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Die Spiele, die die Schwächen einer 48-Team-WM zeigen

Aktualisiert 4 min read
Fußballspieler auf einem Rasen bei Nacht, Stadionbeleuchtung, leere Tribünen, symbolisiert die fehlende Spannung in der Gruppenphase der WM 2026.

Kurzüberblick

Die WM 2026 mit 48 Teams offenbart strukturelle Probleme: Die Qualifikation der acht besten Gruppendritten nimmt viel Spannung aus der Gruppenphase.

Die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ist die erste mit 48 Teams – und die Gruppenphase hat bisher ein entscheidendes Element vermissen lassen: die echte Gefahr des Ausscheidens.

Zugegeben, Südkorea mag nach der überraschenden 0:1-Niederlage gegen Südafrika am Mittwoch anderer Meinung sein. Der Sieg brachte Bafana Bafana erstmals ins Achtelfinale. Doch die Gefahr für Südkorea ist begrenzt, denn das Team wird mit hoher Wahrscheinlichkeit als einer der acht besten Gruppendritten die K.o.-Runde erreichen. Drei Punkte und ein Torverhältnis von -1 dürften dafür ausreichen.

Hätte diese Niederlage bei der WM 2022 stattgefunden, als nur die ersten beiden jeder Gruppe weiterkamen, wäre Südkorea bereits auf dem Heimweg gewesen. Die Einführung der drittplatzierten Qualifikanten ist eine notwendige Folge des neuen Formats – um 32 Teams in der K.o.-Runde zu haben. Doch sie hat zusätzliche Szenarien geschaffen, in denen Mannschaften auf bestimmte Ergebnisse spielen können, um sich zu qualifizieren oder sich sogar einen vermeintlich leichteren Gegner auszusuchen.

Zwei Spiele als Härtetest für das Format

Zwei Partien in dieser Woche werden das Format auf eine harte Probe stellen. Am Donnerstag (03:00 Uhr MEZ Freitag) trifft Australien in Gruppe D auf Paraguay. Am Samstag (03:00 Uhr MEZ Sonntag) spielen in Gruppe J Österreich gegen Algerien. Beide Teams liegen auf den Plätzen zwei und drei ihrer Gruppen und haben jeweils drei Punkte. Vier Punkte sind so gut wie sicher, um einen der acht dritten Plätze zu ergattern. Das schafft eine Situation, in der beide Mannschaften einfach auf ein Unentschieden spielen könnten.

Man könnte argumentieren, dass auch die Partie in Gruppe F (Japan gegen Schweden) in diese Kategorie fällt, wobei Japan bereits vier Punkte hat und Schweden drei. Ein Unentschieden könnte beiden passen, aber da Japan schon genug Punkte für einen dritten Platz hat, besteht kein Risiko bei einer Niederlage. Ähnlich verhält es sich in Gruppe L, wo Ghana vier Punkte und Kroatien drei hat.

Da zwei Gruppen vor dem Anpfiff der Australier bereits abgeschlossen sind, wissen die Teams besser, ob vier Punkte reichen. Noch vorteilhafter ist es für Gruppe J, die als letzte Gruppe abschließt. Österreich und Algerien werden genau wissen, welches Ergebnis für einen der besten dritten Plätze nötig ist. Nachdem Algerien 1982 von einer Absprache betroffen war, könnte es nun der Nutznießer sein.

Historische Beispiele und die Gefahr von Absprachen

Es gibt viele Beispiele, in denen Teams die letzten zehn Minuten eines Gruppenspiels ohne Angriffsbemühungen ausklingen ließen, weil beide wussten, dass sie weiterkommen. Das bedeutet nicht, dass die beiden Teams diese Woche einfach auf einen Punkt spielen werden, aber die Möglichkeit besteht. Bei der Euro 2020 gab es ähnliche Umstände: Die Ukraine und Österreich gingen mit drei Punkten in ihr letztes Spiel, wissend, dass vier Punkte für den dritten Platz reichen würden. Sie spielten nicht auf Unentschieden, sondern Österreich gewann 1:0 und zog auf Platz zwei vor, während die Ukraine später als einer der besten Dritten ins Achtelfinale einzog.

Die Buchmacher gehen jedenfalls kein Risiko ein: Die Quoten für ein Unentschieden in den Spielen Ecuador-Deutschland, Japan-Schweden und Norwegen-Frankreich liegen zwischen 3:1 und 4:1. Für Australien-Paraguay und Österreich-Algerien sind die Quoten nahezu ausgeglichen.

Schon vor der Einführung der drittplatzierten Qualifikanten gab es Fälle, in denen Teams auf bestimmte Ergebnisse spielten. Bei der Euro 2004 führte ein 2:2 zwischen Schweden und Dänemark dazu, dass Italien ausschied, woraufhin Torhüter Gianluigi Buffon und Verbandspräsident Franco Carraro Manipulationsvorwürfe erhoben. Die Uefa betonte, es gebe nichts Verdächtiges.

Ein weiterer Twist: Die Wahl des Gegners

Bei dieser WM gibt es eine weitere Besonderheit: Die Paarungen für die drittplatzierten Teams werden danach bestimmt, welche Gruppen die Qualifikanten stellen. Wer früh spielt, hat keine Ahnung, wohin die Reise als Dritter geht. Wer später spielt, kennt den Weg. Was bedeutet das in der Praxis? Der Zweite der Gruppe J trifft auf den Sieger der Gruppe H – derzeit Spanien. Aber wohin geht der Dritte der Gruppe J? Er könnte auf den Sieger der Gruppe L treffen, vielleicht England, oder auf die Schweiz, die Gruppe B gewonnen hat. Österreich und Algerien werden das komplette Achtelfinale kennen. Sie könnten in der Lage sein, dass ein dritter Platz günstiger ist als der zweite. Statt auf ein Unentschieden zu spielen, könnte Österreich es vorziehen, zu verlieren und diesen vermeintlich leichteren Weg zu nehmen.

Auch das Wetter könnte eine Rolle spielen. Sollte ein Spiel wegen Gewittern unterbrochen werden, sagt die Fifa, dass das andere Spiel der Gruppe nicht gestoppt wird. So könnte eine Partie für ein paar Stunden ausgesetzt werden, und wenn die Teams zurückkommen, wissen sie genau, was sie für die Qualifikation brauchen.

Sollten Australien-Paraguay und Österreich-Algerien tatsächlich auf Unentschieden spielen, wird es wohl Fragen zur Integrität des Formats geben. Doch das war die Wahl der Fifa. Die WM musste nicht aufgebläht werden, aber es war Teil des Wahlprogramms, mit dem Gianni Infantino 2016 zum Präsidenten gewählt wurde. Vielleicht gibt es Infantino einen Grund, das Turnier wieder auf eine perfekte Zahl zu bringen – nicht durch Reduzierung auf 32, sondern durch Erhöhung auf 64.

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