David gegen Goliath: Die größten Ranking-Unterschiede der WM

Kurzüberblick
Die WM 2026 bringt mit 48 Teams einige krasse Duellen zwischen Top-Nationen und Außenseitern. Brasilien, England und Spanien treffen auf Gegner, die im FIFA-Ranking bis zu 77 Plätze hinter ihnen liegen. Die Geschichte zeigt jedoch, dass Ranglisten nichts garantieren.
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ wird mit 48 Teams ausgetragen, was zahlreichen Debütanten und niedriger eingestuften Nationen die Chance eröffnet, sich mit den traditionellen Schwergewichten des Weltfußballs zu messen. Der Blick auf die aktuelle FIFA/Coca-Cola Männer-Weltrangliste offenbart dabei enorme Unterschiede: Die größte Kluft zwischen Gegnern in der Gruppenphase beträgt 77 Plätze. Hochkaräter wie Brasilien, England und Spanien treffen auf Mannschaften, die außerhalb der Top 65 rangieren.
Doch die WM-Geschichte lehrt, dass Ranglisten keine Sicherheit bieten. Saudi-Arabien besiegte den späteren Weltmeister Argentinien bei der WM 2022 in Katar, während La Albiceleste auch als Titelverteidiger 1990 in Italien gegen Kamerun verlor. Nordkorea wiederum sorgte 1966 in England mit einem Sieg gegen Italien für eine Sensation. Im Vorfeld des kommenden globalen Großereignisses stechen fünf Begegnungen als die größten David-gegen-Goliath-Duelle auf dem Papier hervor.
Gruppe C: Philadelphia Stadium, 19. Juni – Ranglistenabstand: 77 Plätze
Der fünfmalige Weltmeister Brasilien geht als Nummer sechs der Welt in die WM, während Haiti auf Platz 83 liegt. Die beiden Nationen trafen bereits viermal aufeinander, wobei die Seleção in den letzten beiden Begegnungen klare Siege mit sechs Toren Unterschied feierte: 7:1 bei der Copa America Centenario 2016 und 6:0 in einem Freundschaftsspiel 2004. Haitis Qualifikation ist eine der Geschichten des Turniers: Les Grenadiers erreichen zum ersten Mal seit 1974 wieder eine WM. Damals schrieb Emmanuel „Manno“ Sanon Fußballgeschichte, als er gegen Italien traf und damit Dino Zoffs Weltrekord-Serie von 1.142 Minuten ohne Gegentor beendete. Haiti verlor zwar 3:1, doch Sanons Tor bleibt einer der gefeiertsten Momente der Fußballgeschichte des Landes. Auch Brasilien weiß, dass Weltmeisterschaften selten nach Drehbuch verlaufen. Die Seleção erlitt 1950 im „Maracanazo“-Finale im eigenen Land eine der größten Überraschungen der Turniergeschichte, als sie gegen Uruguay verlor. Das 1:7 im Halbfinale 2014 gegen Deutschland – ebenfalls als Gastgeber – war ein weiteres einschneidendes Ergebnis.
Gruppe G: Vancouver Stadium, 26. Juni – Ranglistenabstand: 76 Plätze
Belgien und Neuseeland sind im Seniorenbereich der Männer noch nie aufeinandergetroffen. Belgien, auf Platz neun der Welt, gehört trotz des allmählichen Übergangs von der gefeierten „Goldenen Generation“ weiterhin zu den konstantesten Turniermannschaften Europas. Neuseeland (Platz 85) kehrt nach 2010 erstmals wieder zu einer WM zurück. Damals schieden die All Whites ungeschlagen aus, nachdem sie gegen die Slowakei, Italien und Paraguay Unentschieden erreicht hatten. Das 1:1 gegen den damaligen Titelverteidiger Italien gilt als das wohl größte Ergebnis der neuseeländischen Geschichte. Auch Belgien hat im Laufe der Jahre viele denkwürdige Ergebnisse erzielt, doch die Roten Teufel wurden in Katar vom späteren Halbfinalisten Marokko überrascht – eine Niederlage, die trotz Rang zwei in der Welt zu ihrem Vorrundenaus beitrug. Bereits 1994 erlebte Belgien eine Überraschung, als es 0:1 gegen Saudi-Arabien verlor, nachdem Saeed Al-Owairan mit einem Solo durch die belgische Abwehr eines der ikonischsten Tore der WM-Geschichte erzielt hatte.
Gruppe E: Houston Stadium, 14. Juni – Ranglistenabstand: 72 Plätze
Das Aufeinandertreffen von Curaçao mit Deutschland in Houston wird das erste WM-Spiel der Karibiknation überhaupt sein. Curaçao (Platz 82) ist das bevölkerungsärmste Land, das sich je für eine Fußball-WM qualifiziert hat, und steht vor einem schweren Debüt gegen den vierfachen Weltmeister Deutschland, der nach enttäuschenden Auftritten 2018 und 2022 wieder zu alter Stärke zurückfinden will. Da nur Brasilien mehr WM-Teilnahmen als Deutschlands 20 vorweisen kann, überrascht es nicht, dass Die Mannschaft in ihren 112 bisherigen WM-Spielen einige Schocker erlebt hat. Algeriens 2:1-Sieg in ihrem ersten WM-Spiel 1982 ist in die Folklore von Les Fennecs eingegangen, während Südkorea 2018 den Titelverteidiger Deutschland besiegte. Tore von Kim Younggwon und Son Heungmin in der Nachspielzeit bescherten einen 2:0-Sieg, der Deutschland erstmals in der Vorrunde ausscheiden ließ.
Gruppe L: Boston Stadium, 23. Juni – Ranglistenabstand: 69 Plätze
England und Ghana sind noch nie in einem Pflichtspiel der Senioren aufeinandergetroffen, absolvierten jedoch 2011 ein Freundschaftsspiel im Wembley-Stadion, das durch ein spätes Tor von Asamoah Gyan nach Andy Carrolls Führung 1:1 endete. England (Platz vier) reist als einer der Favoriten nach Kanada, Mexiko und in die USA und trifft im zweiten Spiel der Gruppe L im Boston Stadium auf Ghana (Platz 73). Die Black Stars haben ihren Außenseiterstatus jedoch schon früher widerlegt: 2010 erreichten sie als erst dritte afrikanische Mannschaft das WM-Viertelfinale und verpassten nur knapp den Halbfinaleinzug. Die WM-Geschichte der Three Lions enthält einen der ursprünglichen „Giant-Killing“-Acts: eine 0:1-Niederlage gegen die USA im Jahr 1950, die als „Wunder auf dem Rasen“ bekannt wurde. Auch das Ausscheiden gegen Island bei der UEFA EURO 2016 ist eine weitere Erinnerung daran, wie schnell Erwartungen im internationalen Fußball zunichtegemacht werden können.
Gruppe H: Atlanta Stadium, 15. Juni – Ranglistenabstand: 65 Plätze
Spanien und Cabo Verde treffen in Atlanta erstmals aufeinander – ein Duell, das einen der auffälligsten Kontraste des Turniers darstellt. Spanien (Platz zwei) kommt als UEFA-Euro-2024-Meister und wird von einer glänzenden neuen Generation um Lamine Yamal und Pedri angetrieben. Cabo Verde (Platz 67) gibt sein WM-Debüt nach Jahren stetiger Fortschritte, die durch Diaspora-Talente und verstärkte heimische Investitionen ermöglicht wurden. Die Blue Sharks haben sich in den letzten zehn Jahren einen Ruf als einer der gefährlichsten Außenseiter des afrikanischen Fußballs erarbeitet. Beim Afrika-Cup 2023 besiegte Cabo Verde Ghana und Mosambik und spielte 2:2 gegen Ägypten; in der WM-Qualifikation bezwang Bubistas Team Kamerun und sicherte sich so die Turnierteilnahme. Spanien wird seine Gegner nicht unterschätzen, wurde es doch bei der WM 1982 im eigenen Land von Nordirland überrascht. La Roja verlor 0:1, als Gerry Armstrongs Siegtor einen der größten WM-Überraschungen besiegelte.
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