Blitze, Spionage und Lärm: Die Herausforderungen für England vor dem Mexiko-Spiel

Kurzüberblick
England trifft im Achtelfinale der WM auf Gastgeber Mexiko – und sieht sich mit einer Reihe ungewöhnlicher Probleme konfrontiert: Gewitter, Höhenluft, nächtlicher Lärm durch einheimische Fans und sogar Spionagevorwürfe.
England wurde bei der Ankunft im Hotel in Mexiko-Stadt ausgebuht – doch das ist nur eines von vielen Problemen, die die Three Lions vor dem Achtelfinale gegen Gastgeber Mexiko erwarten. Das Spiel am Sonntag (01:00 Uhr MESZ, Montag) wird live auf BBC One und iPlayer übertragen.
Sicherheitsbedenken und nächtlicher Lärm
Die Sicherheitsvorkehrungen am Hotel der Engländer wurden verstärkt, nachdem Ecuador, das im Achtelfinale in Mexiko-Stadt gegen Mexiko antrat, eine Lärmbeschwerde bei der FIFA eingereicht hatte. Vor der letzten Runde wurden die ecuadorianischen Spieler von einheimischen Fans absichtlich wachgehalten, die mit Lautsprechern, Hörnern und Motorrädern vor dem Teamhotel Lärm machten. Mexiko gewann das Spiel anschließend mit 2:0.
Ecuador war im Westin Hotel untergebracht, und England wollte seinen Aufenthaltsort geheim halten, befürchtete jedoch, dass dieser durchsickern könnte. Als der Mannschaftsbus am Freitag eintraf, warteten Hunderte Einheimische vor dem Hotel, einige skandierten „Mexiko“, andere buhten. Mitglieder der mexikanischen Nationalgarde sicherten den Eingang, während Polizisten in Kampfausrüstung hinter Absperrungen auf der Straße standen.
Englands Spieler und Betreuer erhalten natürliche Schlafmittel oder Geräte mit weißem Rauschen, um Schlafstörungen durch nächtlichen Lärm zu vermeiden. Einige bringen auch eigene Ohrstöpsel oder Schlafmasken mit. Offensivspieler Morgan Rogers sagte: „Ich wäre nicht glücklich, wenn es mich weckt – ehrlich. Wir werden sehen, wie es läuft, aber wir werden so gut wie möglich damit umgehen. Es ist nur ein weiteres Hindernis, das wir überwinden müssen, aber wir sind bereit.“
Wetterkapriolen und mögliche Spielverschiebung
Neben dem Lärm bereitet auch das Wetter Sorgen. Die Vorbereitungen der Engländer wurden am Freitag durch eine chaotische fünfeinhalbstündige Phase gestört, in der bekannt wurde, dass die FIFA erwog, das Spiel wegen angekündigter Stürme um sechs Stunden vorzuverlegen. Der englische Fußballverband (FA) und der mexikanische Verband (FMF) waren empört über den Vorschlag weniger als 48 Stunden vor Anpfiff. Das Spiel findet nun wie ursprünglich geplant um 18:00 Uhr Ortszeit statt, bleibt aber wetterabhängig – Verzögerungen sind möglich.
Mexikos letztes Spiel gegen Ecuador im selben Stadion wurde wegen Gewitters um eine Stunde verschoben. BBC-Wettermoderator Ben Rich erklärte: „Tägliche Gewitter sind in Mexiko-Stadt zu dieser Jahreszeit normal – aber die Vorhersagen deuten darauf hin, dass das Risiko am Sonntag besonders hoch ist, und wenn diese Stürme entstehen, könnten sie heftig sein. Sie bringen wahrscheinlich häufige Blitze und Hagel mit sich. Die Gewitteraktivität erreicht ihren Höhepunkt normalerweise um oder kurz nach den höchsten Temperaturen des Tages – am späten Nachmittag und Abend, was den Anpfiff beeinflussen könnte. Eine frühere Anstoßzeit hätte es ermöglicht, das Spiel vor dem schlimmsten Gewitter zu spielen – garantiert ist das aber nicht.“
Eine Verzögerung wäre nicht nur für die Spieler und die Zuschauer im Stadion schlecht, sondern auch für die Millionen Fans in England, die für das Spiel bis in die frühen Morgenstunden aufbleiben.
Höhenlage als zusätzliche Belastung
England steht zudem vor der Herausforderung, in großer Höhe zu spielen. Mexiko-Stadt liegt im Durchschnitt auf etwa 2.240 Metern über dem Meeresspiegel, was die Sauerstoffverfügbarkeit verringert. Idealerweise sollten Sportler ein bis zwei Wochen in dieser Höhe leben, um sich zu akklimatisieren und mehr rote Blutkörperchen zu bilden. England ist jedoch erst zwei Tage vor dem Spiel in Mexiko-Stadt angekommen. Das erste Training findet um 16:00 Uhr Ortszeit (23:00 Uhr MESZ) in La Cantera statt.
Die Gastgeber hingegen haben alle ihre bisherigen Spiele in großer Höhe bestritten – eines in Guadalajara (1.500 Meter) und drei im Aztekenstadion –, sodass ihre Spieler angepasst sein sollten. Dr. Barney Wainwright, Senior Research Fellow an der Leeds Beckett University, erklärte: „Die maximale aerobe Kapazität sinkt in dieser Höhe normalerweise um etwa zehn Prozent, was sich auf die Leistung auswirkt. Die maximale Sprintgeschwindigkeit wird nicht beeinträchtigt, aber die Spieler brauchen länger, um sich von jedem Sprint zu erholen und erneut zu starten.“
Tuchel räumte ein, dass sein Team „einen großen Nachteil hat, weil wir uns körperlich nicht anpassen können“. Zum Vergleich: Die englische Rugby-Union-Nationalmannschaft trifft am Samstag in Johannesburg auf Südafrika, das auf 1.753 Metern Höhe liegt – niedriger als das Aztekenstadion –, und das Team bereitet sich unter anderem mit Training in speziellen Masken vor, die die Sauerstoffzufuhr reduzieren.
Spionagevorwürfe und Geheimhaltung
Laut der Daily Mail hat England seine Abreise aus dem Quartier in Kansas City, Missouri, nach Mexiko-Stadt unter anderem deshalb verzögert, um Spionage zu vermeiden. Die Three Lions trainierten am Freitag in ihrem Camp in den USA – wie sie es zwischen den Spielen während des gesamten Turniers getan haben. Ein zusätzlicher Tag in Mexiko-Stadt wäre in diesem Fall jedoch von Vorteil gewesen. Tuchel wollte offenbar sicherstellen, dass taktische Übungen geheim bleiben. Der Zeitungsbericht besagt, dass der Trainingsplatz in Kansas City besser durch Polizei und Sicherheitskräfte vor möglicher Spionage geschützt war als La Cantera, der Trainingsplatz des Clubs Pumas in Mexiko-Stadt.
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