Amir Al Ammari: „Wir werden zeigen, dass der Irak immer wieder aufsteht“

Kurzüberblick
Der irakische Mittelfeldspieler Amir Al Ammari spricht über die Rückkehr seines Landes zur WM nach 40 Jahren, den unerschütterlichen Geist des Teams und die Hoffnungen für das Turnier.
Nach mehr als zwei Jahren und 21 Spielen hat der Irak es geschafft: Die Mannschaft hat sich für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ qualifiziert und damit eine 40-jährige Durststrecke beendet. Auf dem Weg dorthin durchlief das Team Phasen der Hoffnung und der Sorge, meisterte zahlreiche Herausforderungen und absolvierte die längste Qualifikationskampagne aller 48 teilnehmenden Nationen. Für Amir Al Ammari, den 28-jährigen Mittelfeldspieler, der für den polnischen Klub Cracovia spielt, spiegelt dieser Weg den Charakter seiner Mannschaft perfekt wider: „Wir finden immer einen Weg zurück.“
Die Qualifikation: Eine Achterbahn der Gefühle
Die Qualifikation begann für den Irak 2023 und war geprägt von Höhen und Tiefen. In der zweiten Runde blieb das Team ungeschlagen, doch dann folgten schwierige Niederlagen, insbesondere gegen Palästina. „Es fühlte sich an, als ob es nicht unser Weg wäre“, erinnert sich Al Ammari. Doch die irakischen Fans hielten dem Team die Treue. „Das irakische Volk unterstützt uns, und wir finden immer einen Weg zurück – genau das haben wir getan. Ich glaube, jedes Spiel hat uns stärker gemacht.“
Mit einem neuen Trainerteam und einem klaren Ziel wuchs die Gruppe zusammen. „Ich bin wirklich stolz auf das, was wir als Team, als Gruppe und als Brüder erreicht haben. Das fühlt sich wirklich wie eine Familie an“, so Al Ammari.
Die Bedeutung der WM-Teilnahme
Für Al Ammari bedeutet die Teilnahme an der WM alles. „Ich habe viele Jahre hart dafür gearbeitet. Als Kind träumt man davon, vor dem Fernseher zu sitzen und die Spiele zu sehen. Jetzt bin ich hier und weiß, dass ich bei der WM spielen werde. Ich kann es immer noch nicht glauben. Meine Gefühle sind durcheinander. Ich muss das alles erst einmal sacken lassen – wahrscheinlich wird mir erst zu Hause richtig bewusst, was passiert ist.“
Der Druck sei enorm, denn man spiele nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Nation. „Man spielt für seine Teamkollegen, für das Trainerteam, für jeden Iraker im In- und Ausland. Die Freude der anderen zu sehen, wenn wir gewinnen, bedeutet mir mehr als der Sieg selbst. Ich mache das, was ich am meisten liebe, und gleichzeitig mache ich andere Menschen glücklich. Deshalb genieße ich jeden Moment, wenn ich das irakische Trikot trage.“
Die Gruppenphase: Große Herausforderungen warten
Der Irak trifft in der Gruppenphase auf hochkarätige Gegner. Das Team startet am 16. Juni in Boston gegen Norwegen, trifft dann am 22. Juni in Philadelphia auf den Vizeweltmeister von 2022, Frankreich, und schließt die Gruppenphase am 26. Juni in Toronto gegen Senegal ab. Al Ammari ist zuversichtlich: „Wir werden ihnen unsere Mentalität zeigen und wie der Irak immer wieder zurückkommt – nicht nur auf dem Platz, sondern auch durch alles, was der Irak abseits des Platzes durchgemacht hat. Wir werden das mitnehmen, um zu zeigen, wie viel Herz und Stärke ein irakischer Spieler hat.“
Der Mittelfeldspieler sieht die Begegnungen mit den Weltstars als Chance: „Jeder steigert sein Niveau, wenn er gegen die Besten spielt. Das haben wir gegen Japan bei der Asienmeisterschaft erlebt. Alle haben ihr Spiel um einen großen Prozentsatz verbessert. Es geht darum, den Moment zu genießen und im Moment zu sein. Am Ende sind sie auch nur Menschen, und es steht 11 gegen 11. Wenn wir gegen die größten Stars auf den Platz treten, werde ich den Moment genießen, aber ich werde auch kämpfen.“
Die Botschaft an die Welt
Al Ammari hofft, dass der Irak bei der WM nicht nur sportlich überzeugen kann, sondern auch eine Botschaft der Stärke und des Zusammenhalts vermittelt. „Wir sollten mit der Mentalität hineingehen, Spiel für Spiel zu nehmen. Wir sollten uns nicht auf alles konzentrieren, was um uns herum passiert, oder darauf, wie groß alles ist. Es ist ein Spiel, es dauert 90 Minuten, und es steht 11 gegen 11. Wir sollten stolz sein, einfach nur auf den Platz zu treten.“
Der Irak hat sich nach 40 Jahren wieder für die WM qualifiziert – ein Triumph, der die Widerstandsfähigkeit einer Nation zeigt, die immer wieder aufsteht.
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