Warum so wenige Frauen im Trainerberuf an die Spitze kommen

Kurzüberblick
Hannah Dingley wurde 2023 die erste Cheftrainerin einer professionellen Männermannschaft in England. Sie betont, dass mehr getan werden muss, um Frauen den Aufstieg in Führungspositionen im Trainergeschäft zu erleichtern.
Hannah Dingley schrieb im Jahr 2023 Geschichte, als sie als erste Frau das Amt der Cheftrainerin einer professionellen Männermannschaft in England übernahm. Doch trotz dieses Meilensteins sieht sie weiterhin erhebliche Hürden für Frauen, die im Trainergeschäft Karriere machen wollen. In einem aktuellen Interview betonte Dingley, dass strukturelle Veränderungen und gezielte Fördermaßnahmen notwendig seien, um die Geschlechterungleichheit in Führungspositionen des Sports zu überwinden.
Der historische Schritt und seine Bedeutung
Dingley wurde im Juni 2023 zur Interimstrainerin des englischen Viertligisten Forest Green Rovers ernannt. Damit war sie die erste Frau, die eine Männermannschaft in den oberen vier Ligen des englischen Fußballs betreute. Ihr Einsatz dauerte zwar nur wenige Wochen, doch ihr Schritt wurde als wegweisend gefeiert. Dennoch machte sie deutlich, dass ein einzelner Fall nicht ausreiche, um das grundlegende Problem zu lösen: „Es braucht mehr als eine Person, die eine Tür öffnet. Wir brauchen ein System, das Frauen den Weg ebnet und sie auf dem Weg nach oben unterstützt.“
Die anhaltende Unterrepräsentation von Frauen im Trainerberuf
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut einer Studie der UEFA aus dem Jahr 2022 lag der Anteil weiblicher Trainer in den europäischen Top-Ligen bei unter fünf Prozent. In den unteren Ligen und im Jugendbereich ist die Quote zwar höher, doch der Sprung in die Spitzenpositionen bleibt die Ausnahme. Dingley sieht die Ursachen in tief verwurzelten Vorurteilen und fehlenden Netzwerken: „Frauen haben oft nicht die gleichen Mentoren oder Zugang zu den gleichen Ressourcen wie ihre männlichen Kollegen. Das muss sich ändern.“
Fehlende Vorbilder und strukturelle Barrieren
Ein weiterer Faktor ist der Mangel an weiblichen Vorbildern in Führungspositionen. Während Spielerinnen wie Alex Morgan oder Ada Hegerberg weltweit bekannt sind, bleiben Trainerinnen wie Dingley oder die ehemalige US-Nationaltrainerin Jill Ellis die Ausnahme. Dingley betont, dass gezielte Programme zur Förderung von Trainerinnen notwendig seien, etwa durch Stipendien, Mentoring-Initiativen und flexible Arbeitsmodelle, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.
Internationale Vergleiche und Fortschritte
Während England mit Dingley einen ersten Schritt gemacht hat, sind andere Länder bereits weiter. In Schweden etwa trainieren Frauen mehrere Männermannschaften in den unteren Ligen, und in den USA ist der Anteil weiblicher Trainer im College-Sport deutlich höher. Dingley verweist auf diese Beispiele als Beleg dafür, dass Veränderung möglich ist: „Es ist kein Zufall, dass Länder mit einer stärkeren Gleichstellungskultur auch mehr Frauen im Trainerberuf haben. Wir müssen von ihnen lernen.“
Dingley selbst ist weiterhin im Trainergeschäft tätig und engagiert sich für die Nachwuchsförderung. Sie hofft, dass ihr Beispiel andere Frauen ermutigt, den Weg in den Trainerberuf zu wagen. „Es wird nicht von heute auf morgen passieren, aber jeder Schritt zählt. Mein Ziel ist es, dass es in zehn Jahren nicht mehr außergewöhnlich ist, eine Frau auf der Trainerbank zu sehen.“
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