Zehn Kandidaten für Brasiliens Umbau 2030

Kurzüberblick
Nach dem enttäuschenden Aus bei der WM 2026 richtet Brasilien den Blick auf 2030. Zehn junge Talente, die in Nordamerika fehlten, könnten unter Carlo Ancelotti eine Schlüsselrolle im Neuaufbau spielen – von Estevao bis Igor Jesus.
Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026™ endete für Brasilien viel zu früh: Zum ersten Mal seit 1990 schafften es die fünfmaligen Weltmeister nicht ins Viertelfinale – und das, obwohl diesmal eine zusätzliche Runde ausgetragen wurde. Mit dem elften Platz in der Endabrechnung des Turniers verbuchte die Seleção ihr zweitschlechtestes Abschneiden überhaupt, gleichauf mit der Kampagne von 1966 und nur übertroffen vom 14. Platz 1934.
Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich die Gedanken bereits auf die nächste Auflage des wichtigsten Männerwettbewerbs der FIFA im Jahr 2030 richten – und darauf, wie Brasilien für dieses Jahrhundert-Turnier einen Neuaufbau angehen könnte. Die Seleção möchte dieses Jubiläum unbedingt mit einem ernsthaften Angriff auf den sechsten Stern auf dem Trikot krönen.
Brasilien startet in den neuen Zyklus mit zwei Freundschaftsspielen gegen Australien – am 25. September in Townsville und am 29. September in Brisbane. Am 3. Oktober folgt ein weiteres Freundschaftsspiel gegen Indien in Kalkutta.
Da Ancelottis Umbau der Seleção gerade erst beginnt, hat die FIFA zehn Spieler im Alter von 25 Jahren oder jünger ausgewählt, die aus dem einen oder anderen Grund keinen Platz im Kader für Nordamerika hatten, aber bereits Länderspiele absolviert haben und beste Chancen haben, beim nächsten Mal dabei zu sein. Alle zehn könnten in den kommenden Monaten zurückkehren und in allen Mannschaftsteilen eine entscheidende Rolle im brasilianischen Neuaufbau spielen.
Offensivtalente mit Zukunft
Estevao – das Juwel von Chelsea
Nachdem er zu einem wichtigen Puzzleteil in Ancelottis System geworden war, verpasste der technisch versierte Rechtsaußen die WM 2026 wegen einer Oberschenkelverletzung. Doch mit gerade einmal 19 Jahren und einem beeindruckenden Arsenal an technischen Fähigkeiten hat Estevao alle Chancen, eine feste Größe im neu formierten brasilianischen Kader zu werden – zumal er auch im Zentrum spielen kann, wo er in seiner Jugend oft eingesetzt wurde.
Da ihm beim FC Chelsea künftig mehr Einsatzzeiten winken – ob auf dem Flügel oder als Spielmacher –, darf er auch für sein Land eine größere Rolle erwarten. Bislang erzielte er in elf Länderspielen fünf Tore.
Joao Pedro – der Torjäger mit Spielmacherqualitäten
Eine der überraschendsten Auslassungen aus Ancelottis endgültigem WM-Kader war der Angreifer, der eine hervorragende Debütsaison beim FC Chelsea hingelegt hatte: 20 Tore insgesamt, davon 15 in der Premier League. Drei weitere Treffer steuerte er in drei Einsätzen bei der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2025™ bei, als er den Londoner Klub zum Titelgewinn führte.
Obwohl er nach acht Länderspielen noch kein Tor für Brasilien erzielt hat, dürften dem 24-Jährigen bald neue Chancen winken. Joao Pedro gilt als einer der aufregendsten Stürmer der Seleção und ist mehr als nur ein Vollstrecker. Mit seiner Fähigkeit, Chancen für seine Mitspieler herauszuspielen, scheint er in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil der Mannschaft zu werden.
Kaio Jorge – der Torschützenkönig aus Brasilien
Der führende Torschütze der Campeonato Brasileiro Serie A 2025, Cruzeiros Kaio Jorge, hat bislang nur einen Länderspieleinsatz vorzuweisen: Er kam in der WM-Qualifikation gegen Chile als 71. Minute eingewechselt. Dennoch reichte das, um in Ancelottis vorläufigen 55-Mann-Kader zu kommen – ein Beweis, dass der 24-Jährige auf dem Radar des Trainers steht.
Als beweglicher und taktisch kluger Stürmer kann Kaio sowohl als klassischer Mittelstürmer als auch als falsche Neun agieren. Auch beim Pressing glänzt er und scheut sich nicht, in der Defensive auszuhelfen. Angesichts dieser Qualitäten und seines Alters darf er auf weitere Gelegenheiten hoffen, sich zu zeigen.
Vitor Roque – die Rückkehr zu alter Stärke
Der Stürmer von Palmeiras mag die Karrierestatistiken eines erfahrenen Veteranen haben, doch wenn 2030 anbricht, wird er erst 25 Jahre alt sein. Nach seinem Durchbruch bei Athletico Paranaense wechselte Roque zum FC Barcelona, konnte sich dort jedoch nicht durchsetzen und wurde an Real Betis ausgeliehen, bevor er nach Brasilien zurückkehrte.
Inzwischen hat er seinen Torriecher wiedergefunden, und obwohl ihn eine Verletzung um einen Platz bei der WM 2026 brachte, dürfte seine starke Form bei einem der größten Klubs Südamerikas dafür sorgen, dass er in Ancelottis Plänen wieder auftaucht. Seine internationale Karriere umfasst bislang nur zwei Einsätze: ein Freundschaftsspiel gegen Marokko 2023 und ein weiteres gegen Tunesien im vergangenen November.
Igor Jesus – der Mann für die großen Momente
Es gab Zeiten, da war Igor Jesus Stammspieler der Seleção – in vier WM-Qualifikationsspielen Ende 2024, als er noch bei Botafogo spielte. Seit seinem Wechsel zu Nottingham Forest kam er jedoch nur noch zu zehn Minuten für sein Land, in einem Freundschaftsspiel unter Ancelotti.
Der 25-jährige Angreifer ist eine imposante Erscheinung im Sturm und technisch begabt – er hat Brasilien viel zu bieten, auch wenn er bislang kaum Gelegenheit hatte, das zu zeigen. In seiner ersten Saison bei Nottingham Forest erzielte er 16 Tore, sieben davon in der UEFA Europa League, wo er sich einen Stammplatz erkämpfte.
Mittelfeld und Abwehr: Die Basis für die Zukunft
Andrey Santos – der Box-to-Box-Spieler
Einer der jüngsten Neuzugänge von Manchester United, Andrey Santos, sammelte in der Vorbereitung auf die WM 2026 unter verschiedenen Trainern einige Länderspiele, verlor aber im Vorfeld des Turniers an Boden – vor allem wegen mangelnder Einsatzzeiten beim FC Chelsea.
Als eleganter Box-to-Box-Mittelfeldspieler mit der Physis eines Verteidigers und den spielerischen Fähigkeiten einer Zehn ist Santos eines der vielversprechendsten Talente Brasiliens in einem Mannschaftsteil, in dem großer Bedarf besteht. Der 22-Jährige hat sechs A-Länderspiele absolviert und durchlief regelmäßig alle Altersklassen von der U-15 aufwärts.
Joao Gomes – der Allrounder für die Zentrale
Mit drei vollen Premier-League-Saisons in den Beinen ist Joao Gomes inzwischen auf höchstem Niveau im englischen Fußball etabliert. Als einer der wenigen Spieler, die ihren Ruf bewahren konnten, als die Wolverhampton Wanderers aus der höchsten Spielklasse abstiegen, kann der 25-jährige Mittelfeldspieler nun erwarten, ihn in den kommenden Saisons bei seinem neuen Arbeitgeber Aston Villa weiter auszubauen.
Gomes ist ein dynamischer, engagierter Spieler, dessen defensive Fähigkeiten seine Offensivqualitäten ergänzen – genau die Art von Spieler, um die Brasilien sein Mittelfeld herum aufbauen kann. Seit seinem Debüt 2024 kam er auf zehn Länderspiele, verlor aber in den letzten Monaten vor der WM 2026 den Anschluss.
Vitor Reis – der Abwehrchef von morgen
Der 20-jährige Innenverteidiger überzeugte während seiner Leihe zu Girona, das in der vergangenen Saison aus der La Liga abstieg. Inzwischen ist er zu Manchester City zurückgekehrt und hofft auf mehr Einsätze in der ersten Mannschaft.
Nach seiner Nominierung für das Freundschaftsspiel gegen Kroatien im März wurde Reis in Ancelottis vorläufigen 55-Mann-Kader für das Turnier in Nordamerika berufen. Brasiliens führender junger Innenverteidiger dürfte eine Schlüsselfigur im Abwehr-Neuaufbau werden.
Kaiki – der neue Linksverteidiger mit Italien-Erfahrung
Nach starken Leistungen bei Cruzeiro in der Campeonato Brasileiro Serie A wurde Kaiki für die März-Freundschaftsspiele nominiert und kam gegen Kroatien für die letzten 14 Minuten von der Bank – für den WM-Kader reichte es jedoch nicht. In dieser Saison sammelt der 23-jährige Linksverteidiger unter Cesc Fabregas bei Como Erfahrung in der italienischen Serie A und der UEFA Champions League, nachdem er vom lombardischen Klub ausgeliehen wurde.
Kaiki ist das beste junge Talent auf einer Position, auf der Brasilien derzeit kaum Alternativen hat. Er ist ein besserer Verteidiger als Angreifer – anders als viele seiner Vorgänger in dieser Rolle. Nun, da er in Italien die Möglichkeit hat, an seiner Offensivarbeit zu feilen, kann der 23-Jährige seine Vielseitigkeit erweitern und sich als Nachfolger von Größen wie Roberto Carlos und Marcelo positionieren.
Wesley – der Rechtsverteidiger mit Offensivdrang
Wesley war unter Ancelotti Stammspieler, zog sich jedoch im letzten Vorbereitungsspiel vor dem Turnier in Nordamerika eine Verletzung zu und musste aus dem Kader zurücktreten. Als sicherer Starter in den neuen Zyklus geht der 22-jährige Roma-Spieler als klarer Favorit für die Position bis 2030.
Obwohl Wesley beim Hauptstadtklub derzeit auf der linken Mittelfeldseite aushilft, ist seine bevorzugte Position die des Rechtsverteidigers, wo er gerne nach vorne geht. Seit 2025 kam er auf acht Länderspiele und hat sich zu einem der wichtigsten taktischen Bausteine Brasiliens entwickelt.
Brasiliens Weg nach 2030
Die Auswahl dieser zehn Spieler zeigt, dass Brasilien über ein beachtliches Reservoir an jungen Talenten verfügt, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Während einige wie Estevao und Joao Pedro bereits auf sich aufmerksam gemacht haben, stehen andere wie Kaiki und Vitor Reis noch am Anfang ihrer internationalen Karriere. Unter der Führung von Carlo Ancelotti, der für seine Fähigkeit bekannt ist, junge Spieler zu entwickeln und in erfolgreiche Systeme zu integrieren, könnte diese Generation das Fundament für eine erfolgreiche Ära der Seleção bilden.
Die kommenden Freundschaftsspiele gegen Australien und Indien bieten erste Gelegenheiten, sich zu empfehlen. Die Konkurrenz ist groß, doch die Chancen stehen gut, dass einige dieser Namen in den nächsten Jahren zu festen Größen im brasilianischen Nationalteam werden – und vielleicht schon 2030 um den sechsten Stern kämpfen.
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