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DFB vor Richtungsentscheidung: Nagelsmann unter Druck, Klopp als HoffnungsträgerNach dem frühen WM-Aus gegen Paraguay wächst der Druck auf Bundestrainer Julian Nagelsmann. Fans und Medien fordern Konsequenzen, während Jürgen Klopp als möglicher Nachfolger gehandelt wird. Die deutsche Nationalmannschaft steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung./images/de/2026/07/dfb-vor-richtungsentscheidung-nagelsmann-unter-druck-klopp-als-hoffnungstrager-d695d8ea-800w.webpDFB vor Richtungsentscheidung: Nagelsmann unter Druck, Klopp als Hoffnungsträger

DFB vor Richtungsentscheidung: Nagelsmann unter Druck, Klopp als Hoffnungsträger

Aktualisiert 4 min read
Julian Nagelsmann und Jürgen Klopp nebeneinander auf einer Pressekonferenz im DFB-Quartier, beide in Anzug und Krawatte, ernste Mienen.

Kurzüberblick

Nach dem frühen WM-Aus gegen Paraguay wächst der Druck auf Bundestrainer Julian Nagelsmann. Fans und Medien fordern Konsequenzen, während Jürgen Klopp als möglicher Nachfolger gehandelt wird. Die deutsche Nationalmannschaft steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung.

Für die deutschen Fußballfans ist der Superlativ eingetreten: Nicht nur ein weiteres frühes Aus bei einem großen Turnier, sondern auch die erste Elfmeter-Niederlage bei einer Weltmeisterschaft. Nach dem schmerzhaften Achtelfinal-Aus gegen Paraguay stellt sich die Frage, ob der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Reißleine zieht und Bundestrainer Julian Nagelsmann durch Jürgen Klopp ersetzt.

Nagelsmann trotzig nach dem Aus

Der 38-jährige ehemalige Bayern-Trainer weigerte sich nach der 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen in Boston, seinen Rücktritt anzubieten. „Ich bin keiner, der wegläuft“, sagte Nagelsmann. Doch die Fans brauchen dringend Hoffnung, und Nagelsmann kann diese derzeit nicht bieten. Seine öffentliche Kommunikation – oft gereizt und schroff – kommt schlecht an. Im Kontrast dazu steht Jürgen Klopp, der als TV-Experte bei der WM glänzt und mit seiner gewohnt humorvollen und charmanten Art überzeugt. Den Fans ist bewusst, dass man nicht zwanzig Spieler austauschen kann, aber sehr wohl den Trainer.

Deutschland droht der Anschlussverlust

Seit dem letzten WM-Triumph 2014 ist die deutsche Nationalmannschaft zweimal in der Vorrunde gescheitert (2018 und 2022) und nun im ersten K.o.-Spiel der WM 2026 ausgeschieden. Dabei boomt der deutsche Fußball im Inland: Die Stadien der Bundesliga sind voll, selbst Drittligaspiele locken zehntausende Zuschauer an. Doch die Nationalmannschaft droht international den Anschluss zu verlieren. Zwar gibt es mit Florian Wirtz, Jamal Musiala und Bayerns neuem Talent Lennart Karl eine vielversprechende junge Generation, doch die Breite an außergewöhnlichen Talenten fehlt derzeit.

Nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM 1998 und dem blamablen Vorrunden-Aus bei der EM 2000 hatte der DFB grundlegende Reformen in der Nachwuchsarbeit und Trainerausbildung eingeleitet. Ob der Verband erneut zu tiefgreifenden Veränderungen fähig ist, bleibt abzuwarten. Strukturelle Änderungen brauchen Zeit – ein Trainerwechsel könnte dagegen sofort vollzogen werden.

Kapitän Kimmich stellt sich hinter Nagelsmann

Nach der Niederlage wies Nagelsmann Rücktrittsforderungen zurück. Kapitän Joshua Kimmich sprach sich für einen Verbleib des Bundestrainers aus und betonte, die Mannschaft trage die Verantwortung für das enttäuschende Abschneiden. „Fakt ist, dass wir den Menschen zu Hause nicht geben konnten, was wir wollten“, sagte der Bayern-Profi. „Das ist schade, besonders in einer Zeit, in der es gut für Deutschland gewesen wäre, wenn wir etwas gehabt hätten, worauf wir stolz sein können. Die Nationalmannschaft ist das nicht.“

Lobenswert, dass Kimmich und andere die Schuld auf sich nehmen wollen. Doch der Trainer war für diese enttäuschende Kampagne verantwortlich. Nagelsmann entschied sich für die umstrittene Rückkehr des 40-jährigen Torwarts Manuel Neuer, der nicht in Bestform war. Er setzte Kimmich als Rechtsverteidiger ein statt auf dessen angestammter Position im zentralen Mittelfeld. Und er vertraute auf ältere Spieler wie Leroy Sané und Leon Goretzka. Nagelsmanns Vertrag, Anfang 2025 verlängert, läuft bis nach der EM 2028. Eine Entlassung wäre teuer, aber vielleicht der einzige Weg zu einem Neuanfang.

Medien reagieren mit harscher Kritik

Die deutsche Presse fällt vernichtende Urteile. Die Bild spricht von „dem nächsten deutschen Fußball-Albtraum“ und einer „Blamage“. Kolumnist und Ex-Kapitän Mats Hummels fordert Konsequenzen: „Da muss es definitiv Konsequenzen geben. Das muss thematisiert werden – sowohl vom Bundestrainer selbst als auch vom Verband. Zumindest muss darüber diskutiert werden.“ Die Welt bezeichnet den Abend als „Desaster für Nagelsmann und die Spieler“ und spricht von einer „Demütigung“. Der Spiegel titelt: „Nagelsmann sieht jeden Fehler – nur nicht seine eigenen“ und vergleicht den Trainer mit jemandem, der „ein Leck nach dem anderen stopft und übersieht, dass das Boot auf einen Eisberg zurast.“

Einige Medien kritisieren zudem die Reaktion von Bundeskanzler Friedrich Merz. Dieser schrieb auf X: „Auch wenn das Aus wehtut: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Kolumnistin Marion Horn nannte den Post ein „Desaster“ und „vernichtend“ und fügte hinzu: „Die brutale WM-Niederlage gegen Paraguay, der Trainer, die Einstellung und die Leistung der deutschen Spieler sind symptomatisch für den Zustand des gesamten Landes.“

Klopp als Schattenmann

Eine Figur überschattete bereits vor dem Aus alles: Jürgen Klopp. Ein Versprecher sorgte für Schlagzeilen: Vor dem Eröffnungsspiel diskutierte Klopp mit Thomas Müller über die Aufstellung und sagte, Nagelsmann werde „noch“ über die Personalien entscheiden. Er entschuldigte sich später: „Ich werde übermorgen 59 und bin immer noch blöd.“ Dennoch entstand der Eindruck, Klopp sei als eine Art Schattenminister präsent, bereit, den Amtsinhaber früher oder später zu beerben. Klopp ist seit Anfang 2025 „Head of Global Soccer“ bei Red Bull und in wichtige Entscheidungen der Red-Bull-Klubs eingebunden, während er Anfragen von Vereinen wie Real Madrid ablehnte. Gerüchten zufolge könnte Klopp mit dem Klubfußball abgeschlossen haben, aber die Nationalmannschaft reizt ihn noch. In seiner glanzvollen Karriere rettete er Borussia Dortmund vor der Insolvenz und führte Liverpool aus dem Niemandsland der Premier League zurück an die Spitze. Vielleicht ist es Zeit, ein weiteres Team zu retten und das letzte Kapitel seiner Trainerkarriere zu schreiben.

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