Verschwörung oder Chaos? Algerien und Österreich verteidigen ‚unerwartetes‘ Unentschieden

Kurzüberblick
Nach einem dramatischen 3:3-Unentschieden zwischen Algerien und Österreich bei der WM 2026 weisen beide Teams Vorwürfe zurück, das Spiel sei abgesprochen gewesen.
Das ‚Schande von Gijón‘ – ein berüchtigtes Spiel bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien – verfolgt Österreich und Algerien seit 44 Jahren. Nun trafen beide Mannschaften in der Gruppenphase der WM 2026 erneut aufeinander, und wieder stand der Vorwurf der Absprache im Raum. Ein atemberaubendes 3:3 am Sonntagmorgen bescherte beiden Teams den Einzug in die K.o.-Runde, während der Iran ausschied. Doch sowohl Österreich als auch Algerien wehren sich vehement gegen den Verdacht, das Spiel sei manipuliert gewesen.
Der historische Hintergrund: Die ‚Schande von Gijón‘
1982 trafen Westdeutschland und Österreich im letzten Gruppenspiel aufeinander. Ein 1:0-Sieg der Deutschen reichte beiden Teams, um weiterzukommen und Algerien auszuschalten. Das Spiel wurde berüchtigt, weil beide Mannschaften nach der frühen Führung kaum noch Angriffe vortrugen – ein stillschweigendes Einverständnis, das den Fußball in Verruf brachte. Nun, 44 Jahre später, schienen sich die Ereignisse zu wiederholen: Algerien und Österreich wussten vor dem Spiel, dass ein Unentschieden beiden den Gruppensieg oder den zweiten Platz sichern würde, während der Iran trotz eines 1:1 gegen Ägypten ausgeschieden wäre.
Das Spiel: Ein dramatischer Schlagabtausch
Die Partie in Kansas City begann verhalten. Marko Arnautovic erzielte in der 28. Minute die Führung für Österreich – es war der erste Torschuss des Spiels. Rafik Belghali glich in der 45. Minute zum 1:1 aus. Marcel Sabitzer brachte Österreich in der 55. Minute erneut in Führung, doch Riyad Mahrez glich nur fünf Minuten später zum 2:2 aus. In der 93. Minute schien Mahrez mit seinem zweiten Tor den Sieg für Algerien zu erzielen – ein Treffer, der Österreich aus dem Turnier geworfen und den Iran ins Achtelfinale gebracht hätte. Doch in der 96. Minute köpfte Sasa Kalajdzic den Ball zum 3:3-Endstand ins Tor und rettete Österreich ins Achtelfinale.
Verschwörungstheorien und Vorwürfe
Iranische Fans fühlten sich betrogen und forderten die FIFA auf, das Spiel zu untersuchen. In sozialen Medien verbreiteten sie Videos, die ihrer Meinung nach eine Absprache belegen. So wurde Österreichs Mannschaft vorgeworfen, sie sei „herumgeschlendert“, bis Algerien den Ausgleich erzielte. Ein Fan schrieb: „Es war eine Schande“, ein anderer: „Das abgekarteteste Spiel, das ich je gesehen habe.“ Ein weiterer Nutzer nannte es „einen Skandal“. Besonders verdächtig erschien vielen eine Szene, in der Algeriens Aissa Mandi sich den Mund zuhielt und mit Mahrez sprach – angeblich habe er ihm mitgeteilt, dass ein Sieg im Achtelfinale gegen Spanien statt gegen die Schweiz führen würde. Kurz darauf erzwang Österreich den Ausgleich.
Die Reaktionen: Trainer weisen Vorwürfe zurück
Österreichs Trainer Ralf Rangnick wies die Verschwörungstheorien entschieden zurück. „Wenn jemand mit drei Minuten zu spielen gesagt hätte, dass das passieren würde, hätte man ihn für verrückt erklärt“, sagte Rangnick. „Ich bin seit etwa 40 Jahren Trainer und ich kann mich nicht an ein Spiel erinnern, das einen so dramatischen Verlauf und eine so unerwartete Wendung genommen hat. Die meisten erwarteten ein 0:0 oder 1:1, und jetzt ist es 3:3. Es ist unglaublich – die Kabine ist verrückt. Wenn Alfred Hitchcock so ein Drama geschrieben hätte, hätte ich wahrscheinlich gesagt, er sei völlig verrückt.“ Auch Algeriens Trainer Vladimir Petkovic wies die Vorwürfe zurück: „Ich bin extrem glücklich, dass am Ende der Fußball gewonnen hat – 3:3 sagt alles.“
Ausblick: Die nächsten Runden
Österreich trifft im Achtelfinale am Donnerstag, 2. Juli, um 20:00 Uhr BST in Los Angeles auf Spanien. Algerien spielt am Freitag, 3. Juli, um 04:00 Uhr BST in Vancouver gegen die Schweiz. Beide Mannschaften hoffen, die Diskussionen um das Gruppenspiel hinter sich zu lassen und sich auf die kommenden Herausforderungen zu konzentrieren.
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