Andy Robertson: WM-Teilnahme ist die Krönung meiner Karriere

Kurzüberblick
Schottlands Kapitän Andy Robertson spricht über seinen steinigen Weg an die Weltspitze, die Vorfreude auf das Duell mit Brasilien bei der FIFA WM 2026 und das Ziel, erstmals die Gruppenphase zu überstehen.
Andy Robertson, der Kapitän der schottischen Nationalmannschaft, hat in einem exklusiven Interview mit der FIFA über seine Karriere, die Rückschläge auf seinem Weg und die bevorstehende FIFA Weltmeisterschaft 2026 gesprochen. Der 31-jährige Linksverteidiger, der ab dem 1. Juli für Tottenham Hotspur auflaufen wird, führt Schottland nach 28 Jahren erstmals wieder zu einer WM-Endrunde. Für Robertson, der mit dem FC Liverpool zahlreiche Titel gewann, ist die Teilnahme am Turnier in Nordamerika die Krönung einer außergewöhnlichen Laufbahn.
Vom Nachwuchsspieler zum Kapitän
Robertsons Weg vom Teilzeitfußballer zum Weltstar gleicht einem Märchen. Der in Glasgow geborene Verteidiger durchlief die Stationen Queen's Park, Dundee United und Hull City, bevor er 2017 zum FC Liverpool wechselte. Dort feierte er große Erfolge, darunter den Gewinn der UEFA Champions League und der englischen Meisterschaft. Doch ein bedeutender Titel fehlte bislang in seiner Sammlung: die Teilnahme an einer FIFA Weltmeisterschaft. Diese Lücke wird er nun schließen, wenn er Schottland als Kapitän beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko anführt.
„In Momenten wie diesen ist es wichtig, sich daran zu erinnern, woher man kommt, welchen Weg man gegangen ist und wie hart man gearbeitet hat, um diese Momente zu erreichen“, sagte Robertson gegenüber der FIFA. „Ich liebe meinen Weg. Ich liebe die Reise, die ich hinter mir habe. Viel harte Arbeit, viele Opfer. Aber für die Belohnungen, die ich daraus gezogen habe, hat es sich jede Minute gelohnt.“
Der Schotte hätte als Teenager beinahe mit dem Fußball aufgehört. Im Alter von 15 Jahren wurde er vom Jugendverein Celtic Glasgow freigestellt, da man ihn für zu klein und körperlich unterlegen hielt. „Es ist nicht einfach, Profifußballer zu werden“, erklärte er. „Wenn ich in jede Umkleidekabine schaue, in der ich war, gab es immer Hindernisse auf dem Weg. Ich denke, das macht einen widerstandsfähig.“
„Das war ein enormer Moment für mich – die erste Ablehnung, die Traurigkeit und alles, was dazugehört. Aber dann habe ich meinen Weg gefunden und mich zurückgekämpft. Das hat mir für meine Karriere unheimlich geholfen, denn Rückschläge gibt es immer. Es kommt darauf an, wie man mit ihnen umgeht.“
Historische Rückkehr auf die Weltbühne
Wenn Schottland am 13. Juni in Miami auf Haiti trifft, markiert dies die Rückkehr des Landes auf die größte Bühne des internationalen Fußballs nach 28 Jahren. Die Qualifikation für die WM 2026 sicherten sich die Schotten durch einen dramatischen 4:2-Sieg gegen Dänemark im Hampden Park im November 2025. In der Gruppenphase trifft das Team von Trainer Steve Clarke zudem auf Marokko und im letzten Gruppenspiel auf den fünfmaligen Weltmeister Brasilien.
Die letzte Begegnung Schottlands mit Brasilien bei einer WM war das Eröffnungsspiel der WM 1998 im Stade de France, das die Schotten knapp mit 1:2 verloren. Robertson betont, dass die Vergangenheit keine Rolle spielen werde. „Wir wollen unsere eigene Geschichte schreiben. Wir lieben die Geschichte der schottischen Nationalmannschaft und haben großen Respekt vor den Spielern von damals. Aber es liegt an uns, unsere eigene Geschichte zu erschaffen. Die Ergebnisse der Vergangenheit gegen Brasilien werden keine Auswirkungen auf dieses Spiel haben.“
„Wir wissen, wie schwierig es wird. Gegen Brasilien zu spielen, ist ein Traum für jeden Spieler, und das ist nicht immer möglich, wenn man von einem anderen Kontinent kommt. Aber die WM ermöglicht das. Wir werden alles geben und hoffen, ihnen ein schwieriges Spiel liefern zu können.“
Das Ziel: Erstmals die Gruppenphase überstehen
Schottland hofft, in Nordamerika Geschichte zu schreiben. Noch nie ist das Land bei einer WM über die Gruppenphase hinausgekommen – bei acht Teilnahmen war stets in der Vorrunde Schluss. Robertson und seine Mannschaftskameraden sind entschlossen, diese Durststrecke zu beenden. „Wir wissen, dass noch keine schottische Mannschaft die Gruppenphase überstanden hat. Ich denke, das ist ein realistisches Ziel für uns. Wir haben eine schwere Gruppe mit starken Gegnern, aber wir glauben auch daran, dass wir an einem guten Tag ein gutes Team sind.“
„Wenn wir das schaffen [den Einzug in die Runde der letzten 32], dann schreiben wir wieder Geschichte. Denn die Qualifikation für drei der letzten vier großen Turniere ist bereits ein Teil der Geschichte. Wenn wir die Gruppenphase überstehen und das erste Team sein können, das das schafft, dann muss das unser Ziel sein.“
Robertson, der Schottland bereits bei der UEFA EURO 2024 als Kapitän aufs Feld führte, sieht die WM als Höhepunkt einer Karriere, die von Entschlossenheit und Opferbereitschaft geprägt ist. „Nie hätte ich daran gedacht, Kapitän der Nationalmannschaft zu werden. Als kleiner Junge war der Traum natürlich immer, für sein Land zu spielen. Dass ich jetzt bei einer WM dabei bin, ist unglaublich.“
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