Bruderduell bei der WM: Geschwister im Trikot verschiedener Nationen

Kurzüberblick
Bei der Weltmeisterschaft stehen mehrere Brüderpaare vor der besonderen Herausforderung, gegeneinander anzutreten. Vier Geschwisterpaare spielen für unterschiedliche Nationalmannschaften, darunter die Doué-Brüder aus Frankreich und der Elfenbeinküste.
Es ist die ultimative Zerreißprobe für jedes Elternteil: Zwei Söhne, die in einem Spiel auf gegenüberliegenden Seiten stehen. Für wen soll man die Daumen drücken? Doch dies ist kein Kick im Park oder ein Schulspiel – es geht um die Weltmeisterschaft.
In diesem Turnier gibt es gleich vier Brüderpaare, die für verschiedene Nationen auflaufen. Das bekannteste Duo sind Désiré und Guela Doué, die sich diesen Sommer sogar direkt gegenüberstehen könnten. Die Brüder wurden in der französischen Stadt Angers als Söhne einer französischen Mutter und eines ivorischen Vaters geboren. Während der 21-jährige Désiré, zweifacher Champions-League-Sieger mit Paris Saint-Germain, für Frankreich spielt, trägt der 23-jährige Außenverteidiger Guela das Trikot der Elfenbeinküste und steht beim RC Strasbourg unter Vertrag.
„Wir erzählen uns alles und haben keine Geheimnisse“, sagte Désiré dem französischen Fußballmagazin Telefoot über die Beziehung zu seinem älteren Bruder. „Er ist eine riesige Stütze in meinem Alltag.“ Doch könnte diese enge Bindung in den USA auf die Probe gestellt werden? Sollte Frankreich als Zweiter der Gruppe I und die Elfenbeinküste als Zweiter der Gruppe E abschließen, treffen die Brüder am 30. Juni im Achtelfinale in Arlington, Texas, aufeinander.
Bereits in einem Freundschaftsspiel vor der WM am 4. Juni, das die Elfenbeinküste mit 2:1 gewann, sang Guela vor dem Anpfiff beide Nationalhymnen. Désiré, der fünf Tage zuvor mit PSG die Champions League gewonnen hatte, saß damals auf der Bank. „Schade, dass ich nicht gegen meinen Bruder spielen konnte – es war unser erstes Frankreich-Elfenbeinküste-Spiel –, aber ich bin glücklich, und er ist nicht allzu sauer“, sagte Guela nach der Partie.
Historische Bruderduelle bei Weltmeisterschaften
Bislang gab es erst einen Fall, bei dem Brüder bei einer WM gegeneinander antraten – und das gleich in zwei aufeinanderfolgenden Turnieren. 2010 standen sich in Johannesburg Jérôme Boateng (Deutschland) und sein älterer Halbbruder Kevin-Prince Boateng (Ghana) gegenüber; Deutschland gewann 1:0. Vier Jahre später in Brasilien trennten sich die beiden Teams in der Gruppenphase 2:2. Désiré und Guela Doué könnten die nächsten sein, die dieses seltene Schauspiel bieten.
Weitere Brüderpaare bei der WM
Die Williams-Brüder: Spanien gegen Ghana
Die Brüder Iñaki und Nico Williams wurden beide im Baskenland geboren und spielen gemeinsam für Athletic Bilbao. Doch in der Nationalmannschaft trennen sich ihre Wege: Der 23-jährige Nico wurde vor zwei Jahren zum Spieler des Spiels gekürt, als Spanien England im EM-Finale besiegte. Sein älterer Bruder Iñaki (32) hingegen läuft für Ghana auf.
Souttar-Brüder: Australien und Schottland
Australien hat den in Aberdeen geborenen Innenverteidiger Harry Souttar (27) im Kader, dessen Bruder John (29) ebenfalls bei der WM dabei ist – für Schottland. Ihre Mutter Heather ist Australierin; Harry spielte in der Jugend für Schottland, wechselte aber 2019 die Nationalität. John debütierte mit 16 für Dundee United und mit 21 für Schottland. Harry führte Australien als Kapitän zum 2:0-Auftaktsieg gegen die Türkei.
Luckassen und Brobbey: Halbbrüder für Ghana und die Niederlande
Der in den Niederlanden geborene Verteidiger Derrick Luckassen (30) steht für Ghana im Aufgebot, während sein Halbbruder Brian Brobbey (24) für die Niederlande spielt. Die beiden teilen sich die Mutter, haben aber verschiedene Väter. Brobbey, Stürmer von Sunderland, wurde im ersten Gruppenspiel der Niederlande gegen Japan (2:2) eingewechselt.
Brüder im selben Team: Drei weitere Paare
Neben den vier Brüderpaaren, die für verschiedene Länder spielen, gibt es drei weitere Geschwisterpaare, die gemeinsam für eine Nation antreten.
Duarte-Brüder: Kapverdische Debütanten
Laros Duarte (29) stand für Kap Verde gegen Spanien am 17. Juni in der Startelf und wurde in der 61. Minute von seinem jüngeren Bruder Deroy (26) abgelöst. Die in Rotterdam geborenen Geschwister halfen den „Blauen Haien“ zu einem überraschenden 0:0 gegen den Weltmeister von 2010. „Wir haben unsere Eltern weinen sehen“, sagte Laros nach dem Spiel. „Das Gefühl ist schwer zu beschreiben – es ist etwas, wovon man träumt.“
Bacuna-Brüder: Curaçao gegen Deutschland
Curaçao ist der flächen- und bevölkerungsmäßig kleinste Staat, der je an einer WM teilgenommen hat. Gegen Deutschland am 14. Juni hofften sie kurzzeitig auf eine Sensation, nachdem sie den Ausgleich erzielt hatten, bevor sie sich mit 1:7 geschlagen geben mussten. Im Team standen die Bacuna-Brüder: der frühere Aston-Villa-Mittelfeldspieler Leandro (34) und Juninho (28), einst für Birmingham City und Rangers aktiv. „Es ist etwas, das wir uns immer gewünscht haben – als Kinder träumten wir davon, gemeinsam auf dem Platz zu stehen“, sagte Juninho.
Hernández-Brüder: Frankreichs Doppelpack
Frankreich, eine der Top-Nationen des Turniers, hat Lucas (30) und Théo Hernández (28) im Kader. Lucas spielt für Paris Saint-Germain, Théo für Al-Hilal. „Sie haben diese familiäre Bindung“, sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps, als die Brüder 2021 erstmals gemeinsam für Les Bleus aufliefen. „Das bedeutet nicht, dass sich etwas ändert, aber ich habe es mit zwei Spielern zu tun, die diese Verbindung haben.“
Mehr zu diesen Themen

Xavi Espart: „Ich spüre Flicks Vertrauen und will im ersten Team bleiben“
Xavi Espart spricht über seine Zukunft beim FC Barcelona. Der junge Verteidiger fühlt das Vertrauen von Trainer Hansi Flick und möchte sich im ersten Team etablieren. Sein Ziel: ein „anderer“ Außenverteidiger zu werden.

Real Oviedo einigt sich mit Sampdoria über Pedrola-Transfer
Real Oviedo hat sich mit Sampdoria auf den Transfer von Estanis Pedrola geeinigt. Der spanische Flügelspieler wird am Montag den Medizincheck absolvieren und anschließend einen Vierjahresvertrag unterschreiben.

De Zerbi über Mudryk: „Er ist mein Sohn!“
Roberto de Zerbi äußert sich liebevoll über seinen ehemaligen Schützling Mykhaylo Mudryk. Der Trainer nennt den Flügelstürmer „einen coolen Typen“ und hofft, dass er in der kommenden Saison zeigen kann, was er in den letzten beiden Jahren durchgemacht hat.

Xabi Alonso: „Wir sind glücklich für Mudryk und wollen ihn im Kader“
Leverkusens Trainer Xabi Alonso äußert sich unterstützend zu Mykhailo Mudryk nach dessen Doping-Sperre. Er betont, dass der Klub hinter dem Spieler steht und ihn weiterhin im Kader sehen möchte, während die genauen Umstände noch unklar sind.



