Rekord-Unentschieden und Europas Fehlstart – Fehlt der WM die Spannung?

Kurzüberblick
Die erste Woche der WM 2026 ist geprägt von einer Rekordzahl an Unentschieden. Acht der ersten 16 Spiele endeten remis, so viele wie nie zuvor. Europas Topteams tun sich schwer, während Außenseiter punkten – das neue 48-Team-Format könnte die Dynamik verändern.
Die erste Woche der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird von einem Phänomen dominiert, das es in dieser Form noch nie gegeben hat: Unentschieden. Gleich acht der ersten 16 Partien endeten ohne Sieger – ein Rekord für das Turnier. Zum Vergleich: Die bisherigen Höchstwerte lagen bei sieben Remis nach 16 Spielen, aufgestellt in den Jahren 1974, 1982 und 1986.
Besonders bemerkenswert war der Montag, an dem alle vier ausgetragenen Begegnungen unentschieden endeten. Spanien kam gegen Kap Verde nicht über ein 0:0 hinaus, Belgien trennte sich 1:1 von Ägypten, Saudi-Arabien und Uruguay spielten ebenfalls 1:1, und Iran und Neuseeland lieferten sich ein unterhaltsames 2:2. Dies war das erste Mal seit dem 15. Juni 1958, dass an einem einzigen Tag vier WM-Spiele alle ohne Sieger blieben.
Das neue Format und seine Folgen
Das auf 48 Teams aufgestockte Teilnehmerfeld könnte eine entscheidende Rolle spielen. Da nach der Gruppenphase nur 16 der 48 Mannschaften ausscheiden, ist der Druck, das erste Spiel zu gewinnen, deutlich geringer als bei früheren Turnieren. In der Vergangenheit bedeutete eine Niederlage oder ein Unentschieden zum Auftakt oft das Aus, doch nun reichen drei Punkte aus drei Spielen mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Einzug in die K.o.-Runde. Selbst drei Unentschieden könnten für das Weiterkommen genügen.
Laut einer Analyse von Football Meets Data liegt die Wahrscheinlichkeit, mit drei Punkten und einer Tordifferenz von -1 weiterzukommen, bei 87,5 Prozent. Bei einer Differenz von -2 sinkt sie auf 69,4 Prozent, bei -3 auf 47,3 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, wie sehr das neue Format die Risikobereitschaft der Teams beeinflussen könnte.
Europas Startschwierigkeiten
Die europäischen Mannschaften tun sich in der ersten Woche besonders schwer. Als Belgien am Montag gegen Ägypten nur ein 1:1 erreichte, war dies bereits das siebte Unentschieden oder die siebte Niederlage eines europäischen Teams im ersten Spiel. Von zehn gestarteten Europäern gewannen lediglich drei: Deutschland besiegte Curaçao, Schottland setzte sich gegen Haiti durch, und Schweden bezwang Tunesien. England, Kroatien, Frankreich, Norwegen, Österreich und Portugal haben ihre Auftaktpartien noch vor sich.
Bemerkenswert ist, dass die europäischen Nationen in acht der zehn Spiele als Favoriten ins Rennen gegangen waren – gemessen an der Weltrangliste. Die Frage stellt sich, ob die heißen Bedingungen in Nordamerika eine Rolle spielen. In Seattle, wo Belgien gegen Ägypten spielte, wurden Temperaturen über 30 Grad Celsius gemessen – einer der heißesten Tage des Jahres in der Stadt. Der Anstoß erfolgte zur Mittagszeit.
Belgiens Trainer Rudi Garcia wollte die Hitze jedoch nicht als Ausrede gelten lassen: „Ob es 10 Grad oder 30 Grad sind, wir hätten besser spielen müssen.“ Er räumte jedoch ein, dass der Rasen unter den Bedingungen gelitten habe: „Der Rasen hätte wirklich bewässert werden müssen. Er war sehr trocken, und dadurch wurde der Ball verlangsamt.“
Ähnlich äußerte sich der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin nach dem 1:1 gegen Katar. Seine Mannschaft hatte 26 Torschüsse und einen Expected-Goals-Wert von 3,24, konnte aber nur ein Tor erzielen. Yakin verwies auf die mangelnde Effizienz seiner Mannschaft, nicht auf die äußeren Umstände.
Südamerika ohne Sieg
Während Europa zumindest drei Siege vorweisen kann, ist die Bilanz der südamerikanischen Teams noch schlechter: Kein einziger Vertreter aus Südamerika hat bislang gewonnen. Brasilien, der Rekordweltmeister mit fünf Titeln, kam gegen Marokko nicht über ein Unentschieden hinaus. Uruguay, der erste Weltmeister der Geschichte, spielte 1:1 gegen Saudi-Arabien. Paraguay unterlag dem Co-Gastgeber USA deutlich mit 1:4. Argentinien und Kolumbien haben ihre ersten Spiele noch nicht bestritten.
Der frühere uruguayische Nationalspieler Gus Poyet zeigte sich auf BBC One enttäuscht über die Leistung Brasiliens: „Ich war überrascht, wie schlecht sie technisch waren. Ich weiß nicht, ob es am Platz lag – vielleicht hat der Rasen nicht geholfen –, aber sie haben einfache Pässe vergeben, die man von brasilianischen Spielern eigentlich erwarten würde.“
Asien und Afrika überraschen
Im Gegensatz zu den etablierten Fußballnationen haben die asiatischen Teams bisher alle Spiele ohne Niederlage überstanden. Auch die afrikanischen Mannschaften konnten gegen höher eingeschätzte Gegner punkten. Dies unterstreicht, wie schwer sich die traditionellen Fußballmächter in diesem Turnier tun und wie sehr sich das Kräfteverhältnis im Weltfußball verschiebt.
Für alle Mannschaften, die einen schwachen Start erwischt haben, gilt jedoch: Nach dem ersten Spiel ist noch nichts entschieden. Mit zwei weiteren Gruppenspielen haben sie ausreichend Gelegenheit, sich zu steigern und den Einzug in die K.o.-Runde zu sichern. Die WM 2026 bleibt also spannend – auch wenn die erste Woche von vielen Unentschieden geprägt war.
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