Tottenhams Transferfenster zeigt große WSL-Ambitionen

Kurzüberblick
Tottenham Hotspur hat im Sommer kräftig in den Kader der Frauen investiert und damit klare Ambitionen in der Women's Super League angemeldet. Mit Rekordtransfer Alice Sombath und weiteren Neuzugängen will das Team um Trainer Martin Ho in die Spitzengruppe vorstoßen.
Die Transferaktivitäten von Tottenham Hotspur im Sommer zeigen deutlich, dass der Klub in der kommenden Saison der Women's Super League (WSL) Großes vorhat. Trainer Martin Ho hat den Kader gezielt verstärkt und ein Team zusammengestellt, das auf dem Papier durchaus in der Lage ist, die etablierten Top-Klubs der Liga herauszufordern.
In der vergangenen Saison belegten die Spurs den fünften Platz in der WSL – eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, als man noch gegen den Abstieg kämpfte. Dieser Aufwärtstrend soll nun fortgesetzt werden.
Rekordtransfer und weitere Verstärkungen
Den wohl spektakulärsten Neuzugang präsentierte Tottenham mit der Verpflichtung der französischen Verteidigerin Alice Sombath von Olympique Lyon. Für die 23-Jährige zahlte der Klub eine Ablöse, die den bisherigen Vereinsrekord übertraf. Bereits im Januar hatte Tottenham mit der Verpflichtung der norwegischen Mittelfeldspielerin Signe Gaupset für rund 375.000 Pfund ein Ausrufezeichen gesetzt.
Neben Sombath und Gaupset verpflichteten die Spurs zudem die Stürmerinnen Shekiera Martinez und Kirsty Hanson, die Verteidigerin Caitlin Dijkstra, die Mittelfeldspielerin Victoria Pelova sowie Torhüterin Selma Panengstuen. Damit hat der Klub auf nahezu allen Positionen nachgerüstet und zeigt, dass man ernsthaft um die Spitzenplätze mitspielen will.
Der Weg nach oben: Von der Abstiegsangst zur Europacuphoffnung
Für Tottenham ist es bereits die siebte Saison in der höchsten Spielklasse. Der Verein hat sich in dieser Zeit enorm weiterentwickelt: Das Personal wurde aufgestockt, die Trainingsbedingungen verbessert. Die Mannschaft trainiert am eigenen Standort im Trainingszentrum Hotspur Way. Allerdings wurden Pläne für ein neues Akademie-Gelände für Frauen und Mädchen diese Woche vor Gericht gestoppt.
Die Entwicklung des Frauenteams ist bemerkenswert: Nur wenige Monate nach dem Aufstieg 2019 kamen fast 40.000 Zuschauer ins Tottenham Hotspur Stadium, als man im Nordlondoner Derby gegen Arsenal antrat. Ein Jahr später wurde US-Superstar Alex Morgan nach ihrer Geburt für ein kurzes Leihgeschäft verpflichtet. 2024 erreichte Tottenham das Finale des Women's FA Cup.
Nach einer enttäuschenden Saison 2024/25 unter Trainer Robert Vilahamn wurde dieser entlassen und Martin Ho übernahm. In seiner ersten Saison führte er die Spurs zurück in die obere Tabellenhälfte.
Ein 12-Monats-Plan für den Kader
Seit Ho im Juli 2025 zum Klub stieß, verfolgt Tottenham einen 12-Monats-Plan für die Kaderplanung. Bereits vor Hös Vertragsunterzeichnung waren Gespräche mit Stürmerin Cathinka Tandberg und Verteidigerin Toko Koga weit fortgeschritten – beide wechselten 2025 zu den Spurs und entwickelten sich unter Ho zu Schlüsselspielerinnen.
Ho nahm sich im ersten Sommer Zeit, den Kader zu analysieren, bevor er umfassende Veränderungen einleitete. Laut Vereinsquellen hat Tottenham bereits im Januar alle wichtigen Transferziele erreicht und dies auch in diesem Sommer getan – obwohl das Transferfenster noch bis zum 3. September geöffnet ist. Die Verantwortlichen legten bewusst Wert darauf, die Deals früh abzuschließen, damit Ho mit dem gesamten Kader eine vollständige Vorbereitung absolvieren kann.
Eine zentrale Rolle bei den Transfergeschäften spielte Managing Director Andy Rogers, der seit 24 Jahren bei Spurs arbeitet. Er leitete die Sommer-Transfers und möchte den Klub in einer starken Position hinterlassen, bevor er sein Amt niederlegt.
Das große Ziel: Europa
Wie erfolgreich die vorausschauende Planung und die Transferpolitik tatsächlich sind, wird sich am Ende der Saison zeigen. Tottenham hat sich als WSL-Klub etabliert und verfügt über ausreichend Ressourcen abseits des Platzes, um den nächsten Schritt in Richtung europäischer Wettbewerbe zu gehen.
Ho betont immer wieder, dass Tottenhams Ambition darin besteht, mit den besten Teams der WSL mitzuhalten und einen Kader aufzubauen, der für Europa geeignet ist. Allerdings ist der Weg dorthin steinig: Nur die drei besten Teams der WSL qualifizieren sich für die Women's Champions League, und mit Arsenal, Chelsea, Manchester City und Manchester United dominieren derzeit vier Klubs diese Plätze.
Hinzu kommt die Konkurrenz durch finanzstarke Aufsteiger wie London City Lionesses und Brighton, die ebenfalls davon träumen, in die Top Drei vorzudringen. Diese Investitionen und das Wachstum anderer Klubs sind für Tottenham ein Ansporn, nicht abgehängt zu werden – in einer Zeit, in der Transferrekorde im Frauenfußball ständig gebrochen werden.
Gleichzeitig befinden sich Diskussionen über Finanzregeln und Gehaltsobergrenzen im Frauenfußball noch in den Kinderschuhen. Das bedeutet, dass Klubs derzeit noch relativ frei investieren können, ohne auf große regulatorische Hürden zu stoßen – auch wenn sich dies in naher Zukunft ändern könnte.
Ein neuer Kurs auch bei den Männern
Tottenhams Ausgaben für die Frauenmannschaft fallen in einen Sommer, in dem auch die Männer ambitioniert auf dem Transfermarkt aktiv sind. Die Männermannschaft will nach einer schwachen Saison, die fast zum Abstieg aus der Premier League geführt hätte, wieder angreifen.
Die Investitionen sind Teil einer umfassenden Strategieänderung nach dem Rücktritt von Chairman Daniel Levy im September 2025 und den anschließenden Veränderungen im Vorstand. Vinai Venkatesham, der im April 2025 von Arsenal als Chief Executive Officer zu Tottenham kam, war maßgeblich am Erfolg der Arsenal-Frauen beteiligt und hofft, diese Erfolgsgeschichte nun bei Tottenham zu wiederholen.
Mit der Verpflichtung einiger der besten jungen Talente Europas – wie Gaupset und Sombath – und der Kombination mit erfahrenen WSL-Torjägerinnen wie Hanson und Martinez will Tottenham Ho einen Kader bieten, den er weiterentwickeln und formen kann.
Eine weitere große Herausforderung bleibt das Wachstum der Fangemeinde. In der vergangenen WSL-Saison lag der durchschnittliche Zuschauerzuspruch bei nur 1.734 – eine Zahl, die durch höhere Besucherzahlen bei einzelnen Spielen im Hauptstadion leicht nach oben korrigiert wurde. Um langfristig mithalten zu können, muss Tottenham auch abseits des Platzes wachsen.
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