Rodris Sternstunde: Weltmeister-Titel krönt seine Karriere

Kurzüberblick
Rodri führte Spanien zum ersten WM-Titel seit 2010 und wurde zum Spieler des Turniers gekürt. Der 30-Jährige reiht sich damit in den exklusiven Kreis der Spieler ein, die Weltmeisterschaft, Europameisterschaft, Champions League und Ballon d'Or gewonnen haben.
Als Spaniens Kapitän Rodri den WM-Pokal hoch in den Himmel von New Jersey stemmte, fügte er seiner ohnehin glanzvollen Trophäensammlung ein weiteres prestigeträchtiges Stück hinzu. Der Mittelfeldspieler von Manchester City, der bereits einen Ballon d'Or, einen Europameistertitel, einen Nations-League-Sieg, vier englische Meisterschaften, eine Champions League und zahlreiche nationale Erfolge vorweisen kann, krönte seine Karriere nun mit dem größten Preis des Weltfußballs.
Der 30-jährige Spanier führte sein Team am Sonntag im WM-Finale in New Jersey zu einem 1:0-Sieg gegen Argentinien und sicherte Spanien den ersten Weltmeistertitel seit 2010. Damit stickte er den zweiten Stern auf das Nationaltrikot. Zudem wurde er als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.
Rodri ist erst der vierte männliche Spieler, der die Weltmeisterschaft, die Europameisterschaft, die Champions League und den Ballon d'Or gewinnen konnte. Er reiht sich damit in den exklusiven Kreis der Legenden Gerd Müller, Franz Beckenbauer und Zinédine Zidane ein.
Der Weg zurück nach dem Kreuzbandriss
Noch vor wenigen Jahren schien dieser Erfolg für Rodri unerreichbar. Nach einem Kreuzbandriss im Jahr 2024 stellten sich viele die Frage, ob er jemals wieder an die Höchstleistungen anknüpfen könnte, die ihn 2023 mit City zum Triple und ein Jahr später mit Spanien zum EM-Titel geführt hatten. Eine derart schwere Verletzung benötigt Zeit zur Heilung, und in der vergangenen Saison war Rodri nur in Ansätzen in alter Form zu sehen.
Doch der Spanier bewies Geduld und wartete auf die vollständige Rückkehr zur Fitness, um pünktlich zur Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko in Topform zu sein. „Ich habe einen logischen Prozess durchgemacht, den jeder Fußballer nach einer solchen Verletzung durchlaufen muss“, sagte Rodri nach dem Triumph. „Es dauert ein Jahr, um wieder das beste Fitnessniveau zu erreichen, und dann noch ein weiteres, um sich wieder wie der Spieler zu fühlen, der man war. Man muss geduldig sein und an sich glauben.“
Ein offenes Gespräch mit seinem damaligen Trainer Pep Guardiola, in dem Rodri erklärte, dass er eine Pause brauche, um seinen Körper für die WM fit zu machen, veränderte den Verlauf seiner Genesung. Guardiola hatte bereits im Oktober des Vorjahres vorausgesagt, dass man Rodri erst bei der Weltmeisterschaft in Bestform sehen würde – eine Prognose, die sich als richtig erwies.
Rodri als Dirigent der spanischen Mannschaft
Während der 19-jährige Lamine Yamal für die Kreativität und den Glanz im spanischen Team sorgt, ist Rodri der heimliche Regisseur. Seine Rolle im Mittelfeld mag oft unter dem Radar bleiben, doch er ist es, der alles zusammenhält. Während des gesamten WM-Turniers absolvierte er 756 Pässe – die meisten in einem einzigen Turnier seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1966.
Rodri kam in allen acht Spielen Spaniens auf dem Weg zum Titel zum Einsatz und führte die Statistiken in Ballkontakten (910), Pässen in der gegnerischen Hälfte (428), Linien durchbrechenden Pässen (122) – darunter 76 im letzten Drittel – an. Es gibt nur drei Fälle seit 1966, in denen ein Spieler in einem WM-Finale mehr als 100 Pässe gespielt hat: Brasiliens Dunga 1994 (130), Verteidiger Pau Cubarsi (121) und Rodri (101) – beide in diesem Turnier.
„Rodri war absolut herausragend“, sagte der spanische Fußballjournalist Guillem Balague. „Er ist nicht nur der Spieler, der im gesamten Turnier und pro Spiel die meisten Kilometer gelaufen ist, sondern auch die Anzahl der Pässe, mit denen er Gegner überspielt. Er ist in seiner besten Form, auf Ballon-d'Or-Niveau. Das ist Rodris Mannschaft.“
Zukunft ungewiss: Real Madrid als Option?
Ein zweiter Ballon d'Or scheint nicht außer Reichweite, auch wenn Rodri aufgrund seiner reduzierten Einsätze im Verein vielleicht nicht der Favorit für die individuelle Auszeichnung in einem starken Feld ist. Derzeit wird Rodri mit einem Wechsel zu Real Madrid in Verbindung gebracht, wo der zurückkehrende Trainer José Mourinho angeblich großes Interesse an der Ruhe, Defensivstärke und Ballkontrolle des ehemaligen Spielers von Atlético Madrid und Villarreal hat.
Citys neuer Trainer Enzo Maresca wird Rodri wohl kaum ziehen lassen wollen, doch mit nur noch einem Jahr Vertragslaufzeit herrscht naturgemäß Unsicherheit. Eines ist sicher: Rodris Leistungen bei dieser WM haben ihn zu einem begehrten Spieler gemacht – einen, den City sicher nicht abgeben möchte, der aber auch einen Spitzenpreis erzielen würde, sollte es dazu kommen.
Rodri selbst blickt optimistisch in die Zukunft: „Ich möchte, dass die neuen Generationen mein Beispiel als Chance sehen. Wenn man fällt, kann man wieder aufstehen. Das ist meine Philosophie für mein ganzes Leben. Natürlich laufen manchmal Dinge gut, manchmal schief, aber immer mit Positivität.“
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