DFB will Gespräche mit Klopp – Nagelsmann tritt zurück

Kurzüberblick
Nach dem frühen WM-Aus gegen Paraguay hat Julian Nagelsmann seinen Rücktritt als Bundestrainer erklärt. Der DFB sucht nun das Gespräch mit Jürgen Klopp, der grundsätzlich bereit sein soll, die Nachfolge anzutreten.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) strebt Gespräche mit Jürgen Klopp über die Übernahme des Trainerpostens der Männer-Nationalmannschaft an, nachdem Julian Nagelsmann zurückgetreten ist. Nagelsmann hatte am Donnerstag um seine Entlassung gebeten, nachdem die Mannschaft in der Vorrunde der Weltmeisterschaft ausgeschieden war. Der DFB kam diesem Wunsch nach und beendete das Vertragsverhältnis mit dem 38-jährigen ehemaligen Bayern-Trainer mit sofortiger Wirkung.
DFB bestätigt Kontaktaufnahme mit Klopp
In einer Stellungnahme erklärte der DFB, man werde „nun das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen“ und fügte hinzu: „Er hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, die Position zu übernehmen.“ Deutschland war am Montag aus dem Turnier ausgeschieden, nachdem der vierfache Weltmeister im Achtelfinale gegen Paraguay im Elfmeterschießen verloren hatte.
Ursprünglich hatte Nagelsmann, der 2023 berufen worden war, betont, im Amt bleiben zu wollen. Nach dem Spiel sagte er: „Ich bin nicht jemand, der wegläuft.“ In einer Erklärung am Freitag hieß es jedoch: „Ich habe in den Tagen seit unserem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit vertrauten Personen sowohl persönlich als auch innerhalb des Verbandes beraten. Die Entscheidung war alles andere als einfach für mich. Meine oberste Priorität war stets der Erfolg der Mannschaft. Nach einer so bitteren Enttäuschung verdienen sie die Chance auf einen Neuanfang.“
Nagelsmanns Bilanz als Bundestrainer
Es war Nagelsmanns zweites großes Turnier. Deutschland hatte bei der EM 2024 als Gastgeber das Viertelfinale erreicht, wo man nach Verlängerung gegen den späteren Sieger Spanien verlor. Seit dem WM-Titel 2014 hat Deutschland kein K.o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft mehr gewonnen. 2018 und 2022 scheiterte man unter Joachim Löw beziehungsweise Hansi Flick bereits in der Gruppenphase.
Nagelsmann, der zuvor die Bundesligisten RB Leipzig und die TSG 1899 Hoffenheim trainiert hatte, löste Flick im September 2023 ab. Sein Vertrag lief zunächst bis nach der EM 2024, wurde dann bis zur diesjährigen WM und später bis zur EM 2028 verlängert.
„Nach dem enttäuschenden WM-Aus für alle verdient Julians Entscheidung unseren Respekt, weil er Verantwortung übernimmt, wo er gerne weiter gestalten würde, und die Nationalmannschaft als Ganzes über sich selbst stellt“, sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler. „Natürlich hätten wir uns alle ein anderes Turnier und eine überzeugendere Leistung unserer Mannschaft gewünscht. Aber Julian ist und bleibt ein hervorragender Trainer, und ich bin überzeugt, dass er seinen erfolgreichen Weg fortsetzen wird.“
Kritik an Nagelsmanns Entscheidungen
Kapitän Joshua Kimmich betonte, die Mannschaft müsse Verantwortung für das frühe Aus übernehmen. Allerdings hatte Nagelsmann Kimmich als Rechtsverteidiger aufgestellt, statt den Mittelfeldspieler des FC Bayern auf seiner angestammten Position einzusetzen. Zudem holte er Leroy Sané von Galatasaray in die Startelf und berief den 40-jährigen Torwart Manuel Neuer zurück, obwohl Oliver Baumann in allen sechs WM-Qualifikationsspielen zum Einsatz gekommen war.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte am Mittwoch, er habe sich am Dienstag mit Nagelsmann, Völler und DFB-Sportdirektor Andreas Rettig ausgetauscht. Sie seien sich einig gewesen, dass „die Leistung Deutschlands bei der WM nicht unseren Ansprüchen genügt“ habe. Neuendorf fügte hinzu: „In den kommenden Tagen werden wir uns die Zeit nehmen, in Ruhe gemeinsam die Gründe zu besprechen: warum die Mannschaft ihre Qualität nicht zeigen konnte und warum sie die Erwartungen der Fans in ganz Deutschland nicht erfüllt hat. Nach einem Rückschlag dieses Ausmaßes können und werden wir nicht einfach weitermachen, als ob nichts geschehen wäre.“
Der ehemalige Nationalspieler Arne Friedrich sagte nach der Niederlage gegen Paraguay bei BBC Radio 5 Live: „Wenn man das gesamte Turnier betrachtet, wie wir gespielt haben, ist die Niederlage verdient. Nagelsmann muss die Konsequenzen tragen. Es ist sehr enttäuschend, aber das ist Sport. Ich würde definitiv sagen, die Reise geht ohne Nagelsmann weiter.“ Der frühere Mittelfeldspieler Thomas Hitzlsperger ergänzte bei BBC One: „Es ist schwer zu erklären, wie Deutschland mit so vielen Problemen in dieses Turnier gekommen ist. Es ist inakzeptabel. Für Nagelsmann sieht es nicht gut aus. In den letzten Monaten ist er mit Situationen nicht gut umgegangen. Bei einem erweiterten WM-Format so früh auszuscheiden, wäre für jede große Nation schwer zu verkraften.“
Klopps Werdegang seit Liverpool
Klopp führte den FC Liverpool in neun Jahren an der Anfield Road zu sieben großen Titeln, darunter die Premier-League-Meisterschaft 2019/20 und den Champions-League-Sieg 2019. Der 59-Jährige trat 2024 zurück und wurde im Januar 2025 Leiter des globalen Fußballs bei Red Bull. Immer wieder wurde er mit einer Rückkehr in den Vereinsfußball in Verbindung gebracht, zuletzt im März mit Real Madrid, was er als „alles Unsinn“ bezeichnete.
Klopps Präsenz bei der WM, wo er als Experte für das deutsche Fernsehen arbeitet, überschattete Deutschlands Kampagne bereits vor dem Ausscheiden. Vor dem Eröffnungsspiel diskutierte er mit dem ehemaligen Stürmer Thomas Müller über die Aufstellung und sagte: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch.“ Dies deutete darauf hin, dass Klopp den Amtsinhaber früher oder später ersetzen würde, obwohl er sich später entschuldigte und erklärte, es sei ein Versprecher gewesen. Der DFB hat nun bestätigt, dass er bereit ist, die Rolle zu übernehmen.
Im Januar 2024, als Klopp überraschend seinen Abschied von Liverpool zum Sommer ankündigte, sagte er, ihm gehe „die Energie aus“. Nach einer Auszeit vom Alltagsgeschäft eines Spitzenklubs scheint der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund und Mainz 05 nun bereit für eine Rückkehr auf die internationale Bühne.
Klopp als Retter der Nationalmannschaft?
Durch seine Tätigkeit als Experte für MagentaTV war Klopp in den letzten Wochen stark um die Nationalmannschaft präsent. Er und Müller haben eine gute Chemie vor der Kamera und sind beim heimischen WM-Publikum beliebt. Gleichzeitig fragten sich viele, ob und wann Klopp wieder coachen würde. Seine Berufung zu Red Bull wurde aufgrund des Aufstiegs von RB Leipzig zum Bundesliga-Machtfaktor gemischt aufgenommen. Dennoch bleibt Klopp eine der beliebtesten Figuren im deutschen Fußball, und angesichts der Niederlage gegen Paraguay und Nagelsmanns Sturz wird er als Retter der Nationalmannschaft gesehen.
Klopp verdient in seiner Position bei Red Bull etwa 8,5 Millionen Pfund pro Jahr, 2,5 Millionen mehr als Nagelsmann als Bundestrainer erhielt. Es wird eine teure Verpflichtung für den DFB, aber die Ankündigung von Gesprächen deutet darauf hin, dass man sich einer Einigung recht sicher ist. Das unmittelbare Ziel für Klopp wäre die Qualifikation für die EM 2028 und eine erfolgreiche Kampagne. Langfristig soll er die Nationalmannschaft erneuern und auf das Niveau vor 2016 zurückführen. Die Tatsache, dass Sportdirektor Rettig seinen DFB-Vertrag nicht verlängert und damit zum Jahresende ausscheidet, deutet darauf hin, dass weitere Veränderungen anstehen. Rettig war im Verband für die Nationalmannschaft und das Nachwuchsleistungszentrum zuständig.
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