Džekos letzter Tanz könnte Bosniens Neuanfang sein

Kurzüberblick
Edin Džeko, einer der größten Fußballer Bosnien-Herzegowinas, steht am Ende seiner Karriere. BBC Sport erzählt die Geschichte eines unterschätzten Spielers, der den Krieg überlebte und Geschichte für sein Land schrieb.
Edin Džeko, der Kapitän der bosnischen Nationalmannschaft und einer der bekanntesten Fußballer des Landes, befindet sich in der finalen Phase seiner beeindruckenden Karriere. Der 38-jährige Stürmer, der aktuell für Fenerbahçe in der Türkei spielt, hat nicht nur auf dem Platz Geschichte geschrieben, sondern auch abseits davon eine bewegende Lebensgeschichte zu erzählen. BBC Sport wirft einen Blick auf einen Spieler, der oft unterschätzt wurde, aber durch seine Leistungen und seinen Charakter unvergesslich bleibt.
Vom Krieg zum Ruhm
Džeko wurde 1986 in Sarajevo geboren, nur wenige Jahre bevor der Bosnienkrieg (1992–1995) das Land erschütterte. Seine Familie musste während des Konflikts ums Überleben kämpfen, und der junge Edin fand im Fußball einen Ausweg aus der schwierigen Realität. „Fußball war meine Flucht“, sagte Džeko in einem Interview. „Wenn ich auf dem Platz stand, vergaß ich alles um mich herum.“ Diese Erfahrung prägte ihn und gab ihm die Entschlossenheit, es an die Spitze zu schaffen.
Sein Talent blieb nicht unbemerkt: Nach Stationen bei FK Željezničar in Bosnien und Teplice in Tschechien wechselte Džeko 2007 zum VfL Wolfsburg in die Bundesliga. Dort entwickelte er sich zu einem der gefährlichsten Stürmer Europas und führte den Verein 2009 zur deutschen Meisterschaft. Mit 26 Toren in der Saison 2008/09 wurde er Torschützenkönig der Bundesliga – eine Leistung, die ihm den Spitznamen „Diamant“ einbrachte.
Ein Weg voller Höhen und Tiefen
Nach seinem Erfolg in Deutschland zog es Džeko 2011 zu Manchester City in die Premier League. Dort gewann er zwei Meisterschaften (2012, 2014) und den FA Cup (2011), blieb aber oft im Schatten von Stars wie Sergio Agüero. Kritiker bemängelten seine mangelnde Konstanz, doch Džeko bewies immer wieder seine Klasse – vor allem in entscheidenden Momenten. Sein Tor zum 3:2 gegen Queens Park Rangers am letzten Spieltag der Saison 2011/12 sicherte City die erste Meisterschaft seit 44 Jahren und ist bis heute legendär.
Nach Stationen bei der AS Rom (2015–2021) und Inter Mailand (2021–2023) wechselte Džeko 2023 zu Fenerbahçe. Auch mit 38 Jahren ist er noch immer torgefährlich: In der laufenden Saison erzielte er bereits 15 Tore in der Süper Lig und zeigte, dass er auch im fortgeschrittenen Fußballalter eine wichtige Rolle spielen kann.
Der Nationalheld
Für Bosnien-Herzegowina ist Džeko mehr als nur ein Spieler – er ist eine Ikone. Mit 65 Toren in 134 Länderspielen ist er der Rekordtorschütze seines Landes und führte die Nationalmannschaft 2014 zur ersten und bisher einzigen Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. In Brasilien erzielte er das erste WM-Tor für Bosnien gegen Argentinien, ein Moment, der das ganze Land in Ekstase versetzte. „Das war der stolzeste Moment meiner Karriere“, erinnert sich Džeko. „Ich habe für mein Volk gespielt, das so viel durchgemacht hat.“
Doch die Nationalmannschaft kämpft seit Jahren mit Problemen: Politische Streitigkeiten, fehlende Infrastruktur und eine schwache Talentförderung haben dazu geführt, dass Bosnien sich seit 2014 nicht mehr für ein großes Turnier qualifizieren konnte. Džeko, der oft als Vermittler zwischen den verfeindeten Lagern im bosnischen Fußball auftritt, hofft, dass seine Generation den Weg für eine bessere Zukunft ebnet. „Ich möchte, dass die jungen Spieler sehen, dass alles möglich ist, wenn man hart arbeitet und an sich glaubt“, sagte er.
Ein Vermächtnis jenseits des Platzes
Abseits des Fußballs engagiert sich Džeko stark für wohltätige Zwecke. Er gründete die Edin Džeko Foundation, die Kindern in Bosnien hilft, und unterstützt Projekte zur Versöhnung zwischen den ethnischen Gruppen im Land. „Fußball kann Brücken bauen“, betont er. „Ich will, dass mein Vermächtnis nicht nur aus Toren besteht, sondern auch aus dem, was ich für mein Land getan habe.“
Während Džekos Karriere sich dem Ende neigt, bleibt sein Einfluss auf den bosnischen Fußball unbestreitbar. Er hat nicht nur Geschichte geschrieben, sondern auch gezeigt, dass ein Junge aus Sarajevo, der den Krieg überlebte, die Weltbühne erobern kann. Sein letzter Tanz könnte tatsächlich der Beginn einer neuen Ära für Bosnien-Herzegowina sein – eine Ära, in der die nächste Generation auf seinen Schultern steht.
Mehr zu diesen Themen

Real Madrid plant keine Verpflichtung von Rodri in diesem Sommer
Real Madrid wird in diesem Sommer voraussichtlich keine Verpflichtung von Rodri anstreben, nachdem der Deal mit Bernardo Silva zustande kam. Der spanische Klub sieht Rodri nicht als Priorität, und es liegt nun am Spieler, ob er einen neuen Vertrag bei Manchester City unterschreibt oder 2027 ablösefrei geht.

Rodri dementiert Wechselgerüchte zu Real Madrid
Manchester Citys Mittelfeldstar Rodri hat Spekulationen über einen Wechsel zu Real Madrid zurückgewiesen. Gegenüber dem spanischen Radiosender El Larguero erklärte er, dass er sich voll auf die Weltmeisterschaft konzentriere und einen gültigen Vertrag bei City habe.

Marc Cucurella über seine Zukunft: „Ich bin glücklich, wo ich bin“
Chelsea-Verteidiger Marc Cucurella äußert sich zu Spekulationen über einen Wechsel zu Barcelona oder Atlético Madrid. Der Spanier betont, dass er bei seinem aktuellen Klub zufrieden ist und keine Transfergespräche hören möchte.

Japan-Kapitän Endo fällt für WM aus
Japan muss bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ auf seinen Kapitän Wataru Endo verzichten. Der 33-jährige Liverpool-Profi erholt sich nicht rechtzeitig von einer Fußverletzung und beendet seine internationale Karriere. Shuto Machino rückt nach, Ko Itakura übernimmt die Kapitänsbinde.



