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Mathegenie und Teeniestar: Bouaddi entscheidet sich für MarokkoAyyoub Bouaddi, 18-jähriges Mittelfeldtalent von Lille, gab sein WM-Debüt für Marokko gegen Brasilien und überzeugte mit einer reifen Leistung. Der Mathestudent, der auch Frankreich hätte wählen können, entschied sich aus Stolz auf seine Wurzeln für Marokko./images/de/2026/06/mathegenie-und-teeniestar-bouaddi-entscheidet-sich-fur-marokko-4858bf77-800w.webpMathegenie und Teeniestar: Bouaddi entscheidet sich für Marokko

Mathegenie und Teeniestar: Bouaddi entscheidet sich für Marokko

Aktualisiert 3 min read
Ayyoub Bouaddi im marokkanischen Trikot beim WM-Spiel gegen Brasilien im New York New Jersey Stadium — latest news and analysis.

Kurzüberblick

Ayyoub Bouaddi, 18-jähriges Mittelfeldtalent von Lille, gab sein WM-Debüt für Marokko gegen Brasilien und überzeugte mit einer reifen Leistung. Der Mathestudent, der auch Frankreich hätte wählen können, entschied sich aus Stolz auf seine Wurzeln für Marokko.

Olivier Giroud kennt sich mit außergewöhnlichen Talenten aus. Der Weltmeister von 2018 und BBC-Sportexperte zog einen bemerkenswerten Vergleich: „Ich habe mit Kylian Mbappé gespielt, als er 18 war. Er war für sein Alter so reif – und dasselbe Gefühl habe ich bei Ayyoub.“ Die Rede ist von Ayyoub Bouaddi, dem 18-jährigen Mittelfeldspieler des OSC Lille, der bei seinem WM-Debüt für Marokko gegen Brasilien für Furore sorgte.

Girouds Lob ist keine Übertreibung. Die beiden sind Vereinskollegen bei Lille, und Giroud hat aus nächster Nähe miterlebt, wie Bouaddi Tag für Tag an sich arbeitet. „Sein Aufstieg ist nichts Neues“, bestätigt ein Insider aus dem Umfeld des Klubs. Auch in Creil, der nordfranzösischen Stadt, in der Bouaddi aufwuchs, überrascht der Durchbruch niemanden. Sein ehemaliger Jugendtrainer Sofiane Khair sagt: „Hier ist niemand schockiert. Für uns ist das logisch.“

Ein Mittelfeldspieler mit außergewöhnlicher Reife

Bouaddi beeindruckte beim 1:1-Unentschieden gegen Brasilien im New York New Jersey Stadium mit einer abgeklärten Vorstellung. Kein marokkanischer Spieler hatte mehr Ballkontakte (87) oder absolvierte mehr Pässe (60) als er. Während andere in der Hitze nachließen, dribbelte Bouaddi immer wieder an gelben Trikots vorbei und trieb Marokko nach vorne – selbst in den Schlussminuten. Auch in den Zweikämpfen zeigte er keine Scheu: Er gewann neun Duelle und ließ Brasiliens Routinier Casemiro mehrfach alt aussehen. Casemiro wurde nach einer „Meisterklasse“ von Bouaddi, wie Marokkos Kapitän Achraf Hakimi es nannte, zur Halbzeit ausgewechselt.

Für Armand Doue, einen weiteren früheren Coach aus Creil, war das nichts Besonderes: „Solche Spiele liefert er jedes Wochenende auf den Plätzen der Ligue 1 ab.“

Schon Rekorde gebrochen – und noch mehr in Aussicht

Bouaddis Fähigkeit, auf großer Bühne zu bestehen, zieht sich durch seine gesamte Karriere. Er wurde im September 2023 zum jüngsten Spieler, der je für Lille auflief, als er wenige Tage nach seinem 16. Geburtstag gegen KI debütierte. An seinem 17. Geburtstag half er Lille dabei, Real Madrid in der Champions League zu besiegen, und wurde von den Fans im Stade Pierre-Mauroy gefeiert. Später brach er einen Rekord von Eden Hazard, als er mit nur 18 Jahren seinen 50. Ligue-1-Einsatz für Lille absolvierte.

Giroud ist besonders von Bouaddis Lernbereitschaft beeindruckt: „Er ist der perfekte Teamkollege. Er weiß, dass er noch nicht fertig ist. Er ist ein echter Box-to-Box-Spieler, aber er muss an einigen Dingen arbeiten, zum Beispiel am Abschluss.“

Die Entscheidung für Marokko – aus tiefster Überzeugung

Bouaddi hätte auch für Frankreich spielen können, für das er sämtliche Jugendnationalmannschaften durchlief. Doch er entschied sich für Marokko, das Land seiner Familie. Um seine Wahl zu erklären, veröffentlichte er auf Instagram ein altes Foto: Es zeigt den Zehnjährigen im marokkanischen Trikot, wie er bei der WM 2018 von der Tribüne aus zusieht. Dazu schrieb er: „Ich bin mir des Privilegs bewusst, diese Farben zu verteidigen, und ich werde alles geben, um mein Land bestmöglich zu repräsentieren.“

Giroud, der als französischer Teamkollege versuchte, Bouaddi für Frankreich zu gewinnen, scherzte: „Ich habe ihn das ganze Jahr über damit aufgezogen, dass er sich für Frankreich entscheiden soll.“ Doch Bouaddi blieb standhaft.

Der Perfektionist mit dem Mathestudium

Bouaddi ist nicht nur auf dem Platz außergewöhnlich. In seiner Freizeit studiert er Mathematik und hat bereits einen Redewettbewerb im Élysée-Palast gewonnen. Sein Jugendtrainer Khair erinnert sich: „Ayyoub hatte keine PlayStation oder einen Nintendo DS. Wenn er nicht spielte, blieb er zu Hause, las Bücher oder machte Hausaufgaben. Er aß auch nie Fast Food. Wenn wir zu Turnieren fuhren, war er das einzige Kind, das keine Burger oder Pizza aß. Er ist heute noch so wie mit zehn Jahren.“

Sein Perfektionismus zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit seinem Mentor Diop, der ihn als „Spieler, der sich ständig hinterfragt“ beschreibt. Mickael Delestrez, sein Trainer bei Lilles U17, ergänzt: „Er ist einer dieser Jungs, die bei ihrem ersten Spiel in einer höheren Altersklasse fragen: ‚Was erwartest du von mir?‘ Seine reflektierte Art führt dazu, dass er ständig sein Spiel hinterfragt – was hätte er besser machen können, was hätte er anders machen sollen? Diese analytische Fähigkeit erlaubt es ihm, sich immer wieder herauszufordern.“

Am Freitag trifft Bouaddi mit Marokko im nächsten WM-Spiel auf Schottland. Sein erstes Tor im Nationaltrikot lässt noch auf sich warten, doch seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.

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