Frankreich stürmt ins Halbfinale – ist dies das beste Les Bleus aller Zeiten?

Kurzüberblick
Frankreich hat als erste Nation das Halbfinale der Weltmeisterschaft 2026 erreicht. Mit einem beeindruckenden 2:0-Sieg gegen Marokko untermauerten die Franzosen ihre Favoritenrolle.
Frankreich hat sich als erste Mannschaft ins Halbfinale der Weltmeisterschaft 2026 gespielt. Mit einem souveränen 2:0-Erfolg gegen Marokko am Donnerstag in Boston untermauerten die Franzosen ihren Status als Topfavorit auf den Titel. Die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps, der nach diesem Turnier seinen Rücktritt angekündigt hat, zeigt sich in beeindruckender Form und lässt Beobachter fragen: Ist dies das beste französische Team aller Zeiten?
Eine Offensive der Extraklasse
Frankreichs Sieg in Boston war geprägt von einer überlegenen Vorstellung. Mit 22 Torschüssen gegenüber nur fünf der Marokkaner dominierten die Franzosen die Partie nach Belieben. Die Entscheidung fiel in der zweiten Halbzeit innerhalb von sechs Minuten: Kylian Mbappé erzielte nach einem in der ersten Hälfte verschossenen Elfmeter die Führung, ehe Ballon-d'Or-Gewinner Ousmane Dembélé nachlegte. Mbappé führt mit acht Treffern die Torschützenliste an, punktgleich mit Lionel Messi aus Argentinien, aber mit mehr Vorlagen. Dembélé hat nun fünf Tore erzielt – Frankreich ist erst das zweite Team in den letzten 50 Jahren, das zwei Spieler mit mindestens fünf Treffern bei einer WM stellt, nach Brasilien 2002 (Ronaldo acht, Rivaldo fünf).
„Frankreich ist die beste, technisch versierteste und gefährlichste Angriffsmannschaft des Turniers“, sagte der ehemalige schottische Stürmer Pat Nevin bei BBC Radio 5 Live. „Sie haben nicht nur eine Bedrohung, sondern zwei, drei, vier, die jederzeit zuschlagen können.“
Individuelle Klasse und Breite des Kaders
Neben Mbappé und Dembélé verfügt Frankreich über eine Fülle weiterer Offensivkräfte: Michael Olise (Bayern München), die Paris-Saint-Germain-Spieler Bradley Barcola und Desire Doue, Rayan Cherki (Manchester City) sowie Jean-Philippe Mateta (Crystal Palace) warten auf ihre Einsätze. Diese Breite macht die Mannschaft nahezu unberechenbar. Der frühere französische Mittelfeldspieler Patrick Vieira, der 1998 im Finale gegen Brasilien (3:0) spielte, zeigte sich begeistert: „Wir sprechen hier von einer Generation von Spielern. Wenn man den Kader und die Angreifer betrachtet, ist es vielleicht einer der besten – es ist unglaublich.“
Defensive Stabilität und Erfahrung
Auch defensiv präsentiert sich Frankreich stark: In sechs Spielen kassierte die Mannschaft nur zwei Gegentore – eines spät beim 3:1 gegen Senegal, eines beim 4:1 gegen Norwegen, das allerdings bereits für die K.o.-Phase qualifiziert war und viele Stammkräfte schonte. Roy Keane, ehemaliger Kapitän von Manchester United, warnt jedoch vor Überheblichkeit: „Frankreich hat noch mehr Gänge. Sie waren in jeder Hinsicht überlegen, aber das heißt nicht, dass sie nicht geschlagen werden können. Jede Chance, Frankreich zu bezwingen, erfordert das erste Tor. Selbst wenn sie in Rückstand geraten, müssen die Gegner aufmachen, und dann werden sie auseinandergenommen.“
Pat Nevin ergänzt: „Wir haben ein, zwei Schwächen gesehen, mehr nicht. Manchmal lassen sie nach, wenn sie einen Sieg sicher haben. In Wahrheit kann sie vielleicht nur sich selbst stoppen, wenn sie nicht ihr bestes Spiel abrufen.“
Deschamps' letztes Turnier – eine Ära geht zu Ende
Didier Deschamps, seit 2012 im Amt, hat bereits angekündigt, dass dies sein letztes Turnier als Nationaltrainer sein wird. In seinen 14 Jahren führte er Frankreich zum WM-Titel 2018, verlor das Finale 2022 gegen Argentinien, unterlag Portugal im EM-Finale 2016 und scheiterte im Halbfinale der EM 2024 an Spanien. Sollte Frankreich am 19. Juli den dritten WM-Titel holen, wäre dies die Krönung einer außergewöhnlichen Ära. Derzeit steht Frankreich auf Platz drei der Weltrangliste, hinter Titelverteidiger Argentinien und Europameister Spanien.
Der Weg ins Finale
Frankreich kann nun die verbleibenden Viertelfinals verfolgen. Sollte Spanien am Freitag Belgien besiegen, kommt es im Halbfinale am Dienstag in Dallas zum Duell der beiden Top-Nationen. Spanien startete mit einem torlosen Unentschieden gegen Außenseiter Kap Verde, steht aber ohne Gegentor im Viertelfinale. Patrick Vieira sieht Frankreich dennoch klar vorn: „Vor dem Turnier waren wir alle überzeugt, dass Spanien im Halbfinale oder Viertelfinale stehen würde. Ich glaube nicht, dass Frankreich Probleme gegen sie haben wird. Frankreich ist heute besser als vor vier Jahren, Spanien nicht. Ich sehe niemanden, der die Franzosen vom Finale abhalten kann.“
Ian Wright, ehemaliger englischer Stürmer, bezeichnete Deschamps' Team vor dem Marokko-Spiel als „einen der klarsten Favoriten, die ich je bei einer WM gesehen habe“. Nach dem dominanten Auftritt blieb er bei seiner Meinung: „Es ist schwer, eine Schwäche zu erkennen. Wenn Spanien weiterkommt, haben sie vielleicht die Qualität, um sich durchzukombinieren, und mit Lamine Yamal die Pace, um zu bestrafen, aber Frankreich wirkt unantastbar. Dazu kommt die individuelle Brillanz.“
Frankreich hat bisher Senegal, Irak, Norwegen, Schweden, Paraguay und Marokko besiegt und steht ohne Makel da. Zwei Siege fehlen noch zum dritten Weltmeistertitel. Die Mannschaft kann nun entspannt die anderen Viertelfinals verfolgen, bevor sie ins Halbfinale eingreift.
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