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Späte Tore, Aufholjagden und Überraschungen – Ist die rekordverdächtige WM die beste aller Zeiten?Die WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA begeistert mit 2,92 Toren pro Spiel, späten Entscheidungen und packenden Comebacks. Trotz Kontroversen um Kosten und Schiedsrichterleistungen könnte sie als beste WM in die Geschichte eingehen./images/de/2026/07/spate-tore-aufholjagden-und-uberraschungen-ist-die-rekordverdachtige-wm-die-best-dd958476-800w.webpSpäte Tore, Aufholjagden und Überraschungen – Ist die rekordverdächtige WM die beste aller Zeiten?

Späte Tore, Aufholjagden und Überraschungen – Ist die rekordverdächtige WM die beste aller Zeiten?

Aktualisiert 5 min read
Fußballstadion mit jubelnden Fans und Spielern auf dem Rasen, die ein Tor feiern, im Hintergrund die Skyline einer nordamerikanischen Stadt.

Kurzüberblick

Die WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA begeistert mit 2,92 Toren pro Spiel, späten Entscheidungen und packenden Comebacks. Trotz Kontroversen um Kosten und Schiedsrichterleistungen könnte sie als beste WM in die Geschichte eingehen.

Großartige Tore, atemberaubende Aufholjagden, späte Dramatik und überraschende Ergebnisse – diese Weltmeisterschaft hat bisher alles geboten, was sich Fußballfans wünschen. Mit dem Beginn der Viertelfinalspiele am Donnerstag stehen noch acht Begegnungen in diesem sommerlichen Fußballfest an.

Erstmals mit 48 Nationen und ausgetragen in drei Ländern, ist die WM in Kanada, Mexiko und den USA zweifellos die größte der 23 ausgetragenen Turniere. Doch war sie auch die beste? Natürlich ist dies subjektiv und hängt von persönlichen Erinnerungen oder dem Abschneiden des eigenen Landes ab. Dennoch deuten die Statistiken darauf hin, dass dieses Turnier auf dem Platz zumindest sehr gut abschneidet.

Rekordverdächtige Torausbeute und offensiver Fußball

In 96 von 104 Spielen fielen bisher 280 Tore – ein Durchschnitt von 2,92 Treffern pro Partie. Das ist der beste Wert seit der WM 1970 in Mexiko, als in 32 Spielen 95 Tore erzielt wurden (2,97 pro Spiel). Zum Vergleich: Bei der WM 2022 in Katar lag der Schnitt bei 2,69, 2018 in Russland bei 2,64, 2014 in Brasilien bei 2,67 und 2010 in Südafrika bei 2,27. Das torreichste Spiel war der 7:1-Sieg Deutschlands über Curaçao, aber auch in sieben weiteren Partien fielen sechs Tore, in 13 weiteren fünf.

Ein weiteres Zeichen für offensiven Fußball: 74,6 % der Tore wurden aus dem Spiel heraus erzielt – einer der höchsten Werte in der WM-Geschichte. Nur 5 % der Treffer fielen per Elfmeter, der niedrigste Anteil seit Aufzeichnungsbeginn.

Späte Entscheidungen und dramatische Comebacks

Die Anzahl später Tore macht das Turnier besonders spannend. Von 24 K.o.-Spielen endeten acht mit einem Siegtreffer nach der 85. Minute. Argentinien brauchte gegen den Außenseiter Kap Verde die Verlängerung, und vier Partien gingen ins Elfmeterschießen. Enzo Fernández' Siegtreffer gegen Ägypten war bereits das zehnte Siegtor in der 90. Minute – ein neuer WM-Rekord.

Allein im Juli gab es mindestens drei WM-Klassiker: Belgien, Argentinien und England gewannen jeweils mit 3:2 gegen Senegal, Ägypten und Mexiko. Belgien und Argentinien drehten dabei einen Zwei-Tore-Rückstand – das erste Mal seit 1970, dass ein solcher Rückstand mehr als einmal in einem Turnier aufgeholt wurde. Englands Sieg gelang trotz einer 40-minütigen Unterzahl nach der Roten Karte für Jarell Quansah, in einer intensiven Atmosphäre im legendären Aztekenstadion in Mexiko-Stadt.

Allerdings gab es auch acht torlose Unentschieden – ein WM-Rekord. Ob dies negativ ist oder ein Zeichen für Ausgeglichenheit, bleibt Ansichtssache.

Volle Stadien und Stars in Bestform

Die Befürchtungen vor leeren Rängen aufgrund hoher Ticketpreise und weiter Anreisen haben sich nicht bewahrheitet. Die FIFA, für die hohen Preise stark kritisiert, meldet eine Auslastung von 99,7 % der verfügbaren Plätze. Über 4,4 Millionen Menschen besuchten die Gruppenspiele, nach den ersten beiden K.o.-Runden waren es bereits 6,2 Millionen. Der Durchschnitt liegt bei knapp über 65.000 Zuschauern pro Spiel – nur die WM 1994 in den USA hatte mit knapp 69.000 einen höheren Wert.

Auch die Stars liefern ab. Der Kampf um den Goldenen Schuh ist einer der spannendsten der Geschichte: Lionel Messi (Argentinien) führt mit acht Toren, gefolgt von Kylian Mbappé (Frankreich) und Erling Haaland (Norwegen) mit je sieben Treffern sowie Harry Kane (England) mit sechs. Erstmals in der WM-Geschichte haben drei Spieler sieben oder mehr Tore im selben Turnier erzielt.

Außenseiter als Highlights

Trotz der Aufstockung auf 48 Teams gab es nur wenige einseitige Spiele. Die Außenseiter lieferten einige der besten Geschichten: Curaçao, die kleinste Nation, die je an einer WM teilnahm, holte nach dem 1:7 gegen Deutschland ein Unentschieden gegen Ecuador. Katar verlor zwar 0:6 gegen Kanada, erkämpfte sich aber ein 1:1 gegen den Viertelfinalisten Schweiz. Kap Verde mit dem 40-jährigen Torhüter Vozinha sorgte für eine der größten Überraschungen der WM-Geschichte: Nach Unentschieden gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien erreichten sie die Runde der letzten 32, wo sie dem Titelverteidiger Argentinien einen großen Schrecken einjagten und erst in der Verlängerung mit 2:3 unterlagen.

Kontroversen und Kritik

Trotz der positiven Aspekte gab es auch erhebliche Kontroversen. Die Kosten für Tickets, Hotels und Transport belasteten die Fans wie nie zuvor. Trinkpausen in jeder Halbzeit wurden bei extremen Bedingungen akzeptiert, aber bei Regen oder in klimatisierten Stadien mit geschlossenem Dach ausgebuht. Das aufgeblähte Turnier ist für viele zu lang: Vom 11. Juni bis zum Finale am 19. Juli wird an fast jedem Tag gespielt. Die Schiedsrichterleistungen wurden hinterfragt, ebenso die Belastung der Spieler durch zusätzliche Spiele und Reisen. Die Premier League beginnt bereits am 21. August, nur einen Monat und zwei Tage nach dem Finale.

Das Format führte zudem dazu, dass in der Gruppenphase nur 16 der 48 Teams ausschieden, was die Spannung minderte. Am besorgniserregendsten war jedoch ein Vorfall, der den Fair-Play-Gedanken infrage stellte: Der amerikanische Stürmer Folarin Balogun wurde im Achtelfinale gegen Bosnien-Herzegowina des Feldes verwiesen. US-Präsident Donald Trump bestätigte, dass er FIFA-Präsident Gianni Infantino anrief, um über die Sperre zu sprechen. Balogun durfte daraufhin im Achtelfinale gegen Belgien (1:4) spielen, da die FIFA die Sperre unter Berufung auf Artikel 27 des Disziplinarrechts für ein Jahr zur Bewährung aussetzte. Von 189 Roten Karten in der WM-Geschichte mussten nur zwei Spieler keine Sperre verbüßen – Balogun ist der erste seit 1962, als der Brasilianer Garrincha aufgrund fehlender automatischer Sperren und politischer Einflussnahme verschont blieb. Die UEFA, Belgien und Englands Trainer Thomas Tuchel kritisierten die Entscheidung scharf; die belgischen Spieler sahen darin zusätzliche Motivation.

Ausblick: Ein würdiger Abschluss?

Insgesamt kann die FIFA das Turnier als großen Erfolg verbuchen: spannende Spiele, volle Stadien und begeisterte Fans aus aller Welt. In den verbleibenden zehn Tagen ist mit weiteren Höhepunkten zu rechnen, trotz hoher Kosten und des Ausscheidens aller drei Gastgeber. Wie eine WM langfristig wahrgenommen wird, hängt jedoch stark von den letzten Partien ab. Schlechte Finals überschatteten die Brillanz der Turniere von 1990 und 1994, während ein sensationelles Finale in Katar vor vier Jahren die Wahrnehmung der gesamten WM verbesserte. Mit den vier besten Nationen der Weltrangliste – Argentinien, Spanien, Frankreich und England – in verschiedenen Viertelfinals könnten atemberaubende Begegnungen dieses Turnier zur besten WM aller Zeiten machen. Eines ist sicher: Es wird mitreißend sein.

Die Statistiken in diesem Artikel wurden von BBC Sports Mohamed Moallim bereitgestellt.

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