwei Spielen nach sich ziehen könnte.
FIFA sorgt mit Präzedenzfall für Wirbel
Die Überlegungen der FA werden durch einen brisanten Präzedenzfall befeuert: Die FIFA hatte zuvor die Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun aufgehoben – auf Intervention von US-Präsident Donald Trump. Trump hatte den Weltverband gebeten, die Sperre des 25-Jährigen zu überprüfen, nachdem Balogun im Achtelfinale gegen Bosnien-Herzegowina wegen eines Fouls an Tarik Muharemovic vom Platz gestellt worden war. Eigentlich hätte Balogun das Viertelfinale gegen Belgien verpasst, doch die FIFA entschied überraschend, die automatische Ein-Spiel-Sperre für zwölf Monate auszusetzen.
Diese Entscheidung stieß international auf scharfe Kritik – unter anderem von der UEFA, dem belgischen Verband und Englands Trainer Thomas Tuchel. Die Weltmeisterschaft sieht eigentlich keine Einspruchsmöglichkeit gegen Rote Karten vor. Die FIFA berief sich jedoch auf Artikel 27 ihrer Statuten, der dem Verband weitreichende Ermessensspielräume einräumt. Dieser Paragraf wurde bei einer WM zuvor noch nie angewandt. Kritiker bemängeln, dass die Klausel der FIFA faktisch erlaube, Entscheidungen ohne konkrete Kriterien zu treffen.
Welle möglicher Proteste rollt an
Der Fall Balogun könnte nun eine Lawine von Einspruchsverfahren lostreten. Laut einem Bericht des „Athletic“ legt bereits Frankreich Einspruch gegen die Gelbe Karte für Michael Olise im Spiel gegen Paraguay ein. Die BBC hat den französischen Verband um Stellungnahme gebeten. Die US-Behörden hatten argumentiert, Baloguns Platzverweis sei unfair gewesen, da keine Absicht vorgelegen habe. Allerdings wurde das Kriterium der Absicht vor Jahren aus den Fußballregeln gestrichen; seither zählt nur die Härte des Fouls selbst. Baloguns Rote Karte wurde nicht annulliert – das lassen die FIFA-Regeln nicht zu. Stattdessen erhielt der Stürmer, der bei diesem Turnier drei Tore für die Co-Gastgeber erzielte, faktisch eine Art „Sühnestrafe“ gegen Bosnien.
Während Baloguns Foul als unglücklich, aber nicht böswillig galt, wird Quansahs Situation anders beurteilt. Der Leverkusener Verteidiger rutschte in den Zweikampf, traf Gallardo aber mit gestrecktem Bein und hohem Tempo. Beide Fälle ähneln sich jedoch darin, dass die Spieler für unbeabsichtigte, aber gefährliche Aktionen vom Platz gestellt wurden.
Tuchels Personalsorgen auf der rechten Abwehrseite
Eine mögliche Sperre für Quansah würde die ohnehin angespannte Personallage auf der rechten Abwehrseite Englands weiter verschärfen. Trainer Thomas Tuchel hat in diesem Turnier bereits sechs verschiedene Spieler auf dieser Position eingesetzt: Reece James, Djed Spence, Ezri Konsa, John Stones, Quansah und Mittelfeldspieler Declan Rice. James, die etatmäßige Nummer eins, fällt seit dem zweiten Gruppenspiel gegen Ghana mit einer Oberschenkelverletzung aus und verpasste die Partien gegen Panama, die DR Kongo und Mexiko. Quansah selbst hatte sich im Spiel gegen Panama eine Verletzung zugezogen, war aber rechtzeitig für die Partie gegen Mexiko genesen.
England trifft am Samstag im Viertelfinale in Miami auf Norwegen. Sollte Quansah gesperrt werden, müsste Tuchel erneut improvisieren – ein Szenario, das die FA durch einen möglichen Einspruch zu verhindern hofft.
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