Gastgeber-Bilanz bei der U-20-Frauen-WM
Kurzüberblick
Von Kanada 2002 bis Kolumbien 2024: Die FIFA blickt auf die Leistungen aller Gastgeber bei der U-20-Frauen-Weltmeisterschaft zurück. Nur Deutschland 2010 konnte als Ausrichter den Titel gewinnen.
Eine Reise durch die Geschichte
Seit der ersten Austragung im Jahr 2002 hat die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 11 Turniere erlebt. Dabei stellte sich immer wieder die Frage: Wie schlägt sich der Gastgeber vor heimischem Publikum? Die Bilanz ist durchwachsen – von glorreichen Triumphen bis zu enttäuschenden Vorrunden-Aus scheint alles dabei gewesen zu sein. Ein Blick auf die einzelnen Gastgeber-Nationen zeigt, wie unterschiedlich die Rollen als Ausrichter bewältigt wurden.
Die ersten Jahre: Kanada und Thailand
Kanada 2002 – Vize-Weltmeister mit Rekordtorschützin
Den Auftakt machte Kanada im Jahr 2002 und setzte direkt eine hohe Messlatte für alle folgenden Gastgeber. Angeführt von der damals jungen Christine Sinclair erreichten die Kanadierinnen das Finale, mussten sich dort jedoch den USA mit einem Golden Goal geschlagen geben. Sinclair selbst krönte sich mit zehn Treffern zur Torschützenkönigin und erhielt sowohl den Goldenen Schuh als auch den Goldenen Ball – eine bis heute einzigartige Doppel-Ehrung bei diesem Turnier.
Thailand 2004 – Ein Debakel zum Auftakt
Vier Jahre später richtete Thailand das Turnier aus, doch die Gastgeberinnen erlebten ein Fiasko. Bereits im ersten Spiel setzte es eine 0:6-Niederlage gegen den späteren Weltmeister Deutschland. Es folgten ein 0:7 gegen Kanada und ein 0:5 gegen Australien – mit null Punkten und 0:18 Toren schied Thailand sang- und klanglos in der Gruppenphase aus.
Russland und Chile: Zwischen Achtelfinale und Vorrunden-Aus
Russland 2006 – Achtelfinale trotz starker Gruppenphase
Russland präsentierte sich bei der Heim-WM 2006 deutlich besser. In der Gruppenphase blieb das Team ungeschlagen: Ein 3:2 gegen Neuseeland sowie Unentschieden gegen Brasilien und Australien reichten zum Weiterkommen. Im Viertelfinale war jedoch China, das spätere Finale, eine Nummer zu groß – mit 0:4 mussten sich die Gastgeberinnen verabschieden.
Chile 2008 – Drei Niederlagen zum Abschluss
Die WM 2008 in Chile wurde für die Gastgeberinnen zum Albtraum. Alle drei Gruppenspiele gingen verloren: 0:2 gegen England, ein 3:4 gegen Neuseeland und zum Abschluss ein 0:2 gegen Nigeria. Mit null Punkten schied Chile als Gruppenletzter aus.
Deutschland 2010: Der einzige Heim-Triumph
Deutschland gelang 2010 das Kunststück, als bislang einziges Gastgeber-Team den Titel zu gewinnen. Die Mannschaft um Alexandra Popp dominierte das Turnier nach Belieben. Popp erzielte zehn Tore, sicherte sich damit den Goldenen Schuh und wurde zudem mit dem Goldenen Ball als beste Spielerin ausgezeichnet. Im Finale besiegte Deutschland Nigeria mit 2:0 und krönte sich vor heimischem Publikum zum Weltmeister.
Japan und Kanada: Zwei weitere Gastgeber mit starken Auftritten
Japan 2012 – Platz drei als Krönung
Japan richtete 2012 die WM aus und überzeugte mit einer starken Leistung. Nach einem 4:1-Auftaktsieg gegen Mexiko zog das Team souverän ins Viertelfinale ein, wo es den asiatischen Rivalen Südkorea besiegte. Erst im Halbfinale war Deutschland zu stark. Im Spiel um Platz drei setzten sich die Japanerinnen mit 2:1 gegen Nigeria durch und sicherten sich Bronze.
Kanada 2014 – Viertelfinale nach holprigem Start
Zum zweiten Mal war Kanada Gastgeber, und erneut erreichte das Team die K.o.-Runde. Nach einer Auftaktniederlage gegen Ghana (0:1) folgten Siege gegen Finnland und Nordkorea. Im Viertelfinale war jedoch Deutschland, das später erneut den Titel holte, mit 0:2 zu stark.
Papua-Neuguinea und Frankreich: Zwei gegensätzliche Turniere
Papua-Neuguinea 2016 – Historisches Turnier, bitteres Aus
Die WM 2016 in Papua-Neuguinea war die erste in Ozeanien, doch für die Gastgeberinnen endete sie enttäuschend. In drei Gruppenspielen kassierte das Team insgesamt 22 Gegentore und verlor alle Partien – ein historisches Tief.
Frankreich 2018 – Vierter Platz als Erfolg
Frankreich richtete 2018 die U-20-WM aus, ein Jahr vor der Frauen-WM im eigenen Land. Die Gastgeberinnen zogen souverän ins Viertelfinale ein und besiegten dort Nordkorea. Erst im Halbfinale war Spanien eine Nummer zu groß. Im Spiel um Platz drei unterlag Frankreich England im Elfmeterschießen mit 2:4 und wurde Vierter.
Die jüngsten Turniere: Costa Rica und Kolumbien
Costa Rica 2022 – Vorrunden-Aus in letzter 16er-Ausgabe
Bei der letzten WM mit 16 Teams war Costa Rica Gastgeber, doch die Mannschaft scheiterte in der Gruppenphase. Alle drei Spiele gingen verloren – gegen Australien, Spanien und Brasilien. Mit null Punkten schied Costa Rica als Gruppenletzter aus.
Kolumbien 2024 – Viertelfinale dank Caicedo
Die jüngste Ausgabe 2024 in Kolumbien war die erste mit 24 Teams. Die Gastgeberinnen starteten furios und gewannen alle drei Gruppenspiele, angeführt von der überragenden Linda Caicedo. Im Achtelfinale wurde Südkorea bezwungen, ehe im Viertelfinale gegen die Niederlande das Aus im Elfmeterschießen kam. Trotz des Ausscheidens hinterließ Kolumbien einen starken Eindruck und zeigte, dass Gastgeber auch bei neuen Formaten für Furore sorgen können.
Fazit: Gastgeber zwischen Triumph und Trauma
Die Bilanz der Gastgeber bei der U-20-Frauen-Weltmeisterschaft ist gemischt. Nur Deutschland 2010 konnte den Heimvorteil in einen Titel ummünzen. Andere Nationen wie Kanada 2002 oder Japan 2012 erreichten immerhin das Podium, während Thailand, Chile, Papua-Neuguinea und Costa Rica ohne Sieg in der Gruppenphase scheiterten. Die kommenden Turniere werden zeigen, ob ein weiterer Gastgeber den Sprung aufs Treppchen schafft.
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