Frankreich-Legende Fernandez: „Ich drücke Frankreich die Daumen, aber Spanien hat einen Platz in meinem Herzen“

Kurzüberblick
Luis Fernandez, geboren in Spanien und aufgewachsen in Frankreich, blickt auf das WM-Halbfinale zwischen seinen beiden Heimatländern voraus.
Luis Fernandez ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten des französischen Fußballs der letzten Jahrzehnte. Der gebürtige Spanier, der im Alter von fünf Jahren nach Frankreich zog, gewann 1984 mit der Équipe Tricolore die Europameisterschaft – an der Seite von Legende Michel Platini. Nach seiner aktiven Karriere schlug er eine erfolgreiche Trainerlaufbahn ein, die ihn unter anderem zu Paris Saint-Germain, Athletic Bilbao, Espanyol Barcelona, Betis Sevilla und zur israelischen Nationalmannschaft führte.
Der 66-Jährige fühlt sich beiden Ländern eng verbunden, was ihm eine einzigartige Perspektive auf das anstehende Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien verleiht. „Ich wurde in Spanien geboren, aber ich zog mit meiner Mutter und meinen Geschwistern nach Frankreich, als ich fünf war, nachdem mein Vater gestorben war. Wir wurden dort willkommen geheißen und bekamen die Möglichkeit, aufzuwachsen, zu arbeiten und uns ein Leben aufzubauen. Ich habe immer gesagt, dass ich mich in erster Linie als Franzose betrachte, weil ich für Les Bleus gespielt habe und die französische Staatsbürgerschaft besitze. Aber Spanien wird immer einen Platz in meinem Herzen haben, weil ich dort noch Familie habe. Wir besuchen oft Tarifa, und ich bin immer unheimlich stolz, dorthin zurückzukehren. Nach Frankreich ist Spanien mein liebstes Reiseland“, erklärt Fernandez.
Frankreichs Stärke und Mbappes Führungsrolle
Fernandez zeigt sich begeistert von der französischen Mannschaft: „Frankreich anzusehen, ist eine wahre Freude. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet, und mit Kylian Mbappé haben sie einen Kapitän, der alles für das Team gibt und mit gutem Beispiel vorangeht. Auch Spieler wie Ousmane Dembélé, Bradley Barcola und die anderen Angreifer zeigen außergewöhnlichen Fußball. Das Mittelfeld und die Abwehr wirken ebenfalls stark. Ich glaube, Frankreich hat das Zeug, die Weltmeisterschaft zu gewinnen.“
Der frühere Mittelfeldspieler hebt die Tradition französischer Stürmer hervor: „Frankreich hat schon immer herausragende Stürmer hervorgebracht. Zu Zinédine Zidanes Zeiten hatten wir Youri Djorkaeff, dann kamen Antoine Griezmann, Olivier Giroud und Mbappé. Es gab immer Spieler, die den Unterschied ausmachen und Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften gewinnen konnten. Derzeit haben sie vier oder fünf Stürmer, die Außergewöhnliches leisten und jede Menge Klasse zeigen.“
Große Bewunderung zollt Fernandez auch Trainer Didier Deschamps: „Wir haben zusammen für Frankreich gespielt, und ich mochte seinen Charakter schon immer. Er wurde manchmal kritisiert, aber ich habe das nie verstanden. Er hat bei Monaco, Juventus, Marseille und natürlich mit Frankreich bewiesen, was für ein großartiger Trainer er ist – er hat eine Weltmeisterschaft gewonnen und die Mannschaft in ein weiteres Finale geführt. Er hat einen sehr starken Kader aufgebaut. Ich liebe Deschamps und hoffe, ihn beglückwünschen zu können, falls er diese WM gewinnt.“
Spaniens Mittelfeldtradition und die Rolle von Rodri
Trotz seiner Unterstützung für Frankreich gesteht Fernandez seine Zuneigung zu Spanien: „Ich hatte schon immer eine Schwäche für Spanien. Ich liebe den spanischen Fußball, besonders die Tradition im Mittelfeld. Ich bin auch ein großer Fan der Arbeit von Luis de la Fuente, denn er hat eine Spitzenmannschaft aufgebaut, die vor zwei Jahren Europameister wurde. Spanien hatte schon immer eine unverwechselbare Identität mit Spielern wie Sergio Busquets, Xavi und Andrés Iniesta. Sie haben das Talent und das Potenzial, sehr attraktiven Fußball zu spielen. Ich drücke Frankreich die Daumen für den WM-Titel, aber wenn Spanien sie ausschalten und selbst Meister werden sollte, würde ich mich auch für sie freuen. Auch England hat mir bei diesem Turnier sehr gut gefallen.“
Besonders fasziniert ist Fernandez von der Entwicklung der zentralen Mittelfeldspieler: „Ich denke oft an Johan Cruyff zurück und daran, wie er Pep Guardiola zu diesem tiefstehenden Spielmacher geformt hat. Dann kam Busquets, und jetzt gibt es Rodri. Ich habe diesen Spielertyp immer bewundert – wegen ihrer technischen Fähigkeiten, ihrer Ballkontrolle und ihrer Fähigkeit, das Spiel zu lenken. Sowohl Spanien als auch Frankreich haben unglaublich talentierte Mittelfelder.“
Erwartungen an das Halbfinale und Mbappé vs. Yamal
Fernandez hofft auf ein denkwürdiges Spiel: „Ich möchte das Stadion mit dem Gefühl verlassen, ein großartiges Spektakel gesehen zu haben. Ich würde gerne attraktiven und hochklassigen Fußball sehen, der im richtigen Geist und mit gegenseitigem Respekt gespielt wird. Hoffentlich wird es eine offene, unterhaltsame Partie mit vielen Chancen und Momenten der Brillanz, die bei den Fans einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“
Beim Vergleich der Schlüsselspieler sieht Fernandez Mbappé derzeit vorne: „Im Moment würde ich sagen, dass Mbappé die Nase vorn hat. Er ist in großartiger Form, voller Selbstvertrauen und zeigt echte Führungsqualitäten durch seine Leistungen und den Einsatz für seine Teamkollegen. Lamine Yamal ist noch dabei, zu seiner Bestform zurückzufinden, und ich denke, er hat noch viel mehr zu bieten. Mbappé dagegen reitet auf einer Welle des Erfolgs und hat nun die Chance, Frankreich zu einem weiteren Weltmeistertitel zu führen. Nach zwei schwierigen Spielzeiten bei Real Madrid könnte dieses Turnier den Beginn eines neuen Kapitels für ihn markieren, gekrönt von einem großen Erfolg.“
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