Wird Argentinien bei der WM bevorzugt behandelt?

Kurzüberblick
Nach dem knappen 3:2-Sieg gegen Ägypten erhebt der afrikanische Verband Vorwürfe der Parteilichkeit zugunsten Argentiniens und Lionel Messis. Eine Analyse der strittigen Szenen, der Schiedsrichteransetzungen und der Turnierstruktur zeigt, ob die Vorwürfe berechtigt sind.
Wird Argentinien bei der Weltmeisterschaft bevorzugt behandelt? Diese Frage stellt sich nach dem dramatischen 3:2-Sieg der Albiceleste gegen Ägypten im Achtelfinale. Die Ägypter fühlten sich benachteiligt und forderten den Ausschluss des Schiedsrichtergespanns. Eine umfassende Analyse beleuchtet die Vorwürfe und die Rahmenbedingungen des Turniers.
Ägyptens Vorwürfe: „Schwere Schiedsrichterfehler“
Ägypten lag bis zur 79. Minute mit 2:0 in Führung und stand kurz vor dem erstmaligen Einzug ins Viertelfinale. Doch Argentinien drehte die Partie und erzielte in der Nachspielzeit den Siegtreffer. Der ägyptische Trainer Hossam Hassan sprach von „ungerechter Behandlung“ und „schweren Schiedsrichterfehlern“. Insbesondere kritisierte er die Entscheidungen des französischen Schiedsrichters François Letexier und seines Teams.
Ein Tor von Mostafa Zico wurde nach VAR-Eingriff aberkannt, weil Marwan Attia zuvor Lisandro Martínez auf den Fuß getreten hatte. Die Ägypter argumentierten, dass der Treffer hätte zählen müssen. Zudem forderten sie zwei Strafstöße: Hamdi Fathy fühlte sich von Alexis Mac Allister festgehalten, Mohamed Salah sah sich von Julián Álvarez zu Fall gebracht. Die Wiederholungen waren jedoch nicht eindeutig. Die umstrittenen Szenen sind zwar ärgerlich, aber kein Beleg für eine Verschwörung zugunsten Messis.
Argentinische Schiedsrichter im Viertelfinale
Ein weiterer Kritikpunkt: Für das Viertelfinale zwischen Frankreich und Marokko wurde erstmals bei dieser WM ein komplett argentinisches Schiedsrichterteam eingesetzt – mit Facundo Tello als Referee. Dies weckt den Verdacht, Argentinien könnte ein Interesse am Ausscheiden des Turnierfavoriten Frankreich haben. Zwar ist Tello ein erfahrener Unparteiischer, doch die Optik ist ungünstig.
Messi und die rote Karte, die nie kam
Bereits zu Turnierbeginn gab es Diskussionen um eine mögliche rote Karte für Lionel Messi. Sein Foul an Algeriens Kapitän Aissa Mandi blieb ungeahndet – nicht einmal eine gelbe Karte wurde gezeigt. Im Gegensatz dazu wurde Folarin Balogun (USA) nach VAR-Überprüfung des Feldes verwiesen, obwohl beide Spieler ähnliche Kontakte am Unterschenkel verursacht hatten. Wäre Messi gesperrt worden, hätte er fünf seiner acht Turniertore nicht erzielen können.
Gelbe Karten: Argentinien mit milderer Bestrafung?
Ein Blick auf die Statistik zeigt: Argentinien bekommt im Schnitt alle 19,7 Fouls eine gelbe Karte. Nur Tschechien (37,0), Norwegen (24,0) und Tunesien (27,0) haben ein höheres Verhältnis. England dagegen erhält alle 7,7 Fouls eine Verwarnung – obwohl die Three Lions weniger Fouls begangen haben als Argentinien. Dies könnte auf eine mildere Behandlung hindeuten.
Infantinos Vorliebe für Messi
FIFA-Präsident Gianni Infantino scheint Messi bei Turnieren bevorzugt zu sehen. Beim ersten Klub-Weltmeisterschaft 2025 wurde Inter Miami als Gastgeber ausgewählt, obwohl LA Galaxy die MLS-Meisterschaft gewonnen hatte. So konnte Messi im Eröffnungsspiel im Hard Rock Stadium gegen Al Ahly antreten.
Turnierstruktur begünstigt Argentinien
Die FIFA nahm eine kleine, aber bedeutende Änderung an der Auslosung vor: Die vier besten Nationen der Weltrangliste – Frankreich, Argentinien, Spanien und England – wurden in verschiedene Viertelfinalhälften gesetzt. So treffen sie frühestens im Halbfinale aufeinander. Argentinien hatte dadurch den vermeintlich einfachsten Weg: Nach Siegen gegen Kap Verde (Platz 67) und Ägypten (29) wartet nun die Schweiz (19). England musste dagegen Mexiko (14) bezwingen, Spanien traf auf Portugal (5) und Belgien (9), Frankreich auf Marokko (7).
Elfmeter: Argentinien erneut Spitzenreiter
Bereits bei ihrem WM-Titel 2022 stellten die Argentinier mit fünf Elfmetern einen Turnierrekord auf. Auch 2026 führen sie diese Statistik mit drei Strafstößen an – obwohl Messi zwei davon verschoss. England und die Schweiz erhielten zwei, Belgien, Frankreich und Norwegen je einen.
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