Kane: England fehlt das letzte Puzzlestück

Kurzüberblick
Kapitän Harry Kane räumt ein, dass England nach der Halbfinalniederlage gegen Argentinien bei der WM 2026 weiterhin das entscheidende Puzzlestück fehlt. Die Three Lions gingen in Führung, verloren aber 2:1, was Kritik an einer zu defensiven Taktik auslöste.
Englands Kapitän Harry Kane hat nach der Halbfinalniederlage gegen Argentinien bei der Weltmeisterschaft 2026 eingeräumt, dass der Mannschaft weiterhin „das letzte Puzzlestück“ fehle. Die Three Lions waren in Atlanta durch ein Tor von Anthony Gordon in Führung gegangen, verloren aber am Ende mit 2:1. In der Folge wurde die Mannschaft und Trainer Thomas Tuchel dafür kritisiert, nach der Führung zu defensiv agiert zu haben.
Kanes emotionale Reaktion
„Es gibt keine Worte, die dieses flaue Gefühl im Magen überwinden könnten“, schrieb Kane auf Social Media, nachdem mehrere englische Spieler ihre Gedanken zum Turnier geteilt hatten. „Wir waren nah dran, wirklich nah an einem weiteren Finale, aber es hat nicht gereicht. Wir haben in den letzten sieben Wochen alles gegeben, und jetzt so knapp zu scheitern, ist schwer zu verkraften!“
Der Bayern-München-Stürmer, der im Turnier sechs Tore erzielte, fügte hinzu: „Ich weiß, dass die Erwartungen hoch sind, und das zu Recht. Wir klopfen seit acht Jahren an die Tür, aber wieder fehlt uns das letzte Puzzlestück. Wir müssen jetzt Abstand gewinnen, das verarbeiten und einen Weg finden, uns zu verbessern.“
Die entscheidenden Szenen
Anthony Gordon, der im Sommer von Newcastle United zum FC Barcelona gewechselt war, brachte England in der 55. Minute in Führung. Doch dann zogen sich die Three Lions zurück und luden die argentinische Mannschaft ein, Druck auszuüben. In der Schlussphase drehten Enzo Fernandez und Lautaro Martinez die Partie mit zwei späten Toren zum 2:1-Sieg für Argentinien.
In der Analyse kritisierte der frühere englische Kapitän Wayne Rooney, Tuchels Mannschaft sei „eingeknickt“ und „zu passiv“ geworden, wodurch sie die Chance auf das erste WM-Finale seit dem Titelgewinn 1966 verpasste. Tuchel selbst wurde für seine defensiven Auswechslungen kritisiert; nach der Führung bis zum Gegentreffer in der 92. Minute hatte England nur 12 % Ballbesitz.
Mehrere Quellen gegenüber der BBC Sport zeigten sich enttäuscht darüber, wie die Mannschaft die Schlussphase anging. Tuchel hingegen betonte, es sei nie der Plan gewesen, sich zurückzuziehen, und meinte: „Es liegt vielleicht nicht in unserer DNA, das Spiel und den Ball zu kontrollieren.“
Wiederkehrendes Muster
Es ist nicht das erste Mal, dass England vorgeworfen wird, in wichtigen Spielen zu defensiv zu werden. Bereits unter dem früheren Trainer Gareth Southgate war ein ähnliches Muster zu beobachten: Im Finale der Europameisterschaft 2021 gingen die Three Lions gegen Italien mit 1:0 in Führung, kassierten dann den Ausgleich und verloren im Elfmeterschießen. Auch das WM-Halbfinale 2018 gegen Kroatien und das EM-Finale 2024 gegen Spanien gingen verloren.
Laut Opta-Statistiken ist England seit 1998 jedes Mal ausgeschieden, wenn es in der K.o.-Phase der WM auf eine Top-10-Nation traf. Kane kommentierte: „Nach Ruhm zu streben, bedeutet nicht immer, dass man ihn erreicht. Man muss dafür kämpfen, niedergeschlagen werden, sich wieder aufrappeln und weitermachen – das werden wir tun. Es gibt keinen anderen Weg, als weiter zu glauben und zu drängen.“
Turnierverlauf und Ausblick
England war mit einem 4:2-Sieg gegen Kroatien in das Turnier gestartet, nachdem die Partie zur Halbzeit 2:2 gestanden hatte. Kane berichtete damals, Tuchel habe in der Kabine gesagt: „Wenn wir verlieren, dann auf unsere Art.“ Es folgten ein 0:0 gegen Ghana und ein 2:0 gegen Panama, womit England die Gruppe gewann. In der Runde der letzten 32 besiegte man die DR Kongo nach Rückstand mit 2:1, ehe man gegen Co-Gastgeber Mexiko trotz Unterzahl ein 3:2 erkämpfte und Norwegen nach Verlängerung mit 2:1 bezwang.
Nun steht für die Three Lions am Samstag (22:00 Uhr MESZ) das Spiel um Platz drei gegen Frankreich an, das im anderen Halbfinale gegen Spanien verloren hatte.
Stimmen aus der Mannschaft
Jude Bellingham, der wie Kane sechs Tore erzielte, gab zu, nach dem Aus „wirklich nach den richtigen Worten gesucht“ zu haben. Er teilte ein vierseitiges Gedicht mit dem Titel „The Lions Way“, das vom Teamfahrer Michael Chandler verfasst worden war und seiner Meinung nach „den Nagel auf den Kopf trifft“. Das Gedicht endet mit der Zeile „eine Seele, stark gemacht, eine Seele, gewiss“. Bellingham rief zur „Einheit“ auf: „Lasst nicht zu, dass die Einheit und Liebe, die wir in unserem Land gesehen haben, mit diesem Turnier endet. Wenn wir zusammenstehen, können wir Großes erreichen.“
Aston-Villa-Mittelfeldspieler Morgan Rogers, der Gordons Führungstor vorbereitet hatte, zeigte sich „am Boden zerstört“. „Wir haben so viel gegeben, um so weit zu kommen, und dass es so endet, tut weh. Wir haben Erinnerungen fürs Leben geschaffen, und ich habe einen Kindheitstraum gelebt, mein Land bei einer WM zu vertreten. Wir werden zurückkommen – darauf könnt ihr Gift nehmen.“
Gordon selbst schrieb: „Ich dachte wirklich, dies sei unsere Zeit, nach so vielen Jahren zu gewinnen, aber es sollte nicht sein, und das wird noch eine Weile wehtun. Ich habe noch nie so sehr gewinnen wollen – nicht nur wegen der Trophäe, sondern wegen allem, was wir als Gruppe aufgebaut haben und was es für England bedeutet hätte.“
Blick nach vorne: EM 2028
Der Geschäftsführer des englischen Fußballverbands (FA), Mark Bullingham, zeigte sich zuversichtlich, dass England aus der Niederlage lernen und bei der Europameisterschaft 2028 um Titel kämpfen werde, die das Land gemeinsam mit Wales, Schottland und Irland ausrichtet. „Thomas und die Trainer werden alle mitreißen und uns dann in die Qualifikation für unsere Heim-EM 2028 führen“, sagte Bullingham. „Eine weitere fantastische Gelegenheit für unser Männerteam, um Trophäen zu kämpfen – mit den Erfahrungen aus diesem Turnier und noch mehr Unterstützung unserer brillanten Fans. Vorwärts.“
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