Infantino hätte sich für die WM stark machen können – stattdessen sagte er 'Chill, relax'

Kurzüberblick
Gianni Infantino stellte sich erstmals seit drei Jahren den Medien, konnte aber kaum überzeugen, dass die FIFA die Organisation der WM 2026 im Griff hat. Statt klarer Antworten gab es Durchhalteparolen.
Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbands FIFA, trat am Mittwoch erstmals seit drei Jahren vor die Medien – und hinterließ dabei einen wenig souveränen Eindruck. In einer Pressekonferenz in Zürich, die live übertragen wurde, gelang es ihm nicht, die wachsenden Zweifel an der Organisation der Weltmeisterschaft 2026 zu zerstreuen. Statt konkreter Antworten auf drängende Fragen zur Vergabe, zum Zeitplan und zu den Austragungsorten beschwor Infantino lediglich Gelassenheit: „Chill, relax“, sagte er mehrfach.
Erster Medienauftritt seit Jahren
Der 54-jährige Schweizer hatte sich zuletzt im März 2021 den Fragen der Journalisten gestellt. Seither hatte die FIFA mehrere Skandale und Kontroversen zu bewältigen, darunter die umstrittene Vergabe der WM 2022 an Katar und die anhaltende Kritik an den Menschenrechtsbedingungen in dem Golfstaat. Auch die Planungen für die WM 2026, die erstmals von drei Ländern – den USA, Kanada und Mexiko – gemeinsam ausgerichtet wird, sind von Unklarheiten geprägt. So ist noch immer nicht endgültig geklärt, wie viele Spiele in welchem Land stattfinden werden und welche Stadien zum Zuge kommen.
Fehlende Transparenz und konkrete Zusagen
Infantino vermied es, konkrete Zusagen zu machen oder einen detaillierten Fahrplan vorzulegen. Stattdessen betonte er, dass man „auf einem guten Weg“ sei und dass die Zusammenarbeit mit den drei Gastgeberländern „hervorragend“ funktioniere. Auf die Frage, ob die FIFA die Kontrolle über das Mammutprojekt verloren habe, antwortete er ausweichend: „Wir haben alles im Griff. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Chill, relax.“ Diese Aussage stieß bei vielen Beobachtern auf Unverständnis, da die Vorbereitungen für das Turnier mit 48 Mannschaften und 80 Spielen als äußerst komplex gelten.
Kritik an Infantinos Führungsstil
Der Auftritt nährte die Kritik an Infantinos Führungsstil, der bereits in der Vergangenheit als zu wenig transparent und zu stark auf persönliche Macht ausgerichtet kritisiert wurde. Während die FIFA unter seiner Ägide ihre Einnahmen steigern konnte, wachsen die Zweifel an ihrer Fähigkeit, Großereignisse professionell zu managen. Die WM 2026 wird die erste mit 48 Teams sein und stellt die Logistik vor enorme Herausforderungen. Experten fordern seit Monaten klare Vorgaben zur Stadionauswahl, zu Sicherheitskonzepten und zu den Reisewegen für Fans und Teams.
Reaktionen aus der Fußballwelt
Verbände und Funktionäre aus den Gastgeberländern reagierten verhalten auf Infantinos Aussagen. Ein Sprecher des US-Fußballverbands erklärte, man arbeite „eng und konstruktiv“ mit der FIFA zusammen, ohne jedoch auf die konkreten offenen Punkte einzugehen. In Kanada und Mexiko wächst unterdessen die Sorge, dass die WM-Vorbereitungen hinter dem Zeitplan zurückbleiben. Infantino versprach, in den kommenden Wochen weitere Details zu veröffentlichen – ein Versprechen, das er in ähnlicher Form bereits mehrfach gegeben hatte.
Ausblick: Bleibt die FIFA handlungsfähig?
Die Pressekonferenz hinterließ insgesamt den Eindruck, dass Infantino die Dringlichkeit der Situation nicht vollständig erfasst hat. Statt Führungsstärke zu demonstrieren, setzte er auf Beschwichtigung. Ob dies ausreicht, um das Vertrauen in die FIFA wiederherzustellen, ist fraglich. Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Verband die organisatorischen Hürden meistern kann – oder ob die WM 2026 zum nächsten Prestigeprojekt wird, das die FIFA überfordert.
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